Stadtbäume können Bildung von bodennahem Ozon massiv fördern
Trauerweiden, Platanen und Stieleichen lassen in Städten bei Hitze viel bodennahes Ozon entstehen, berichten Innsbrucker Forscher mit Kollegen im Fachjournal "Science Advances". Solche Baumarten scheiden dann Substanzen aus, die in Kombination von Sonnenlicht und Stickoxiden verstärkt zur Bildung dieses giftigen Reizgases beitragen. Wenn man neue Stadtbäume pflanzt, sollte man daher emissionsarme Arten wie fruchttragende Bäume und Ginkgo wählen, so die Forscher zur APA.

Ein Team um Thomas Karl vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck und Min Shao von der Jinan Universität in Guangzhou (China) hat drei Monate lang die Mengen an "flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs)" beim Pekinger Wetterturm gemessen und ermittelt, woher sie stammen. Ein Zehntel davon war von biologischen Quellen wie den Stadtbäumen. Der Großteil kam aus anthropogenen Quellen, etwa von Kraftstoffdämpfen, vom Kochen und Lösungsmitteln.
Die von Bäumen ausgestoßenen flüchtigen organischen Verbindungen waren aber vor allem bei Hitze viel reaktiver, als die von menschlichen Aktivitäten verursachten, so die Forscher. Obwohl sie nur ein Zehntel der Menge ausmachten, trugen sie bei hohen Temperaturen (bis 35 Grad Celsius) drei Viertel zur "VOC-Reaktivität" bei. Ein Großteil dieses Effekts ging auf das biogene VOC Isopren zurück, das für mehr als 90 Prozent der chemischen Reaktivität der aus der Natur stammenden VOC-Emissionen verantwortlich war.
Zusätzliche Messungen in Innsbruck ergaben, dass dort viel weniger solcher flüchtiger Substanzen von den Bäumen abgegeben werden. Das liegt daran, dass in Peking mehr als ein Drittel der Bäume stark emittierende Arten wie die Trauerweide und Chinesische Weißpappel sind, so Karl: Würde man dort bei der routinemäßigen Erneuerung des Stadtbaumbestandes ein Zehntel der Bäume durch emissionsärmere Arten ersetzen, ließen sich die Isopren-Emissionen um ein Drittel senken.
In europäischen Städten würden sich deutlich weniger Baumarten finden, die Isopren abgeben. In Österreich heimische Baumarten emittieren häufig Monoterpene, "die ebenfalls ozonbildend sind, jedoch in geringeren Mengen als Isopren abgegeben werden", so Karl. Aber auch hierzulande wäre es naheliegend, das Emissionspotenzial bei der Baumauswahl zu berücksichtigen. Unverzichtbar seien aber fortgesetzte Kontrollen der anthropogenen Stickoxid-Emissionen, besonders in heißen Perioden.
(SERVICE - Link zur Studie: https://doi.org/10.1126/sciadv.aee5583 )