Wie Keramikgefäße schon in der Bronzezeit zur Marke wurden
In Oasen in der arabischen Wüste gab es bereits in der Bronzezeit vor 3.200 Jahren quasi Marken bei Keramikwaren. Zweifarbig bemalte Gefäße seien so unverwechselbar, ästhetisch ansprechend und nachgefragt gewesen, dass sie getrost als Marke gesehen werden können, zeigt eine internationale Studie unter Leitung von Marta Luciani von der Universität Wien im Fachjournal "PLOS One".

Das Forscherteam hat Funde aus einem Töpferofen in der Oase Qurayyah im Nordwesten Saudi-Arabiens aufwendig untersucht und so Einblicke in die Herstellung bemalter Keramik bekommen. "Dass es eine Marke war, erkennen wir unter anderem an den Malereien quasi im Corporate Design, der Produktion im industriellen Maßstab und dem Export der Ware", erklärte die Studienleiterin vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie im Gespräch mit der APA. In anderen Regionen, die diese gefragten Produkte importiert hätten, seien sie auch imitiert worden - nicht aus demselben Ton und nicht so schön bemalt wie die echte Marke, "also wie bei Adidas-Imitaten, wenn man so will".
Die ersten Exemplare der bemalten Keramik seien vor 3.600 Jahren hergestellt und laufend weiterentwickelt worden. Vier Jahrhunderte später habe es dann - nun als Marke - ein großes Repertoire an Produkten, bemalt mit zweifarbigen Tieren und der Darstellung von Menschen gegeben. Bei den Tieren reichte die Palette von Löwen, Steinböcken und Sträußen über Rehkitze und Hunde bis zu Eidechsen. Die Menschenbilder seien "nicht statisch, sondern zeigen Bewegungen und Rituale. Männer werden oft mit nacktem, muskulösem Oberkörper dargestellt, teilweise mit Waffen. An einem Bund fanden sich die Zügel eines Streitwagens als Symbol der Macht", beschrieb die Archäologin.
Zur Marke wurden die Gefäße laut den Forschenden, die einen entsprechenden Kriterienkatalog erarbeitet haben, weil sie ein einziges Produktionszentrum als Ursprung hatten, technologisch einheitlich und optisch unverwechselbar waren. Zudem gab es eine kommerzielle Ausrichtung und große Verbreitung - die Waren wurden über Hunderte von Kilometern nach Norden in die südliche Levante sowie nach Süden bis nach Nordarabien verkauft. Dabei ging die Produktion über lokale Bedürfnisse deutlich hinaus.
Das Keramikrepertoire stelle ein frühes Beispiel für Markenbildung in der Keramikproduktion dar, auch ohne speziell hinzugefügte Symbole wie Siegelprägungen. Die Töpfertradition von Qurayyah habe dann noch weitere tausend Jahre bis weit in die späte Eisenzeit angedauert, so Doralice Klainscek, Doktorandin an der Uni Wien und Mitautorin der Studie, in einer Aussendung.
Grundlage der Erkenntnisse sei eine Kombination verschiedener Ansätze gewesen, beispielsweise indem untersucht wurde, mit welchen Technologien die Gefäße geformt wurden, wie sie sich chemisch zusammensetzen oder welche Ablagerungen in den Tonmischbecken zu finden sind, erklärten Pamela Fragnoli vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Johannes H. Sterba vom Zentrum für Markierung und Isotopenproduktion an der Technischen Universität (TU) Wien, die ebenso wie amerikanische und australische Forscher an der Studie beteiligt waren.
Mit dem Nachweis, dass der Ursprung dieser Gefäße in der Oase lag, ging auch eine Umbenennung der bisher "Midianitische Keramik" genannten Ware in "Qurayyah Painted Ware" einher. "Die frühere fälschliche Bezeichnung entstand aus der Welle der biblischen Archäologie, die Artefakte und Keramik gerne mit einem Volk - in diesem Fall den Midianitern - identifiziert hat. Wir haben lange gehadert, aber für uns war die Umbenennung aus wissenschaftlicher Sicht wichtig, weil diese Verbindung eigentlich nie stimmt. Das würde voraussetzen, dass alle Nutzer dieser Keramik zu dieser ethnischen Gruppe gehört haben, was nicht der Fall ist", so Luciani.
(S E R V I C E - https://doi.org/10.1371/journal.pone.0351296 )