Wenn das Grazer Publikum zum Geldgeber wird
Kleine Kulturinitativen setzen auf Crowdfunding und sind damit ziemlich erfolgreich.

„Unzureichende künstlerische Relevanz.“ Dieses vernichtende Urteil traf das Grazer Studio Percussion im Juli. Das seit vielen Jahren bestehende Ensemble hatte beim Land Steiermark um eine Projektförderung angesucht, um einen Tag im Zeichen des Komponisten Steve Reich zu veranstalten: ein 24-stündiges stadtweites Kultur- und Musikevent zum 90. Geburtstag des US-Komponisten am 3. Oktober, mit 90 Mitwirkenden und 27 Programmpunkten, Konzerten, Installationen und Performances an Spielplätzen quer durch die Stadt. Ein entsprechendes Förderansuchen wurde mit eingangs erwähnter Begründung abgelehnt.
Tatsächlich dürfte es bei solchen Ablehnungen weniger um Relevanz gehen, sondern darum, dass die Kassa leer ist und überhaupt kaum Einzelprojekte gefördert werden. Wir haben berichtet. Das Studio Percussion wollte den Reich-Tag trotzdem über die Bühnen bringen und startete ein Crowdfunding-Projekt: Innerhalb recht kurzer Zeit war die Summe herinnen. 25.219 Euro wurden bis Ende Juli gesammelt. Die Beispiele für solche Initiativen der Privatfinanzierung mehren sich.
Sind private Crowdfunding-Maßnahmen vielleicht ein probates Mittel, um Kultur zu finanzieren? Könnte man damit das Geld aus der öffentlichen Hand ersetzen? Hubert Hierzmann schmunzelt: „Das ist eher eine Erinnerung daran, welch reges Interesse in der Bevölkerung an kulturellen Einrichtungen besteht.“ Hierzmann ist einer der Motoren des Club Wakuum. Der Club gibt seit vielen Jahren randständiger Pop- und Subkultur eine Bühne, seit 2013 in der Griesgasse, über dem „Bunker“ (also dem ehemaligen „Arcadium“-Haus).
Crowdfunding-Ziel in 36 Stunden erreicht
Nach dem Aus des Techno-Clubs „Bunker“ haben sich die Wakuum-Leute dazu entschlossen, den viel größeren Raum zu übernehmen – finanziert durch Crowdfunding. 20.000 Euro wären der Optimalbetrag für die Adaptierung der Räumlichkeiten für einen Kultur- und Eventbetrieb gewesen. Tontechnik, ein Mischpult und eine verbesserte Bar standen auf dem Wunschzettel. „Wir haben das Ziel innerhalb von 36 Stunden erreicht“, berichtet Hierzmann. Aktuell steht man bei 28.342 Euro. Der Expansion des Wakuum steht also nichts im Wege. Im Gegensatz zum Clubbetrieb mit Jahresmitgliedschaften will man in der größeren Location als Veranstalter in Erscheinung treten und damit auch etwas größeren Acts eine Bühne bieten. Das Programm wird kuratiert, soll aber nicht nur Konzerte umfassen, sondern etwa auch Performancegruppen offen stehen.
Tatsächlich arbeitet der Club Wakuum in einem subkulturellen Bereich, in dem die öffentliche Förderungen oft nur Minisummen betragen. Für Hierzmann ist dieser Zuspruch aber kein Ersatz für öffentliche Unterstützung, sondern ein Signal an die öffentliche Hand, wie wichtig Kultur aus diesem Bereich für die Stadt ist.
Es gibt auch andere Beispiele: Der Kulturverein Raum117, der ebenso durch den Raster der Projektförderungen gefallen ist, hat kürzlich ein Crowdfunding gestartet, um im September ein Open Air Festival mit Street Art in Graz-Eggenberg (rund um die Waagner-Biró-Straße) zu veranstalten. Auch hier war man erfolgreich, für dieses „117 WÆnde-Festival“ hat man 6165 Euro gesammelt, um es bei freiem Eintritt zugänglich zu machen. Eine Woche lang wird dann dort Street Art entstehen (die Künstlerinnen und Künstler kommen aus ganz Österreich und auch aus dem Ausland), ein Detailprogramm gibt es nächste Woche.
Wie kreativ die Mittelbeschaffung derzeit läuft, davon zeugte schon die Rettung der Räumlichkeiten des Vereins Spektral am Lendkai durch die „Crowd“. Mittels Direktkrediten von 119 Personen, einem sogenannten „Crowdlending“, hat man die nötigen 350.000 Euro zusammengebracht. Für die Anwendung des „habiTAT“-Modells, das eigentlich für Wohnraum entwickelt worden ist, auf den Kulturbereich hat das Team des Spektral in diesem Jahr sogar den österreichischen Kulturfundraising-Preis erhalten.
