Interview: Womit die neue ORF-Landesdirektorin überzeugen will
Sigrid Hroch (59) übernimmt mit 1. Jänner 2027 die Leitung des steirischen ORF-Landesstudios, das sie seit fast 40 Jahren von innen kennt. Ein Gespräch über ihre Ziele und das Erreichen eines jungen Publikums.

War die Direktion „Ihres“ Landesstudios schon länger Ihr Ziel – nach Ihrem gern getätigten, oftmals zitierten Lebensmotto „You can get it, if you really want“?
SIGRID HROCH: Das Ziel ist über einen längeren Zeitraum gereift, ehe es sich vor etwa einem Jahr verfestigt hat und ich mir ganz sicher war, dass dies der nächste Weg für mich ist. Da kam dann auch dieses Motto ins Spiel – und Jimmy Cliff singt hier weiter „but you must try, try and try . . .“! Das ist die wesentliche Aussage.
Womit haben Sie Ihrer Meinung nach beim Hearing bzw. mit ihrem Bewerbungskonzept Clemens Pig vor allem überzeugt?
Durch Authentizität und durch ein Konzept auf Basis meiner langjährigen Erfahrung als Journalistin und Programmchefin. Ein Konzept mit realistischen Zielen, dem klaren Bekenntnis zum öffentlich-rechtlichen Auftrag und der Bereitschaft zu Innovation und Weiterentwicklung.
Kam ein Weg nach Wien ins ORF-Zentrum nie in Frage?
Vor vielen Jahren – in den 1990er-Jahren – kam dieser Ruf, ich habe mir das damalige Angebot gut überlegt, es war im chronikalen Fernsehbereich. Aber der Reiz, im Landesstudio bimedial und auch in anderen Bereichen arbeiten zu können, war stärker. Dazu kommt die enge Verbindung mit der Steiermark.
Sie kennen das Landesstudio eben schon lange, nämlich seit Sie 1987 dort in der Lehrredaktion erste Erfahrungen sammelten. Da baut man freilich auch Freundschaften auf. Ist das nun ein Nachteil in Ihrer künftigen Führungsposition?
Vor dieser Situation bin ich schon einmal gestanden – 2008, als ich aus der Mitte der Redakteure und Redakteurinnen zur Programmchefin bestellt wurde. Damit kann ich umgehen und ich kann Privates und Beruf sehr gut trennen.
Nennen Sie uns bitte eine Baustelle, die Sie angehen wollen.
Das Wort Baustelle ist für mich negativ besetzt und passt nicht wirklich zu einer der ersten Aufgaben, die ich angehen möchte: Social Media ist neben Radio, TV und Online das jüngste „Kind“ im Landesstudio. Es hat sich im vergangenen Jahr hervorragend entwickelt, muss aber personell gestärkt und noch besser ins journalistische Gesamtgefüge eingegliedert werden, um das volle kreative Potential ausschöpfen zu können. Ideen und technische Möglichkeiten für neue Formate im digitalen Bereich sind bereits vorhanden. Klarerweise alles innerhalb der strengen Grenzen, die uns das Gesetz vorgibt.
Man hört immer wieder Kritik, dass „Steiermark heute“ zu kurz ist. Werden Sie sich um einen Ausbau der Fläche bemühen? Gleichzeitig werden wohl Einsparungsmaßnahmen der Landesstudios von der Wien-Zentrale gefordert werden?
Das bewährte Team von „Steiermark heute“ schafft es tagtäglich, die sehr große Bandbreite unseres Bundeslandes abzubilden – Chronik, Sport, Kultur, Gesellschaft und vieles mehr. Die Quote spricht für sich. Selbstverständlich wird regelmäßig – wie auch bei anderen Formaten – evaluiert, ob bzw. welcher Optimierungsbedarf besteht. Das werden wir auch in Zukunft so machen. Zu weiteren Überlegungen rund um „Bundesland heute“ kann ich jetzt so kurz nach der Bestellung und Monate vor dem tatsächlichen Dienstantritt als Landesdirektorin noch nichts sagen.
Wie wollen Sie den ORF für eine junge Generation wichtig und reizvoll machen?
Indem wir Social Media als Eingangstor in die ORF-Welt anbieten und neue Erzählformen, neue Formate entwickeln, die für junge Menschen reizvoll sind. Die Medienkompetenz, die ja mittlerweile in den Lehrplänen verankert ist, sehe ich auch als Chance – neben dem theoretischen Teil sollte den jungen Menschen die Praxis gezeigt werden, und der ORF dafür ein offenes Haus sein.
Sie übernehmen die Funktion mit 1. Jänner 2027. Was soll man denn in fünf Jahren über Sigrid Hroch vor allem sagen?
Mein Ziel „Ein ORF für alle, auf allen Plattformen, jederzeit abrufbar“ soll kein leeres Schlagwort geblieben sein. Der ORF Steiermark soll unverzichtbarer regionaler Nahversorger sein – im Bundesland verankert, weltoffen und digital zukunftsfit und er soll weiterhin ein attraktiver Arbeitsplatz für junge Menschen sein, die im Medienbereich tätig sein möchten. Von mir soll man sagen: Sie hat etwas bewegt, das Studio wirtschaftlich geführt und Platz für neue Ideen, Projekte und Formate geschaffen.
Werden Sie selbst die Nachfolge für die Programmleitung von Radio Steiermark aussuchen?
Ich übernehme von Gerhard Koch ein bestens geführtes Haus und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großer journalistischer, technischer und kreativer Kompetenz. Ich freue mich, mit diesem Team die Herausforderungen der nächsten Jahre zu meistern. Wie die Details aussehen werden, wird in den nächsten Monaten sorgfältig ausgearbeitet.
Was schauen Sie denn privat gerne?
Ich bin ein Fußball-Freak (lacht) und interessiere mich für Dokumentationen jeglicher Art.
Gab es eigentlich je einen Plan B, hätte es mit der Rundfunkkarriere nicht geklappt?
Die Rundfunkkarriere war so nicht geplant, sondern ist mir passiert, weil ich von den Zukunftsperspektiven des damals begonnenen Dolmetsch-Studiums nicht restlos überzeugt war. Daher kam es auf Anraten meiner Mutter zur Bewerbung für die Lehrredaktion. Dann war es sozusagen „Liebe auf den ersten Blick“ und ich hätte mir nie mehr einen anderen Beruf vorstellen können!
Zur Person
Sigrid Hroch wurde am 17. Dezember 1966 in Leoben geboren und wuchs in Trofaiach auf.
Sie ist zweifache Mutter und lebt in Vasoldsberg.
Laufbahn: Arbeitet seit 1987 für den ORF Steiermark und ist seit 2008 Programmchefin von Radio Steiermark. In den fast 40 Jahren im steirischen Landesstudio war Hroch in fast allen Bereichen des Radio- und TV-Programms aktiv: Als Redakteurin, TV-Sendungsverantwortliche, Radio-Chefin vom Dienst, Flächenverantwortliche, Moderatorin u. a.
Initiierte und entwickelte die Live-Konzertreihe „Rock Weiß Grün“ und das Musiktalente-Förderprogramm „Take your chance“. Seit 2013 ist sie ehrenamtlich als Präsidentin des Steirischen Presseclubs tätig.



Zum Landesstudio
Im Fernsehbereich werden neben „Steiermark heute“ pro Jahr sieben Ausgaben von „Erlebnis Österreich“ und sechs Folgen von „Österreich-Bild“ für ORF 2 produziert.
Dazu kommen Sonderproduktionen wie „Aufsteirern“, „Österreich vom Feinsten“, Narzissenfest, Winzerzug, „Das Steirerland im Narreng‘wand“ u. a.