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Warum Großfamilie aus Italien jeden Sommer nach Kärnten kommt

Eine große Familie aus Italien kommt seit Jahrzehnten jeden August nach Villach, wo früher die Kärntner Großmutter lebte. So will man ihr Andenken bewahren.

Mehrere Menschen sitzen auf einer Wiese und lächeln in die Kamera
© KK/Privat
Jedes Jahr im August trifft sich die Familie in Villach in Gedenken an Lotte Kalcher
Elke Fertschey

Jeden August wird ein altes Haus in Villach zum Treffpunkt einer Familie, deren Mitglieder heute über halb Europa verstreut leben. Ihren Anfang nahm diese besondere Verbindung zwischen Kärnten und Italien vor mehr als 70 Jahren.

Lotte Kalcher, Tochter einer Villacher Geschirr- und Keramikhändlerin, wurde in den 1950er-Jahren im Zug nach Italien von einem charmanten Zöllner kontrolliert. Einige Zeit später zog die junge Villacherin mit ihrem aus Neapel stammenden Roberto Pica nach Bergamo und schließlich nach Rom, wo die beiden eine Familie gründeten. Ihrer Kärntner Heimat blieb Lotte immer sehr verbunden und kam jeden Sommer mit ihren vier Kindern und ihrem Mann, der mittlerweile als Vertreter der Waschmittelfirma Henkel tätig war, nach Villach in ihr Elternhaus nahe der ehemaligen Stadtmauer.

„Wir wollen ihr ein ehrendes Andenken bewahren“

Später kamen auch ihre Enkel dazu. Noch im hohen Alter von 90 Jahren verbrachte Lotte Pica, umringt von ihrer großen Familie, die teils von weither angereist kam, den Sommer in ihrer Heimatstadt, die zum Ausgangspunkt für viele Kärnten-Erkundungen wurde. „Als sie im Rollstuhl saß, wollte sie immer von uns an einen sonnigen Ort im Haus oder im Garten gebracht werden“, erinnern sich Schwiegersohn Mario und Enkel Davide, die ebenso wie die anderen Verwandten Lotte Pica ein ehrendes Andenken bewahren.

Auch nach ihrem Tod halten die Kinder und Enkel mit ihren Familien die Tradition hoch und treffen sich jedes Jahr im August im alten Haus in Villach. Heuer kamen sie aus Cagliari, Neapel, Rom, Triest und Luxemburg angereist. „Wir alle lieben Kärnten sehr und kommen gerne hierher. Wir sind auch stolz, Kärntner Wurzeln zu haben“, sagt Carlotta, die den jüngsten Familienzuwachs, die neun Monate alte Bianca mitgenommen hat.

Lotte Kalcher liebte es im Garten in der Sonne zu sitzen. Ihr zu Ehren treffen sich die Familienmitglieder in Villach, wo sie aufgewachsen ist
© KK/Privat
Lotte Kalcher liebte es im Garten in der Sonne zu sitzen. Ihr zu Ehren treffen sich die Familienmitglieder in Villach, wo sie aufgewachsen ist

Essen beim Fruhmann, schwimmen im Silbersee

Gemeinsam macht die meist 15-köpfige Gruppe Ausflüge in die Berge, geht immer am 15. August ins Gasthaus Fruhmann in Wernberg essen und besucht zum Schwimmen den Silbersee. Dort stieß vor vielen Jahren beim Boccia-Spielen Peppo Zauchner, ehemaliger Lehrer, Stadtpolitiker und Fußballexperte, auf die fröhliche italienische Runde, was den Beginn einer langen Freundschaft einläutete und zum gemeinsamen Besuch vieler Fußballspiele der Kärntner Liga führte.

Im Gegenzug besucht Peppo Zauchner in Rom gemeinsam mit Lotte Picas Sohn Rudi die Spiele von AS Roma und mit Enkel Davide die Matches von Lazio Rom. Was vor Jahrzehnten in einem Zug begann, führte Zug um Zug zu einem lebendigen Austausch über die Grenze hinweg.