Wo in der Südweststeiermark schon vor Schulstart gelernt wird
Während andere die letzten Ferienwochen genießen, wird bei der Schülerhilfe Leibnitz und Deutschlandsberg eifrig gerechnet und gelernt. 260 Schüler nutzen das Sommerangebot.

Rund um den Tisch sitzen fünf Schülerinnen, Taschenrechner, Geodreieck und Stifte liegen bereit – und die Köpfe rauchen. Auf das große Whiteboard schreibt Nachhilfelehrer Patrick Rappold „5x+5y=-5“. Schülerin Anna Wabnegg soll die lineare Funktion zeichnen. „Weißt du noch, welche zwei Varianten du anwenden kannst?“, fragt der Lehrer. „Ich muss Zahlen einsetzen, um die Koordinatenpunkte herauszufinden“, sagt die 14-Jährige selbstbewusst.
Obwohl noch vier Wochen Sommerferien bevorstehen, hat für die Schülerin des Gymnasiums Deutschlandsberg das Büffeln bereits begonnen. Seit dem Frühjahr kommt sie zur Schülerhilfe Deutschlandsberg – im Sommer frischt sie eine Woche lang Funktionen, Gleichungssysteme und Geometrie auf. Eine Nachprüfung hat sie nicht. Im Herbst kommt sie in die Oberstufe – und will vorbereitet sein. Vor allem in Mathematik: „In der Schule ist einfach nicht die Zeit, alles für jeden noch einmal ausführlich zu erklären. Hier kann ich immer nachfragen.“
Lernen, obwohl kein „Nachzapf“ droht
Auch Julia Horvath verbringt einen Teil ihrer Ferien mit Gleichungen, Potenzen und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Seit vergangenem Sommer nimmt die 14-Jährige regelmäßig Nachhilfe. Diese Woche steht Mathematik am Programm, nächste Woche Englisch – je zweieinhalb Stunden am Vormittag. „Wenn ich ein Fach nicht mag, lerne ich auch nicht gerne dafür“, sagt sie. Zuhause sei die Überwindung größer. „Hier gehe ich gerne her.“

Anna und Julia gehören damit zu jenen, die nicht erst kommen, wenn ein „Nicht genügend“ im Zeugnis steht. Genau das sei sinnvoll, sagt Gerald Still, Leiter der Schülerhilfe Leibnitz und Deutschlandsberg. „Den Rückstand bis zu einem ‚Nicht genügend‘ bauen manche über Jahre auf. Das lässt sich nicht in ein paar Stunden aufholen.“ Rund 260 Schülerinnen und Schüler nutzen laut Still in diesem Sommer mindestens eine Woche lang das Angebot der beiden Standorte – nur 15 Prozent kämen wegen einer Nachprüfung.

Wenn die Grundlagen fehlen
An diesem Tag sind die fünf Lernräume voll – die Schülerhilfe ist vollkommen ausgelastet. In einem davon sitzt Inge Eichmann. Seit sieben Jahren unterrichtet die pensionierte Pädagogin hier Mathematik und Deutsch. Oft merke sie schnell, wo das eigentliche Problem liege: „Bei manchen fehlt es schon am Einmaleins oder an den Grundbegriffen – deswegen ist eine gute Volksschulausbildung sehr wichtig.“

Gleichzeitig erlebt sie die Jugendlichen motiviert: „Viele sagen, dass Lernen zuhause schwieriger ist – und sie lieber in Gemeinschaft lernen.“ Mit regelmäßigem Lernrhythmus seien teils Verbesserungen um zwei Noten möglich. Die Nachhilfe vor Ort allein reiche aber nicht. „Man muss sich auch zuhause hinsetzen, und das hier gelernte üben, dann gibt es auch einen Lernerfolg“, sagt Eichmann.
Für Anna und Julia sei die Zeit des Lernens im Sommer jedenfalls keine Plage: „Ich will das für mich selbst, dass es mir in der Schule gut geht“, meint Julia. Und ganz verschwinden die Ferien trotz geometrischen Formen und Funktionen nicht. „Nach der Nachhilfe geht es eh mit Freunden raus – ins Strandbad oder auf ein Eis“, sagt Anna und lacht.
