Leitsystem und Lindwurmschädel: kärnten.museum wird inklusiver
Wie wird ein Museum für alle zugänglich? Das kärnten.museum setzt auf neue Wege: mit einem Leitsystem für blinde Menschen, Tastmodellen und Angeboten für Familien.

Ein Museum lebt vom Sehen – zumindest auf den ersten Blick. Doch was, wenn dieser Zugang zu den Exponaten nicht möglich ist? Damit Kunst und Geschichte auch für blinde Menschen erfahrbar werden, hat das kärnten.museum im Rahmen des Interreg-Projekts „Places“ Maßnahmen entwickelt, die am 26. August präsentiert werden: „Wir wollen, dass alle Besucherinnen und Besucher ein inklusives Erlebnis haben", betont Sandra Rutter, Inklusionsbeauftragte des Landesmuseums. Aktuell gibt es bereits Rollstühle, Rollatoren, Blindenstöcke oder Neckloops für direktes Hören.
Nun wurde auch ein taktiles Leitsystem am Boden installiert, das durch alle öffentlichen Bereiche führt. Weil das aber in den Ausstellungsräumen, die gegebenenfalls umgestaltet werden, nicht möglich war, gibt es mit der App „MindTags“ ein akustisches Navigationssystem durch das Museum: „Man muss die kostenlose App nur herunterladen und dann wird genau erklärt, wie man zu den Objekten kommt", so Rutter. Außerdem gibt es über diese App auch individuell anpassbare Informationen zu den Ausstellungsexponaten – also etwa in leichter Sprache.
Lindwurmschädel zum Begreifen
Als weiteres taktiles Angebot wird es 3-D-Drucke vom „Lindwurmschädel“, einem Römerstein aus dem Lapidarium und einem Relief der Brauttruhe von Paola Gonzaga geben, die bei den Originalexponaten gezeigt werden und von den Besucherinnen und Besuchern berührt werden dürfen: „Wir werden dafür auch spezielle Tastführungen anbieten", kündigt Rutter an.

Führungen für gehörlose Menschen gibt es übrigens einmal im Monat, Rutter lernt dafür extra die Gebärdensprache: „Für die komplexen Erklärungen habe ich immer eine Dolmetscherin mit dabei. Mir ist aber wichtig, dass ich auch selbst mit den gehörlosen Menschen kommunizieren kann", sagt die studierte Archäologin und stellvertretende Leiterin der Museumspädagogik. Gut angenommen werden die Führungen für Menschen mit einer demenziellen Entwicklung: „Da setzen wir total auf die Sinne. Das Thema Wald eignet sich hier sehr gut, denn da kann man mit Riechproben und Tierstimmen arbeiten", erzählt die Völkermarkterin.
Mehr-Sinne-Broschüre
Apropos Sinne: Eine weitere inklusive Maßnahme ist eine Mehr-Sinne-Broschüre mit kunsthistorischen Texten, die aber auch in leichter Sprache und Brailleschrift verfügbar sind. Dazu gibt es Thermofolien zum Fühlen und mittels QR-Codes kann man Audiodateien aktivieren. Im Mittelpunkt stehen sieben Objekte aus dem Haus zum Thema „Liebe“ – darunter etwa die bereits erwähnte Gonzaga-Brauttruhe, aber auch die römische Statue eines Hermaphroditen. Bis Ende des Jahres soll die Broschüre im kärnten.museum zum Ausborgen oder Kaufen aufliegen.
Präsentation
Places. Interreg-Projekt kärnten.museum in Kooperation mit den italienischen Partnern „La Piccionaia“ und „independent L.“. Präsentation am 26. August, 9 bis 17 Uhr, kärnten.museum. Vorträge zu den Projekten Silent Play, VR-Tour, Best-Practice-Beispiele, Podiumsdiskussion.
Im Rahmen der Präsentation wird dem kärnten.museum auch das ÖZIV-Zertifikat (das Gütesiegel für Barrierefreiheit) überreicht.
Teilnahme gegen Anmeldung: sandra.rutter@kaernten.museum
Andere Besuchergruppen
Das Projekt „Places“ hat aber nicht nur die Barrierefreiheit im Blick. Auch für andere Besuchergruppen wurden neue Angebote entwickelt. Für Familien wurde eine interaktive Museumstour entwickelt, die anhand eines kleinen Theaterstücks durch das Haus führt. Dabei soll dem Lindwurm, der seine Erinnerung verloren hat, geholfen werden, seinen Schatz wiederzufinden. „Um die Lösungswörter zu finden, müssen die Kinder auch aktiv etwas tun", erzählt Rutter.
Aber auch über das Museumsgebäude hinaus wurde gemeinsam mit der italienischen Theatergenossenschaft „La Piccionaia“ – sie ist auch Leader-Partner beim Interreg-Projekt – eine Initiative gestartet: Im Vorjahr waren Kärntnerinnen und Kärntner aufgerufen, im Rahmen eines Workshops über besondere Klagenfurter Plätze und ihre Beziehung dazu zu sprechen. Aus 24 Interviews ist so die Karte „Silent Play“ entstanden: eine ungewöhnliche Stadtführung, bei der mittels QR-Code Klagenfurterinnen und Klagenfurter über ihre Heimat sprechen. „Man kann dabei der gedachten Linienführung auf dem Plan folgen, aber auch ganz anders gehen oder in Etappen", sagt Rutter.
Virtuelle Führungen
Und wer lieber das eigene Haus gar nicht verlassen will, kann das kärnten.museum via virtueller Führung erkunden: Dabei werden 15 „Points of Interest“ detailliert erklärt. Vielleicht macht dieser digitale Einblick ja so neugierig, dass man das Museum anschließend doch persönlich besuchen möchte. Schließlich lässt sich der Lindwurmschädel nur vor Ort streicheln.