Nach Unfall mit Kreissäge: Wann ins Brucker Spital und wann nach Leoben?
Verletzter Steirer wurde vom Brucker Spital nach Leoben weiterverwiesen. SPÖ fordert erneut unfallchirurgische Akutambulanz in Bruck. Kages-Mediziner sehen das kritisch.
Der Fall hatte für große Aufregung gesorgt: Ein Mann aus der Breitenau im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag war bei Arbeiten mit der Hand in die Kreissäge geraten. Geistesgegenwärtig brachten ihn Nachbarn (nachdem die Rettung aus deren Erfahrung länger gebraucht hätte) sofort ins nächste Krankenhaus. Das liegt in Bruck an der Mur.
Allerdings: Dort gibt es für Unfälle dieser Art seit etwa eineinhalb Jahren keine eigene Abteilung mehr. Lediglich Bagatellverletzungen werden dort von Montag bis Freitag tagsüber behandelt. Der Betroffene wurde zwar mit Schmerzmittel versorgt, dann aber nach Leoben weitergeschickt, wo er etwa zweieinhalb Stunden lang auf die Operation wartete.

Für die SPÖ ist dieser Fall fatal: „Davor haben wir immer gewarnt“, sagen der steirische SP-Chef Max Lercher und Landtagsabgeordneter Stefan Hofer, der auch Bürgermeister von Turnau ist. Für den Erhalt der Brucker Ortho-Trauma-Ambulanz ging man sogar auf die Straße, um zu demonstrieren. Ohne Erfolg. „Es war eine Entscheidung der blau-schwarzen Landesregierung, die Akutambulanz zu schließen. Jetzt ist der ganze Bezirk Bruck-Mürzzuschlag davon betroffen“, so die beiden. Sie fordern: „24/7-Akutversorgung muss an allen Spitalsstandorten gewährleistet sein. Im Notfall zählt jede Minute.“
„Nicht von Pontius zu Pilatus schicken“
Wenn ein schwerverletzter Patient nach einem Unfall nicht unmittelbar am nächstgelegenen Spitalsstandort versorgt werden könne, sondern weiterfahren und somit neuerlich auf eine Behandlung warten müsse, laufe etwas grundlegend falsch, betonen Lercher und Hofer. In dasselbe Horn stößt auch der Brucker SP-Vizebürgermeister Gregor Tuttinger, der in einem Video zum Thema sagt: „Menschen dürfen nicht blutend von Pontius zu Pilatus geschickt werden.“
Bei der Kages und den verantwortlichen Medizinern stuft man den Fall vom Schweregrad etwas anders ein: Der Patient sei kreislaufstabil, gehfähig und zu Fuß selbst ins LKH Bruck gekommen, wo selbstverständlich eine Erstversorgung und Inspektion erfolgt sei. Auch Schmerzmittel seien verabreicht worden.
Eine unfallchirurgische Ambulanz samt angeschlossener Operationsmöglichkeit, wie im konkreten Fall erforderlich, könne man aber schwer an beiden Standorten aufrechterhalten. Zumal Bruck und Leoben, die beide zum Verbund Hochsteiermark gehören, sehr nahe (knapp 20 Kilometer) beieinander liegen.
Notwendige Infrastruktur inklusive OP
„Es geht nicht nur darum, dass wir wo einen guten Facharzt hinsetzen, der sich das anschaut und ,Aha‘ sagt, letztlich aber nichts machen kann. Er braucht auch die notwendige Infrastruktur“, erklärt Gerhard Bratschitsch, Primar der Ortho-Trauma-Abteilung (Unfallchirurgie) in Leoben. „Da geht es um einen Operationssaal, den Anästhesisten, um OP- und Anästhesieschwestern, es sind sofort vier Personen notwendig.“
Bei dem Unfall mit der Kreissäge seien Sehnen verletzt worden und Spezialimplantate notwendig gewesen. „Das muss alles vorgehalten werden, das kann man nicht überall machen.“ Nicht zuletzt deshalb, aber auch weil bei Polytraumen viele angrenzende Fächer gefordert seien, habe man diese Kompetenzen am Standort Leoben zusammengeführt.
Erich Schaflinger, ärztlicher Leiter des Spitalsverbundes Hochsteiermark und designierter Kages-Chef, betont: Bruck ist ein Akutspital, allerdings für Notfälle, die der internen Medizin zuzuordnen sind. Dabei geht es um Herzinfarkte, neurologische Themen wie Schlaganfälle oder akute Lungenerkrankungen. „Diese Notfälle werden alle in Bruck behandelt, vor allem Herzkreislauf-Erkrankungen, die nach wie vor die Todesursache Nummer eins sind.“
Die Versorgung nach Unfällen, sofern es keine Bagatellverletzungen sind, erfolge aber in Leoben, wo die Kompetenzen der „schneidenden Fächer“ angesiedelt sind.
