Mit Musik statt Handy – wie 26 Kinder die Schobergruppe rockten
Die Bergwoche des AV Lienz ist auf bestem Weg zurück zum Legendenstatus. Heuer ging es für fünf Tage auf die Wangenitzseehütte – ohne Mama, Papa und Smartphone.

Die sogenannte Bergwoche des Lienzer Alpenvereins blickt auf eine lange Tradition zurück. Berglegende Walter Mair, Autor fast unzähliger Bücher und Wanderführer über die Osttiroler Berge, rief sie einst zusammen mit seiner Frau Bärbl ins Leben. Fast 40 Jahre lang leiteten die Mairs fünf Tage lang eine junge Schar an. Denn Ziel war es immer, auch jenen Lienzer Kindern Begeisterung für die Berge zu vermitteln, denen diese vielleicht nicht in die Wiege gelegt wurde. Bei Bergführerin Lisi Steurer (46) war das anders. Bereits im Alter von fünf Jahren kraxelte sie mit ihren Eltern auf den Roten Turm – einer 2702 Meter hohen Spitze in den Lienzer Dolomiten.

Seit 2022 ist die Bergwoche zurück
Vor vier Jahren rief Steurer die AV-Bergwoche wieder ins Leben. Dabei hält sich das Kletter-Ass an die Grundidee der Mairs: Kinder und Jugendliche verbringen mit einem erfahrenen Team der Sektion Lienz eine Woche in den Bergen Osttirols. Es wird gewandert, geklettert, gebouldert und natürlich auf der Hütte gegessen, gelebt und übernachtet. Ohne die Eltern oder andere Bezugspersonen.
Die Kids waren immer im Hier und Jetzt. Und nie weggebeamt in irgendeiner Parallelwelt
— Lisi Steurer, Staatliche geprüfte Ski- und Bergführerin
Die Freizeit am Abend wurde mit Spielen, Lesen und Musizieren, statt mit Handy und Netflix, verbracht. „Damit liegen wir schon im Trend“, spielt Steurer auf Diskussionen rund um das geplante Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige oder Smartphone-freie Schulklassen an. Es hätte kein Kind nur einmal nach einem Handy gefragt. „Das wurde nicht vermisst. Die Kids waren immer im Hier und Jetzt. Und nie weggebeamt in irgendeiner Parallelwelt.“

Basislager war die Wangenitzseehütte – mit 2508 Meter Seehöhe die höchstgelegene Schutzhütte in der Schobergruppe. Schon im Vorjahr nahmen Andrzej und Kasia Pavlus die Gruppe auf. Auch diesmal sagte das Wirtspaar (man führt die zur Gemeinde Mörtschach gehörende Hütte im zweiten Jahr) wieder begeistert zu. Gesamt waren 26 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 15 Jahren sowie sieben Betreuerinnen und Betreuer dabei. Steurer: „Eine Hütte zu finden, die eine so große und junge Gruppe aufnimmt, ist die größte Herausforderung. Aber da oben ist es super. Ganz großer Dank an Andrzej und Kasia.“
Ein 3000er als Höhepunkt
Geboten wurde den jungen Bergenthusiasten ein pralles Programm. Nach dem 850-Höhenmeter-Aufstieg vom Parkplatz Seichenbrunn zur Hütte am Montag folgten am Dienstag der Wangenitzsee-Klettersteig sowie Boulder- und Kletterspaß in Hüttennähe. Am Mittwoch stand der wortwörtliche Höhepunkt auf der Agenda: die Besteigung des 3181 Meter hohen Kruckelkopfs. Allen Teilnehmern gelang der anspruchsvolle und teils weglose Aufstieg auf den Gipfel.

Für den Donnerstag ließen sich die Betreuer eine Überraschung einfallen. Sie errichteten unterhalb der Hütte eine „Flying Fox“, eine Art riesige Seilrutsche. Am Nachmittag blieb noch Zeit zum Klettern, Bouldern und zur Entspannung am See. Der Abend klang mit Brettspielen und einem Gitarrenkonzert, das zwei der Kinder selbst zum Besten gaben, gemütlich in der Hütte aus. Steurer: „Wenn man es werten will, war es unsere bisher tollste Bergwoche.“ Auch die Harmonie über die Altersgruppen hinweg hebt die Tristacherin heraus: „Die Großen helfen den Kleinen.“
In zwei Stunden ausgebucht
Im Sommer 2027 wird es das Angebot wieder geben, über den Termin informiert die Internetseite der AV-Sektion. Dann gilt es, schnell zu sein. Denn die Nachfrage zeigt, dass auch die „Bergwoche 2.0“ zur Tradition werden dürfte. Steurer: „Heuer waren die Plätze innerhalb von zwei Stunden weg. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass das Ganze wieder total angekommen ist.“


