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Josef Pappenreiter: „Vor technischen Studien wird Angst gemacht“

Josef Pappenreiter war 41 Jahre lang am Erzberg tätig, 18 Jahre davon als technischer Geschäftsführer. Seit 2025 ist er ehrenamtlicher Geschäftsführer des Bergmännischen Verbandes Österreich (BVÖ).

Seit 2025 ist Josef Pappenreiter ehrenamtlicher Geschäftsführer des Bergmännischen Verbandes Österreich mit mehr als 1000 Mitgliedern
© Thomas Fazokas
Seit 2025 ist Josef Pappenreiter ehrenamtlicher Geschäftsführer des Bergmännischen Verbandes Österreich mit mehr als 1000 Mitgliedern
Johanna Birnbaum
Redakteurin Regionalredaktion Leoben

Herr Pappenreiter, Sie sind seit Jahrzehnten mit dem Bergbau verbunden, erst als Student an der Montanuniversität Leoben, später am Erzberg als Betriebsleiter und technischer Geschäftsführer. Was hat Sie zum Bergbau gebracht?

Ich bin in Hallstatt aufgewachsen, mein Vater war dort in der Verwaltung bei den Salzwelten beschäftigt. Ich fand Bergbau schon immer sehr spannend. Deshalb habe ich diese Fachrichtung auch studiert. Eine Überlegung war auch Markscheidewesen, aber es ist dann doch Bergbau geworden.

Hätte es auch einen anderen Berufswunsch gegeben?

Nein, von mir aus nicht. Mein Vater wollte immer, dass ich Lehrer werde. Ich habe mich aber für Leoben entschieden, und das war die richtige Entscheidung.

Sie waren insgesamt 41 Jahre lang am Erzberg tätig. War das gleich nach dem Studium Ihr erster Job?

Nein, ich war nach meinem Abschluss kurz Assistent bei Professor Günter Fettweis und das Bundesheer stand mir noch bevor, das man damals noch nach dem Studium machen konnte. Durch meine Fehlsichtigkeit wurde ich aber zurückgestellt und meine Planung war über den Haufen geworfen.

War das ein Schock für Sie?

Ja, weil ich ja damit gerechnet hatte, für acht Monate beim Heer zu bleiben. Zufällig habe ich durch Professor Fettweis erfahren, dass man am Erzberg junge Ingenieure suchte. Also ging ich zur Überbrückung nach Eisenerz, für ein Jahr. Schließlich hat die Überbrückung insgesamt 41 Jahre gedauert.

41 Jahre lang war Josef Pappenreiter als Betriebsleiter und technischer Geschäftsführer am Erzberg tätig
© VA Erzberg
41 Jahre lang war Josef Pappenreiter als Betriebsleiter und technischer Geschäftsführer am Erzberg tätig

Was haben Sie aus dieser Zeit für sich mitgenommen?

Ich glaube, ich hätte bei fünf oder sechs unterschiedlichen Unternehmen sein können und hätte nicht so viel erlebt und gelernt wie am Erzberg, wo es unglaubliche Veränderungen gegeben hat.

Sie wurden, als Sie noch aktiv am Erzberg gearbeitet haben, beim Bergbautag in Waidhofen an der Ybbs zum neuen – ehrenamtlichen – Geschäftsführer des Bergmännischen Verbandes Österreich gewählt. Was macht diesen Verband aus?

Der Verband ist ein technisch-wissenschaftlicher Verein, in dem ich immer aktives Mitglied war, von 2019 bis 2023 war ich dort Präsident. Es ist eine Vereinigung, die den Wissensaustausch zwischen Wissenschaft, Forschung, Betrieben, Industrie und handelnden Personen forciert.

Und wie schaut das konkret aus?

Der BVÖ bündelt Expertise aus Wissenschaft, Industrie und Verwaltung. Außerdem stellt er sicher, dass aktuelle Entwicklungen rasch in die Praxis kommen. Wir sind aber auch ein Netzwerk für Fachkräfte. Durch Tagungen, Exkursionen und Weiterbildungsangebote stärkt der Verband die Ausbildung und den beruflichen Austausch der nächsten Generation von Berg- und Rohstoffexpertinnen und -experten. Das bezieht sich nicht nur auf akademische Ausbildungen.

Wie gewichtig ist der Verband in politischen und wirtschaftlichen Belangen?

Unser Verband vertritt die Interessen des österreichischen Bergbaus gegenüber der Politik, Behörden und internationalen Partnern. Wir setzen uns für nachhaltige, sichere und innovative Rohstoffgewinnung ein. Außerdem sind wir schon Impulsgeber für Themen wie Digitalisierung, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Fachkräftesicherung. Das treiben wir sehr aktiv voran.

Wieviele Mitglieder hat der Verband und finden sich dort auch junge Leute?

Wir haben um die 1000 Mitglieder, von Studentinnen und Studenten bis hin zu Frauen und Männern, die schon in Pension sind.

Sie sprechen Studierende an, wie groß ist deren Interesse beim Verband zu sein?

Wir haben das Glück, viele Studierende bei uns zu haben. Im Verband gibt es neben Fachsektionen eine eigene Studentensektion. Die jungen Menschen finden so schon im Verband Kontakt zur Industrie, sei es für Praktika oder auch für spätere berufliche Aktivitäten. Außerdem ist ein Austausch zwischen den Generationen für alle Beteiligten wichtig.

Wie schaut es generell mit Nachwuchs im Bergbau aus? Gibt es genug Frauen und Männer, die sich für diese Branche entscheiden?

Naja, sagen wir es so, vor technischen Studien wird nach wie vor Angst gemacht, was aber überhaupt nicht notwendig ist. An der Montanuniversität hat man engen Kontakt zu seinen Professoren, seinen Betreuern. Da ist man nicht der Student XY, sondern man kennt sich per Namen. Es gibt aber viele Bereiche wie Baumaschinen-, Automatisierungs- oder Maschinenbautechniker, die für den Bergbau sehr wichtige Lehrberufe sind.

Sie sind dafür bekannt, seit Jahrzehnten ein Verfechter der Rohstoffwirtschaft zu sein?

Rohstoffe sind die Basis vieler Produkte und eine wertvolle Ressource, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese nicht einfach schnell nachwachsen. Wenn sie weg sind, sind sie weg. Deshalb ist es unglaublich wichtig, dass die Kreislaufwirtschaft bei Rohstoffen gut funktioniert und ausgebaut wird. Dass Rohstoffe sehr wertvoll sind, muss uns allen bewusst sein.

Sie sind auch Vizepräsident des Österreichischen Dachverbandes der Berg-, Hütten- und Knappenvereine. Wofür steht dieser Dachverband?

Dort wird Brauchtum und Tradition großgeschrieben. Im Bergbau sind Traditionen wie Barbarafeiern oder Ledersprünge einfach fixer Bestandteil. Dafür steht dieser Verband.

Zur Person

Josef Pappenreiter wurde in Hallstatt (Oberösterreich) geboren und wechselte nach der Matura in Bad Ischl zum Studium an die Montanuniversität Leoben.

Der Bergbau-Experte war 41 Jahre bei der VA Erzberg tätig, 18 Jahre lang als technischer Geschäftsführer.

Seit Mai 2025 ist er Geschäftsführer des Bergmännischen Verbandes Österreich.

Er ist verheiratet und lebt in Trofaiach,

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