Mit zwölf Sorten ist er der Gailtaler „Erdäpfel-König“
Heimo Oberauner baut in der Gemeinde Kirchbach bunte Kartoffeln an. Seine Kunden stehen auf Violetta, Red Fantasy, Anuschka, Ditta, Quarta und mehr.

Violetta, Rote Emmalie oder Smiley – diese ausgefallenen Namen benennen verschiedene, teils in Vergessenheit geratene Kartoffelsorten. Herr der „bunten Knollen“ ist „Erdäpfel-König“ Heimo Oberauner, der sie auf einem rund drei Hektar großen Feld in Treßdorf in der Gemeinde Kirchbach anbaut. 2011 startete alles mit den Sorten Ditta und Quarta und einer Direktvermarktung. „Zwei Jahre später dachte ich mir, es muss noch andere Varianten geben. Ich habe mich online informiert und besondere Exemplare ausfindig gemacht. Danach haben wir den Bestand stetig erweitert. Zu Bestzeiten haben wir 26 Sorten angebaut“, erinnert sich Oberauner an die Anfänge.
Aufgrund des enormen Arbeitsaufwandes und der Vorlieben der Kunden wurde mittlerweile auf zwölf Sorten reduziert. „Wir müssen uns auf die Verkaufsschlager konzentrieren. Die Anuschka-Kartoffel hat einen tollen Geschmack und wird Anfang Juli geerntet. Im Herbst folgt die Ditta. Die Leute kennen diese Sorte und sind ganz wild darauf. Es war richtig schwierig, sie von etwas anderem zu überzeugen. Die Red Fantasy beispielsweise hat eine rote Schale und ein tiefgelbes Fruchtfleisch. Einige Kunden sind deshalb kritisch. Einst wurden bunte Erdäpfel an die Schweine verfüttert – einige Menschen haben das noch im Hinterkopf. Bei blauem und rotem Fruchtfleisch verhält es sich ähnlich – viele sind ganz begeistert von Optik und Geschmack, ein paar bleiben lieber bei den Klassikern“, sagt Oberauner.

Welche Sorten sind Kundenlieblinge?
Wie ertragreich die Ernte sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen – die Trockenheit macht den Böden zu schaffen. „Bei den Raritäten-Kartoffeln sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Sie sind lediglich etwas kleiner als sonst. Andernorts habe ich noch nicht nachgeschaut. Es reicht, wenn ich mich in zwei Wochen ärgere“, sagt Oberauner. Gedüngt wird mit Kuhmist, zudem wird ausschließlich biologisches Pflanzenschutzmittel verwendet. „Wir setzen nicht auf Quantität, sondern auf Qualität. Wir haben keine Spitzenerträge und produzieren nicht in Masse, sondern achten auf die Wertigkeit der Lebensmittel.“
98 Prozent des Ertrages geht direkt an den Endkunden. Zudem wird die Gastronomie beliefert. „Viele Lokale schätzen das blaue oder rote Fruchtfleisch. Die Teller werden damit, unter anderem bei Fischgerichten, dekoriert. Zudem machen farbenfrohe Chips oder ein bunter Erdäpfelsalat sehr viel her“, sagt der Kartoffel-Bauer.
Essen im Glas
Ähnlich kreativ ist Oberauner bei der Wahl seiner nächsten Projekte. Ideen wie der Anbau von Wassermelonen, Riesenkürbissen oder Popcorn-Mais wurden wieder verworfen, beliebt ist hingegen der Dinkelreis. Das Korn wird in einer speziellen Mühle geschliffen. Im Anschluss kann das Endprodukt gekocht werden. „Zudem baut meine Frau Silvia Zucchini an, heimste den Kategorie-Sieg der Gelees ein und kocht Marmeladen. Unter anderem verarbeitet sie dafür Äpfel und Kartoffeln zu unserer ‚ErdApfelmarmelade‘, die bereits mit Gold ausgezeichnet wurde“, sagt Oberauner, der auf seinem Hof Pinzgauer Rinder und damit eine gefährdete Rasse züchtet.
„Gutes vom Bauernhof“-Betrieb
2022 wurde gemeinsam eine weitere Idee umgesetzt. „Wir bieten fertig zubereitetes Essen im Glas an. Chili con Carne, Rinds-, Erdäpfel-, Gulasch- oder Leberknödelsuppe, Rindsroulade, Gulasch oder Sauce Bolognese wird fix und fertig in einem Glas verarbeitet. Es hat lange gedauert, bis wir uns das nötige Know-how aneignen konnten. Der Cousin meiner Frau ist Koch und hilft uns“, erklärt Oberauner. Als Slow-Food-Travel-Betrieb, Mitglied von „Gutes vom Bauernhof“ und dem Genussland Kärnten, bietet der Landwirt zudem zwei Mal pro Jahr eine Erlebnistour auf seinem Hof an. Vom Anbau bis hin zur Ernte können Interessierte alles rund um seine Arbeit erfahren. Im Anschluss werden die gesamten Sorten verkostet. Interessierte müssen sich bis nächstes Jahr gedulden – die beiden Touren wurden heuer bereits abgewickelt.