Steirisches Chaletdorf als Warnbeispiel: WWF kritisiert Bodenfraß
Starke Ziele, schwache Umsetzung: Die Steiermark schützt ihre Böden nicht ausreichend, kritisieren Umweltschützer. Laut WWF-Bericht gehen täglich 1,2 Hektar verloren.
Die Zahlen lesen sich auf den ersten Blick durchaus erfreulich: 1,2 Hektar täglich beträgt laut Daten der ÖROK (Österreichische Raumordnungskonferenz) der Bodenverbrauch in der Steiermark im Schnitt der vergangenen drei Jahre 2023 bis 2025. Im Zeitraum 2019 bis 2021 lag der Wert noch bei 3,1 Hektar, also in mehr als zweieinhalbfacher Höhe.
Also Grund zur Entspannung? Simon Pories schüttelt energisch den Kopf. Ein Rückgang auf dem Papier, keine strukturelle Besserung, hält der Bodenschutz-Sprecher der Umweltorganisation WWF den Zahlen entgegen. „Zum einen bildet sich darin lediglich die zuletzt schwächelnde Baukonjunktur ab, zum anderen hat sich schlicht die Erhebungsmethode für die Daten geändert.“ Und: Auch die aktuellen Werte entsprächen in keiner Weise dem offiziellen Ziel, den Bodenverbrauch bundesweit auf 2,5 Hektar pro Tag zu beschränken, erinnert Pories.
Bodenverbrauch bleibt in der Steiermark problematisch
Im neu erschienenen Bodenreport 2026 des WWF stellen die Umweltschützer den Bundesländern ein vernichtendes Zeugnis aus. Kein einziges Land schütze seine Böden ausreichend, nirgendwo gebe es verbindliche und in Zahlen gegossene Ziele zur Senkung des Bodenverbrauchs, so das Fazit der Autoren. In der Steiermark ist der Bodenverbrauch seit 2016 demnach mehr als drei Mal so rasch gestiegen wie die Bevölkerungszahl. 19,2 Prozent des steirischen Dauersiedlungsraums (abgezogen sind hier etwa Berge, Flüsse und Seen) – in absoluten Zahlen etwas mehr als 1000 Quadratkilometer – sind mittlerweile verbaut, rund die Hälfte davon luft- und wasserdicht versiegelt.

Verantwortlich machen die Umweltschützer dafür hauptsächlich Versäumnisse in der Gesetzgebung. So nehme die Steiermark auf dem Papier mit zahlreichen allgemeinen Zielen wie dem sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen zwar eine Vorreiterrolle ein, heißt es im Bericht. „Aber in der Praxis wird nicht danach gelebt“, sagt Pories. „Da gibt es dann immer Ausnahmen und Interpretationsspielraum, über die die allgemeinen Ziele umgangen werden.“
Kritik an Chaletdorf abseits des Ortskerns
Als Negativbeispiel nennt der WWF das Chaletdorf „Grebenzen Lodges“ in St. Lambrecht. „Dieses mittlerweile 50 Hütten umfassende Feriendorf wird abseits der bestehenden Ortsstrukturen errichtet. Der Ortskern wird geschwächt, die Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr dagegen verstärkt, heißt es im Bericht.
788
Quadratmeter Fläche pro Kopf sind in der Steiermark inzwischen verbaut. 383 Quadratmeter davon sind versiegelt, also luft- und wasserundurchlässig verschlossen.
1000
Quadratkilometer Fläche bzw. rund 19,2 Prozent des Dauersiedlungsraums sind in der Steiermark insgesamt verbaut. Das entspricht rund 18 Prozent der verbauten Fläche Österreichs.
Ähnlich ist die Situation laut WWF auch bei neuen Einkaufszentren und großen Supermärkten. Hier sei zwar eine „Bedachtnahme“ auf die Stärkung der Ortszentren festgelegt, die Vorgabe sei für die Praxis aber zu unkonkret. Auch im steirischen Raumordnungsgesetz und im Straßengesetz vermissen der WWF wirksame Bodenschutzregelungen, die über allgemeine Zielsetzungen hinausgehen. Positiv angemerkt wird, dass sich die Steiermark als einziges Bundesland überregional Siedlungsschwerpunkte verordnet habe.
Steiermark beim Bodenschutz im österreichischen Mittelfeld
In Summe landet die Steiermark im Bericht mit der Note 3,6 (Bewertung „lückenhaft“) im Mittelfeld der Bundesländer. Relativ am besten schneidet Salzburg (Note 3,1) ab, das Schlusslicht bildet Oberösterreich (Note 4,2).