Abschiebung von Familie in Semriach scheiterte in letzter Sekunde
Bestens integrierte türkische Familie hätte in den Morgenstunden abgeholt werden sollen. Doch der älteste Sohn befindet sich mit dem GAK-Nachwuchs auf Trainingslager.

Eine fünfköpfige türkische Familie, die seit drei Jahren gut integriert in Semriach im Bezirk Graz-Umgebung lebt, soll aus Österreich abgeschoben werden. Das sorgt im Heimatort und im Umfeld der Familie für Entsetzen. Dass der Abschiebebescheid Montagfrüh in letzter Sekunde doch nicht vollzogen werden konnte, dürfte nur an einem Zufall gelegen sein. Der älteste Sohn, er kickt bei der U15-Mannschaft des GAK, befindet sich gerade auf einem Trainingslager und war nicht zuhause.
Sieben Beamte der Fremdenpolizei sollen am Montag gegen 4 Uhr früh vor der Tür der Familie in Semriach gestanden sein. Die Amtshandlung schlug dort hohe Wellen. Ein Freund der Familie berichtet: „Sie sind wahnsinnig gut integriert, sprechen gut Deutsch, beide Elternteile haben einen Job, die Kinder sind gut in der Schule. Besser geht es aus meiner Sicht gar nicht.“ Nach der Abholung hätte die kurdischstämmige Familie schon am Dienstag mit dem Flugzeug von Wien in die Türkei geflogen werden sollen.
Herzzerreißende Szenen im Trainingslager
Doch der 14-jährige Sohn war nicht zuhause. Er befindet sich mit dem GAK-Nachwuchs auf Trainingslager im Salzkammergut. Daraufhin wurde ein Beamter in Zivil losgeschickt, ihn abzuholen. Es soll zu herzzerreißenden Szenen gekommen sein, als sich der 14-Jährige von seinen Mannschaftskameraden verabschiedete. Auch sein Trainer fiel aus allen Wolken.
Weiterer Antrag gewährt Familie Verschnaufpause
Laut dem Freund der Familie habe sogar die erfahrene Beamtin, die den Einsatz in Semriach leitete, deutlich ihr Unverständnis über die Situation ausgedrückt. Nach rund vier Stunden sei die Amtshandlung schließlich abgebrochen worden. Der Familie – es gibt noch ein fünfjähriges Mädchen und einen elfjährigen Buben, der in Semriach Fußball spielt – wurde in Graz ermöglicht, einen weiteren Asylantrag zu stellen. Die Bekannten sprechen hier aber nur von einer kurzen „Verschnaufpause“, die Abschiebung sei damit noch nicht abgewendet. Die Hoffnung ruht auf einem humanitären Bleiberecht. Alle in der Gemeinde und auch der Arbeitgeber würden sich für die Familie einsetzen.
Seitens des Landespolizeikommandos bestätigte man die abgebrochene Amtshandlung in Semriach. Nähere Details konnte man aber nicht nennen.