Neue Firma in Steuerberg verbindet Fischzucht mit Gemüseanbau
Aquaponik nennt sich das System, mit dem der Steuerberger Wolfgang Petritz arbeitet. Er hat eine Anlage errichtet und die „Aqua Wels Natur GmbH“ gegründet.

In Steuerberg, unscheinbar im hinteren Teil des großen Gartens, der zum Haus von Wolfgang Petritz (52) gehört, befinden sich ein Gewächshaus und dahinter ein umfunktionierter Baucontainer. Während im Gewächshaus Tomaten und Paprika, aber auch Melonen und Zitronen, mit den Wurzeln direkt im Wasser wachsen, tummeln sich im Baucontainer zahlreiche afrikanische Welse in zwei Becken. Was haben die Gemüsepflanzen nun mit den Fischen zu tun? „Diese Kombination aus Fischzucht (Aquakultur) und Pflanzenanbau (Hydrokultur) in einem geschlossenen Kreislaufsystem nennt sich Aquaponik“, erklärt Petritz.
Im Vorjahr begann er aus Spaß mit der Produktion, im April 2026 hat er die „Aqua Wels Natur GmbH“ angemeldet. Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Die Fische geben über ihre Ausscheidungen Nährstoffe ins Wasser ab. Zwei Filterbecken wandeln das giftige Ammoniak in Nitrat um. Dieses nährstoffreiche Wasser wird zu den Pflanzen geleitet, die die Nährstoffe aufnehmen und dadurch beim Reinigen des Wassers helfen. Das gereinigte Wasser fließt anschließend wieder zurück zu den Fischen. „Dadurch kann das Wasser mehrfach genutzt werden und der Bedarf an Frischwasser wird reduziert“, so Petritz, der ursprünglich ausgebildeter Volksschullehrer ist, aber seit über zwanzig Jahren hauptberuflich in der Immobilienverwaltung arbeitet.

Im Gewächshaus gibt es keine Erde. Die Pflanzen wachsen zum Beispiel auf schwimmenden XPS-Platten, die mit Löchern versehen sind, damit die Wurzeln direkt ins Wasser ragen. „Es gibt kein Problem mit Schnecken oder anderem Ungeziefer und die Erträge sind großartig“, sagt Petritz.
„Ausgezeichneter Speisefisch“
Der afrikanische Wels eignet sich nicht nur zur Haltung in einer hohen Besatzdichte, durch sein hochwertiges Fleisch, das keine Gräten enthält, ist er laut dem Firmengründer auch ein ausgezeichneter Speisefisch: „Außerdem ist er frei vom typischen Fischgeruch.“ Probeweise hat Petritz seine Welse bereits zu den Haubenlokalen Stiftsschmiede in Ossiach und „Kunsthandwerk“ in Liebenfels gebracht. „Die Produktion ist nachhaltig und die Lieferkette kurz. Die Rückmeldungen waren sehr positiv“, freut sich Petritz, der das junge Unternehmen momentan im Alleingang führt.

Schlachtraum und Kühlzelle
Im Container hat der Steuerberger auch einen eigenen Schlachtraum und eine Kühlzelle eingerichtet. „Der afrikanische Wels wächst rasant. Ich bekomme die Babyfische in Oberösterreich bei der Firma ,Baby Fisch‘ von Familie Obermair. Sie wiegen da etwa 20 Gramm, haben aber bereits nach fünf bis sechs Monaten ein Gewicht von 1,7 bis zwei Kilogramm“, klärt Petritz auf.
Ein Kilogramm Fisch kostet bei ihm etwa 30 Euro: „Ich schlachte immer freitags und möchte in Zukunft samstags öfter Tage der offenen Tür anbieten, wo die Leute die Produktion besichtigen und dann auch gleich einkaufen können.“ Petritz selbst brät sich seine Welsfilets am liebsten ganz einfach in Olivenöl heraus: „Sie eignen sich aber auch für Risotto oder Paella. Durch seinen neutralen Geruch ist er außerdem bei Kindern beliebt, die sonst keinen Fisch mögen.“
Aqua Wels Natur GmbH
Wo: Steuerberg 27, 9560 Steuerberg
Kontakt: 0650/213 27 41
Mail: aquawelsnatur@gmail.com
