Wörthersee: „Aktuell ist es eine Katastrophe, hier Rad zu fahren“
Unklare Verkehrsführung und fehlende Radwege: Am Wörthersee-Südufer teilen sich Radfahrer und Autofahrer auf vielen Abschnitten denselben knappen Straßenraum, was zu Problemen führt.

Es ist 9.30 Uhr. Noch ist es ruhig auf der Süduferstraße des Wörthersees. Die wenigen Radfahrer rollen am Radweg dahin, die Autos kommen gut voran. Das ändert sich am Kap Sekirn. Dort mündet die Straße in einen 145 Meter langen Tunnel. Ein großes Fahrverbotsschild weist Radfahrer darauf hin, dass sie hier nicht weiterfahren dürfen. Die Überraschung ist groß, als ein Rennradfahrer aus der Gegenrichtung durch den Tunnel kommt. Das Verbot an dieser gefährlichen Stelle hat er ignoriert. Es wird an diesem Vormittag nicht der einzige bleiben.
Wenig später hält eine junge Rennradfahrerin aus Salzburg an. Sie macht Urlaub in Kärnten und will erstmals den Wörthersee umrunden. „Ich bin richtig begeistert von dieser Strecke“, sagt sie. Negative Erfahrungen mit Autofahrern habe sie bisher keine gemacht – bis hierher war sie allerdings ausschließlich am Radweg unterwegs. Auch Familie Tuš aus Maribor ist zum ersten Mal mit dem Fahrrad am Wörthersee. Denis Tuš beschreibt den Abschnitt von Klagenfurt bis Reifnitz als „wunderbares Erlebnis“. Danach kippt die Stimmung. „Entlang der Straße ist es eher stressig als ein Vergnügen“, sagt er. Vor allem mit Kindern bleibe beim Überholen durch Autos ständig ein ungutes Gefühl.

Geduld fehlt
Je weiter es Richtung Westen geht, desto deutlicher wird das Problem. Zwischen Reifnitz und Auen bestehen weiterhin Lücken im Radwegenetz. Das Land hat seit 2019 sechs Bauabschnitte zwischen Maiernigg und Reifnitz umgesetzt und rund zwei Millionen Euro investiert. Wo die Straße eng und kurvig ist, müssen Radfahrer dennoch immer wieder auf die Fahrbahn. Die meisten Autofahrer warten, bis die Gegenfahrbahn frei ist, und halten beim Überholen ausreichend Abstand. Doch nicht alle haben die notwendige Geduld.
Vor dem Weißen Rössl in Auen beginnt jener Abschnitt, auf dem das Land eine neue Verkehrsführung erprobt. Auf knapp einem Kilometer wurde die Mittellinie entfernt. Seitlich markieren Linien rund 1,50 Meter breite Mehrzweckstreifen für den Radverkehr, dazwischen bleibt eine schmale Kernfahrbahn für Autos. „Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt, das nun im zweiten Jahr erprobt wird“, sagt Volker Bidmon, Leiter der Straßenbauabteilung des Landes.

Spurführung sorgt für Verwirrung
In der Praxis sorgt die Lösung offenbar für Unsicherheit. „Jetzt muss man noch vorsichtiger fahren, als man es in diesem Bereich ohnehin schon getan hat“, sagt Marion Kohlweiß vom Weißen Rössl. Für viele sei die Spurführung verwirrend: „Radfahrer wie Autofahrer sind irritiert und wissen oft nicht genau, wie sie sich verhalten sollen.“
Nur wenige Meter weiter stehen Ernst und Sybille Strobl aus Mattersburg mit ihren Fahrrädern. Seit mehr als zehn Jahren kommen sie zum Radfahren hierher. „Aktuell ist es eine Katastrophe, hier Rad zu fahren“, sagen beide. Sie fragen sich, warum die prekäre Situation auf der Süduferstraße nicht längst entschärft wurde. Dabei nehmen sie nicht nur Autofahrer in die Pflicht, auch unter Radfahrern gebe es Gruppen, die wenig Rücksicht nehmen. Auch das Pilotprojekt überzeugt sie nicht. Vor allem Urlauber könnten mit der ungewohnten Verkehrsführung überfordert sein.

Nächste Schritte für Lückenschluss
Dass Handlungsbedarf besteht, sieht auch das Land. Mitte Juli wurden mit Gemeinden, Tourismus und Wirtschaft die nächsten Schritte für einen lückenlosen Radweg festgelegt. Für Reifnitz-Ost und Reifnitz-Mitte sollen bestehende Planungen abgestimmt werden. Für Dellach-Auen wird in einer Machbarkeitsstudie nach Alternativstrecken gesucht, das Ergebnis wird bis Herbst erwartet. Danach soll die Verbindung Richtung Velden weitergeplant werden.
Zusätzlich wird eine neue Radverbindung von Reifnitz ins Keutschacher Seental geprüft. Entlang der Süduferstrecke sind zudem Aussichts- und Ruheplätze geplant. Nach dieser Saison werde evaluiert, ob das Pilotprojekt in Auen erfolgreich war oder ob man eine andere Variante in Betracht ziehen müsste. „Das Wichtigste dabei ist aber immer, dass wir im Straßenverkehr Rücksicht aufeinander nehmen“, sagt Bidmon. Die Rücksichtnahme bleibt entlang der gesamten Süduferstraße das Gebot der Stunde.

