Energiegenossenschaft Liesingtal setzt auf Photovoltaik und Wasserkraft
Seit 2024 gibt es die Energiegenossenschaft Region Liesingtal. Eine Erfolgsgeschichte, die mittlerweile mehr als 300 Menschen der Gemeinden Mautern, Kalwang, Traboch und Kammern mit Strom versorgt.

Für die Obersteiermark war es eine Premiere, als die Energiegenossenschaft Liesingtal im Jahr 2024 offiziell an den Start ging. die Weichen dafür waren aber bereits ein Jahr zuvor, 2023, gestellt worden. Nach Halbenrain und Deutschlandsberg war die neue Genossenschaft erst die dritte dieser Art in der Steiermark. „Gründungseltern“ waren die Marktgemeinde Mautern und die Raiffeisenbank Liesingtal – St. Stefan.
Mittlerweile ist die Energiegenossenschaft mehr als zwei Jahre am Tun und kann sich über mehr als 300 Mitglieder freuen, wie Vorstandsmitglied Sybilla Schmid erklärt. Grundgedanke war, Leute, die Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach haben, und Leute, die deren überschüssig produzierten Strom brauchen, zusammenzubringen – als eine Art Plattform, von der alle profitieren, wurde beim Start der Genossenschaft im März 2024 von den Verantwortlichen betont.
Gute Beratung vor dem Start
„Wir hatten das Glück, dass Helmuth Pölzl von der Raiffeisenbank uns Kontakte zu einem RLB-Team (Raiffeisenlandesbank) legte, die auf solche Zusammenschlüsse spezialisiert waren. Das hat sehr geholfen“, betont Schmid. Stück für Stück wurde die Genossenschaft ausgebaut und kann sich nicht nur über mehr Mitglieder freuen, sondern auch darüber, dass auch die Gemeinden Kalwang, Traboch und Kammern mit im Boot sind. „Wir versuchen auch, die Gemeinden St. Michael und Wald am Schoberpass noch zu überzeugen, dass es eine sinnvolle Sache ist, einer Energiegenossenschaft beizutreten. Wir sind im Austausch“, erklärt Schmid.
Sieben ehrenamtliche Mitglieder – Heinrich Reuss, Daniel Gruber, Anita Pfnatschek, Karl Oswald, Thomas Lerchbaum, Andreas Kühberger und Sybilla Schmid – sorgen für den reibungslosen Ablauf und die Abwicklung innerhalb der Genossenschaft. Und diese sorgt dafür, dass es zu einem Austausch erneuerbaren Stroms auf regionaler Ebene kommt. „Das passiert alles im Bereich der Mittelspannungsebene. Wir sind, nachdem wir gestartet sind, draufgekommen, dass diese das gesamte Liesingtal bis St. Michael umfasst. So können Interessierte aus diesen Gemeinden zu günstigem Strom kommen und auch PV-Anlagen-Besitzer mehr für eingespeisten Strom erhalten“, führt Schmid aus.

Halbe – Halbe
Von den mehr als 300 Mitgliedern waren im Jahr 2025 mehr als 50 Prozent sowohl Stromerzeuger und auch Verbraucher, die andere Hälfte war nur Verbraucher. „Wir bekommen Strom von knapp 200 PV-Anlagen und zwei Wasserkraftwerken, wobei im Jänner 2027 noch ein Wasserkraftwerk an der Liesing dazukommt“, erzählt Schmid. Das sei wichtig, denn nicht immer könne Strom über die PV-Anlagen generiert werden.

Die Hälfte des Bedarfs der Mitglieder konnte im Jahr 2025 gedeckt werden, das entspricht einem Stromaustausch von 1,4 Gigawatt. Und auch hier kommt die Wasserkraft ins Spiel, denn 73 Prozent des gelieferten Stroms stammen aus dieser Energiequelle, der Rest wurde von 200 PV-Anlagen geliefert. Wobei für 2026 eine Prognose noch schwierig sei, denn die Hitzeperiode war gut für die PV-Anlagen, weniger Niederschlag schlug sich aber auf die Wasserkraftwerke nieder.
Günstige Preise
Zu zwei Dritteln wird der Strom von Haushalten abgenommen, jedoch „haben wir beispielsweise auch den Wilden Berg mit dabei. Viele Menschen glauben, dass sie nur dann Mitglied werden können, wenn sie selbst eine PV-Anlage haben. Das ist nicht so, jeder kann zur Genossenschaft dazugehen“, erklärt Schmid. Entscheide man sich zum Beitritt, bleibe man auf jeden Fall bei seinem bisherigen Anbieter.
„Die Mitglieder profitieren neben dem günstigen Strompreis von derzeit unter acht Cent pro Kilowattstunden auch von einer Reduktion der Netzkosten und dem Wegfall bestimmter Abgaben. Wenn aber unser Strom nicht ausreichen sollte, dann bezieht man ihn von seinem bisherigen Anbieter. Deshalb darf man dort keinesfalls kündigen. Man bekommt einfach zwei Rechnungen“, führt Schmid aus.
