Aushilfe gesucht: Kraftwerk Mellach im Sommer wieder in Betrieb
Die Hitze dezimiert die Energieerträge durch Wasserkraft. Erstmals seit 23 Jahren sind sie so niedrig, dass das Gaskraftwerk Mellach über den Sommer helfen muss.

Hitze bedeutet Trockenheit und niedrige Pegel in Flüssen. Das wiederum heißt weniger Strom. Die Temperaturen zwingen die Wasserkraft im Sommer in die Knie. Dadurch entsteht eine Lücke, die geschlossen werden muss. Rund ein Drittel weniger Strom erzeugt die Wasserkraft in Österreich in extremen Hitzeperioden, teilt der Verbund mit. In der Steiermark ist das Problem besonders ausgeprägt. Die Erzeugung der Murkraftwerke liegt lediglich bei der Hälfte des langjährigen Durchschnittswertes.
Nachts ist die Lücke größer
Nicht immer bedeutet das ein Problem. Tagsüber etwa können Photovoltaikanlagen den Strom liefern, der aus anderen Quellen fehlt, und so die Lücke ausgleichen. Nachts, wenn die Erzeugung durch PV-Anlagen steht, muss eine andere Lösung her. Dann kann man Strom zukaufen oder anderweitig erzeugen. Im Raum Graz bedeutet das die vorübergehende Inbetriebnahme des Gaskraftwerks in Mellach.

Für gewöhnlich sind die thermischen Kraftwerke nur im Winter im Einsatz, teilt Verbund-Sprecher Robert Zechner mit. Dann produzieren sie neben Strom auch Fernwärme. „Im alten Werk Mellach, das im Kohlebetrieb bis 2020 Strom und Fernwärme für Graz produzierte, fanden über die Sommermonate stets die Revisionsarbeiten statt. Im Jahrhundertsommer 2003 mussten wir aufgrund der Stromknappheit erstmals die Revision unterbrechen und das Kohlekraftwerk im Hochsommer ans Netz bringen“, erzählt Zechner.

23 Jahre später ist es wieder so weit und Mellach muss im Hochsommer wegen Hitze aushelfen. „Mit dem modernen Gaskraftwerk haben wir den Vorteil, dass wir die jeweils benötigte Leistung ins Netz speisen können“, sagt Zechner. Wie lange das nötig sein wird, kann man aber nicht absehen. Das hängt von vielen Faktoren ab, die Verbrauch und Angebot beeinflussen. „Die Entscheidung, ob wir zusätzliche Energie brauchen, wird jeden Tag zu Mittag für den Folgetag getroffen“, berichtet Zechner.
Das Ziel sind Speicher
Die Kosten für die Stromerzeugung per PV-Anlage sind in den letzten Jahren enorm gesunken. Auch deshalb ist die Technologie bereits eine große Hilfe bei der Kompensation von Defiziten durch Hitze. Sie ist aber an die Sonne gebunden und deshalb zeitlich eingeschränkt. „Gerade am Abend haben wir einen hohen Bedarf“, erklärt Zechner. Menschen kommen nach Hause, kochen, waschen, Wäsche oder schauen fern. Ist die Sonne einmal untergegangen, liefert Photovoltaik aber keinen Strom mehr.
„Deshalb sind Speicher so wichtig für die Zukunft“, meint Zechner. Könnte man tagsüber erzeugte Spitzenwerte für den Abend und die Nacht speichern, müsste man weniger Energie zukaufen und wäre auch unabhängiger von der Supplementierung durch Gas wie in Mellach.
Bis dahin muss das Gaskraftwerk Mellach helfen. Es ist am Freitagnachmittag wieder ans Netz gegangen und wird bis Samstagvormittag Strom produzieren. Während der Abendstunden wird die Gasturbine dabei über mehrere Stunden auf Volllast laufen. In der Nacht von Montag auf Dienstag dieser Woche hat Mellach knapp sechs Millionen Kilowattstunden Strom produziert, das ist etwa das Vierfache der Erzeugung aller Murkraftwerke über den gesamten Montag.