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Eberhofer-Krimi: „Der Franz ist eine einzige Midlife-Crisis“

Sebastian Bezzel, Simon Schwarz und Lisa Maria Potthoff plaudern zum Start des Eberhofer-Krimis „Steckerlfischfiasko“ über Veränderung, Loyalität und die Werte von Familie

Sebastian Bezzel, Lisa Maria Potthoff und Simon Schwarz
© Imago
Sebastian Bezzel, Lisa Maria Potthoff und Simon Schwarz
Susanne Gottlieb

Es sind 13 Jahre vergangen, und es ist der zehnte Film. Sie haben viel erlebt mit Ihren Figuren. Gefällt es Ihnen, wo die Reise hingeht?

Sebastian Bezzel: Es macht nach wie vor Spaß sie zu spielen. Es gibt auch immer noch Sachen, die wir noch nicht ausprobiert haben.

Die Susi wird auch immer prominenter in der Handlung.

Lisa Maria Potthoff: Das war meine Figur schon immer. Aber klar macht es mir Spaß, jetzt aufzugreifen, dass sie Karriereambitionen hat. Wenn es ums Schauspielerische geht, mag ich die Beziehungsebene gerne. Wenn da etwas verhandelt wird zwischen Franz und Susi.

Die Figur des Rudis hat quasi in jedem Film eine neue Obsession. Jetzt ist das Ressourcenschonen dran. Haben Sie da das Gefühl, sich jedes Mal komplett neu ausprobieren zu können?

Simon Schwarz: Ich finde, dass die Figur eigentlich immer das gleiche Problem hat. Dass der Rudi sozial nicht richtig eingliederungsfähig ist, und immer an der Armutsgrenze schrammt. Er benutzt aber immer Ausreden. Ein verzweifelter Versuch, sein Dilemma nach außen hin besser zu verkaufen. Das ist sehr dramatisch. Dieser ökologische Selbstversuch, oder das mit der Ernährung, das sind nur Folien, die er sich drüberlegen kann, damit nicht auffliegt, wie tragisch sein Leben ist.

Sebastian Bezzel: Er ist wirklich eine tragische Figur. Das macht ihn auch so lustig. Rudi Birkenbergers Leben ist ein einziger Versuch, dabei sein zu dürfen. Wenn dann mal so eine Chance kommt, dann stürzt er sich viel zu sehr in alles rein. Er hat auch nur den Franz als Freund. Die Leute sagen immer „Du behandelst den Birkenberger so schlecht.“ Nein, überhaupt nicht. Natürlich ist der Franz wahnsinnig uncharmant. Aber im Endeffekt ist er für ihn da.

Premiere

Der Franz ist sehr gemütlich. Er mag nicht, wenn sich etwas verändert. Jetzt ist sehr viel im Umbruch und man hat das Gefühl, er begibt sich an die Ausreißer einer Midlife-Crisis.

Sebastian Bezzel: Der Franz ist eine einzige Midlife-Crisis. Auch schon in jungen Jahren. Er mag keine Veränderung und ist auch ein ängstlicher Mensch. Dafür gibt es einen ernsten Grund. In den Romanen und in den Filmen ist die Mutter bei der Geburt gestorben. Er hat Angst vor Veränderungen und davor, dass alles nicht mehr so schön ist, wie es mal war. Ich habe mal einen Bericht gelesen, dass Leute, die Flugangst haben, oft wahnsinnig müde werden, weil es so anstrengend ist, Panik zu haben. Das hatte ich bei meiner Höhenangst. Wir waren mal auf einem Aussichtsturm, da habe ich es kaum runter geschafft. Das ist eine Taktik vom Körper, dass er runterfährt, damit du nicht komplett ausflippst. Der Franz hat Angst vorm Leben und das äußert sich dann darin, dass er unglaublich phlegmatisch wird. Er nimmt nichts in die eigene Hand. Er ist nie proaktiv. Das ist genau der Fehler. Jetzt wird er alt und muss in diesem blöden Neubau wohnen und alles ist Mist. Er hätte vielleicht fünf bis zehn Jahre davor schon mal sagen können, „Was machen wir denn jetzt aus unserem Leben?“

Also hat er jetzt nur Probleme?

Sebastian Bezzel: Ich glaube nicht, dass das Problem ist, dass die Susi Bürgermeisterin wird. Das sich winden und das Haus sind ein Problem. Es ist auch kein Problem, dass der Sohn Ballett tanzt. Aber er weiß nicht, wie er damit umgehen soll, und hat Angst, dass er zu seinem Sohn die Nähe verliert.

Man sieht aber bei der Tanzaufführung, dass er trotzdem seinen Weg findet.

Sebastian Bezzel: Die Familie hält zusammen und zeigt Haltung. Papa, Susi und Leopold verdreschen diese zwei Proleten, weil sie es sich nicht bieten lassen, dass der Pauli auf der Bühne ausgebuht wird. Die klassische Franz-Eberhofer-Lösung wäre, er schießt in die Luft und sagt „Stopp“. Aber jetzt sind die anderen zuvorgekommen und er denkt sich: „Jetzt muss ich halt doch diesen Baum tanzen.“

Filmkritik

Familie ist in den Filmen schon immer sehr wichtig gewesen. Ist das etwas, nach dem die Zuschauer sich ein bisschen sehnen?

Lisa Maria Potthoff: Es ist eine traditionelle Art zu leben. Alle sind irgendwie beieinander. Ich kann nur vermuten, dass es viele anspricht. Man muss sich schon fragen, wie es ein Film schafft, Sechsjährige zu bannen und gleichzeitig den 80-jährigen Großvater? Ich finde es faszinierend, dass wir auf der Kinotour Kinder dort sitzen sehen, wo ich mich auch immer frage: Dürfen die das überhaupt schon schauen? Und dann daneben Menschen, die drei, vier Generationen älter sind. Was ist der gemeinsame Nenner? Vielleicht ist es die Familie. Es gibt für jeden Zuschauer die passende Figur. Es gibt für die Frauen die Susi, es gibt den Phlegmatiker, es gibt den Choleriker.

Ihre Figuren machen einige herausfordernde Emotionen durch. Ist die Botschaft am Schluss, selbst wenn sich viel verändert, dass das alles halb so schlimm ist?

Sebastian Bezzel: Ich glaube, die Moral von der Geschichte ist, dass auch auf dem Land das Leben kein Stillstand, sondern ein Prozess ist, der weitergeht. Wir zeigen das Leben in der absoluten Provinz. Ich mag Figuren, die ein bisschen dem Zeitgeist hinterherhecheln, versuchen, Anschluss zu finden, oft vor sich hinwurschteln und Niederlagen erleben, aber trotzdem einen Stolz bewahren. Die Erde dreht sich weiter und irgendwie ist das doch ganz versöhnlich.