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Kirchbacher Arzttochter wurde 1922 aus Habgier ermordet

Die Tochter eines Arztes, der in Kirchbach ordiniert hatte, wurde nach einer verhängnisvollen Bekanntschaft Opfer eines grausamen Mordes.

Das ehemalige Arzthaus, heute Sparkasse in Kirchbach
© KLZ / Alexandra Kofler
Das ehemalige Arzthaus, heute Sparkasse in Kirchbach
Alexandra Kofler

Es ist eine tragische Geschichte, die eine Verbindung zum heutigen Sparkassengebäude im südoststeirischen Kirchbach hat. Einst gehörte das Haus der wohlhabenden Arztfamilie Pinter. Sie verkaufte das im historistischen Stil erbaute Gebäude 1897 an das Bankinstitut. Die Ordination verblieb im ersten Stock. Von dort aus kümmerte sich Doktor Alexander Pinter um die Landbevölkerung. Mit seiner Mithilfe konnten mehrere Giftmorde aufgedeckt werden. 1904 verstarb er mit nur 52 Jahren in Graz an einem Gallenblasenleiden. Mit seiner Frau Aurelia, geborene Pechlaner, hatte er eine Tochter: Elisabeth, die 1879 in Alt-Gradiška (Kroatien) das Licht der Welt erblickte.

Elisabeth „Elsa“ Pinter lebte in Graz inmitten eines großen Bekanntenkreises. 1899 hatte sie den Gendarmerieoberleutnant Michael Josep von Montemire geheiratet. Als es nach 18 Jahren zur Scheidung kam, versuchte sie ihre große Wohnung in der Grazer Neutorgasse 50 zu veräußern. In einem Kaffeehaus kam sie mit zwei Verbrechern in Kontakt, die Interesse bekundeten.

Verhängnisvolle Bekanntschaft

Johann Keller und Bruno Steiner waren aufgrund mehrerer Einbruchsserien bereits in Haft gewesen. Steiner, Sohn eines höheren Finanzbeamten, machte 1920 als Mitglied der Kozajnc-Bande Schlagzeilen. Mit 27 Jahren nannte der verheiratete Student bereits eine Villa am Fürstenwarteweg 6 in Eggenberg sein Eigen. Das Haus war das Hauptquartier der Einbrecherbande und mit Diebesgut prunkvoll eingerichtet. Steiner büßte als Mittäter drei Monate in der Karlau ab. Nach seiner Entlassung war die Villa weg und seine Frau mit den Kindern nach Leibnitz verzogen. Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft lernte er Keller kennen, der ihn in der Grazer Redtenbachergasse 7 unterbrachte. Dort sollte es wenig später zum bestialischen Mord kommen.

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Alte Ansicht von Kirchbach um 1900
Alte Ansicht von Kirchbach um 1900 © Sammlung Alexandra Kofler

Bei mehreren Treffen und langen Gesprächen erschlichen sich Keller und Steiner nach und nach das Vertrauen von Elisabeth Pinter. Im März des Jahres 1922 lockten sie die gutgläubige Frau in die Falle. Als sie in Steiners Unterkunft zusammenkamen, erwürgten sie sie mit einem Strick. Die Leiche versteckten sie in einem Schlafsofa. Tage später zerstückelten sie sie. Einige Leichenteile packten sie in einen Koffer, den sie in einem Keller versteckten. Die anderen versenkten sie in einer großen Marmorsäule in der Wohnung, die sie mit Gips verschlossen. Mit dem Schlüssel der Toten gelangten sie in deren Wohnung und raubten wertvollen Schmuck, Kleidung und andere Wertgegenstände.

Verschwinden des Opfer fiel lange Zeit nicht auf

Wochen vergingen, bis das Verschwinden der Frau auffiel. Sie war oft und lange auf Reisen, daher schöpfte lange Zeit niemand Verdacht. Eine Vermisstenanzeige, die geraubten Wertsachen und das Geständnis eines Mitwissers überführten schließlich die Mörder. Sie wurden zu lebenslangem Kerker in der Haftanstalt Karlau verurteilt.

Den aufsehenerregenden Mordfall hat 1924 der Journalist, Schriftsteller und Drehbuchautor Hugo Bettauer in Form einer mehrteiligen Ich-Erzählung mit dem Titel „Die Leiche in der Säule“ aufgegriffen. Ein Jahr später fiel er einem rechtsextremen Attentat zum Opfer.

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