Österreichs Weg zu dieser EM hat bereits vor zehn Jahren begonnen
Dass Österreich am Freitag an der Frauen-Volleyball-EM teilnimmt, ist das Ergebnis eines Weges, der vor zehn Jahren aufgenommen wurde.
Als Österreichs Volleyball-Nationalteam der Frauen die Qualifikation zur EM gemeistert hat, überreichte Teamchef Roland Schwab seinen Spielerinnen Euromillionen-Tipps. Als symbolisches Geschenk. Der Deal: Wenn jemand gewinnt, soll die Hälfte in das Frauen-Programm des Volleyball-Verbandes fließen. „Es hat sich keine gemeldet“, sagt Schwab und lacht.
Der Jackpot blieb damit aus, doch die Teilnahme an der EM, die am Freitag (14 Uhr) für Österreich in Brünn (CZE) mit dem Duell gegen Serbien beginnt, zeigt: Das Frauen-Programm ist für Österreichs Volleyballsport ein Hauptgewinn. Es zeigt, dass im Sport nichts von heute auf morgen geht: 2016 wurde es initiiert. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine regelmäßigen Teilnahmen etwa an EM-Qualifikationen, keine Trainingsheimat, keine durchgängige, professionelle Betreuung. Jetzt, zehn Jahre später, wird sozusagen die Ernte eingefahren: Erstmals konnte sich das Frauen-Nationalteam aus eigener Kraft für eine Europameisterschaft qualifizieren.
Die EM-Teilnahme ist nicht nur historisch, sondern auch das Ergebnis eines konsequenten Aufbauens, eines strikten Plans. Denn im Jahr 2016 gab es kaum österreichische Volleyball-Profi-Spielerinnen. Die Frauen hinkten den Männern in puncto Betreuung und Infrastruktur wie so oft hinterher. Das wollte man ändern – und maßgeblich mitgewirkt hat Roland Schwab. Seit 2022 ist er der Teamchef des Frauen-Nationalteams, im Verband ist er bereits seit dem Jahr 2013 tätig. Erst mit dem Jahr 2016 habe man angefangen, internationale Bewerbe strikter zu verfolgen, erklärt Schwab: „Erst da haben wir begonnen, jedes Jahr European League oder jede EM-Qualifikation zu spielen, hatten auch ein paar Vorbereitungstage. Und in diesen zehn Jahren haben wir mit dem VIVA in Steinbrunn auch eine Heimat für das Volleyball-Team aufgebaut, mit einem echten Volleyball-Setup, wo auch Know-How entsteht.“
Es sind viele kleine Bausteine, die nötig waren, um den Frauensport durchwegs zu professionalisieren. Dazu gehört auch vieles, was für Zuseher in der Halle gar nicht sichtbar ist: „Unsere Teamspieler sind im Sommer sozialversichert, erhalten ein Taggeld und haben eine Berufsausfallsversicherung. Da sind wir in Österreich sogar besser aufgestellt als in Deutschland – dort kommen nicht alle zum Team, weil sie keine Verletzung riskieren möchten.“
Volleyball ist auch für Frauen ein Beruf geworden
Nicht wenige Volleyballerinnen des aktuellen EM-Kaders sind seit Beginn der 2016 ins Leben gerufenen Frauenoffensive dabei. Nina Nesimovic etwa, jene Mittelblockerin, die es vom UVC Graz aus in Volleyball-Länder wie die Türkei oder aktuell Polen geschafft hat. „Spielerinnen wie sie haben in dieser Zeit auch vier, fünf EM-Qualifikationen nicht geschafft. Jetzt sind sie um die 30, sind richtige Aushängeschilder für den österreichischen Volleyballsport“, erklärt der Bruder von Ried-Fußballer Stefan Schwab. Und, was auch wichtig ist: „Nicht nur Männer haben in Österreich Volleyball zum Beruf, sondern auch Frauen. Das ist ein großer Schritt.“
Die EM ist ein großer Schritt. Dennoch sind etwa die Nationen wie Serbien, Ukraine oder Tschechien, auf die Österreich bei der Europameisterschaft trifft, in der Regel außer Reichweite. Dafür braucht es wohl weitere zehn Jahre. Trotzdem kann Österreichs Verband nun auf einem anderen Fundament aufbauen als noch vor zehn Jahren: „Die aktuelle Generation beginnt schon mit echten Vorbildern oder startet bei einer EM in das Nationalteam – das ist ein Unterschied“, ist sich Schwab sicher.