Mit der WM in Aachen schließt sich für Cornelia Pikl ein besonderer Kreis
Cornelia Pikl ist die einzige steirische Voltigiererin bei der WM im Reitsport-Mekka Aachen.
Aachen, das ist im Reitsport das, was im Tennis Wimbledon oder im Skisport Kitzbühel ist: etwas, was man einmal erlebt haben muss und im besten Fall gewinnen möchte. Das trifft auch auf Cornelia Pikl zu. Dass im Reitsport-Mekka nun die WM stattfindet und die steirische Voltigiererin sich qualifizieren konnte, ist für sie außergewöhnlich: Vor der Mattscheibe hat die letzte WM in Aachen 2006 ihr Interesse am Voltigieren geweckt. Mit 14 erhielt sie ihr eigenes Pferd, das 2006 in Aachen schon dabei war. Und ihr Trainer, Gregor Stöckl aus Tirol, war einst als Voltigierer am Start. Für die Athletin des Reit- und Voltigiervereins Messendorfberg schließt sich ein besonderer Kreis, wenn sie heute mit „Enjoy the moment“ zur Pflicht einreitet.
Seit drei Jahren ist Pikl Stammgast bei Europa- oder Weltmeisterschaften. Und auch wenn derzeit viele Nachwuchshoffnungen beweisen, dass das Voltigieren in der Steiermark Zukunft hat, sind die Voraussetzungen für Training auf höchstem Niveau in der grünen Mark eigentlich kaum gegeben, sagt Pikl: „In Tirol wird viel gemacht, in Niederösterreich gibt es auch viele Trainer – in der Steiermark nicht“, sagt sie. Gregor Stöckl erhält Videos und schickt seine Korrekturen zurück in die Steiermark. Hie und da fährt die 33-Jährige auch nach Tirol oder umgekehrt. Voltigieren auf höchstem Niveau bedarf also nicht nur vieler Kreativität auf dem Pferd, sondern auch bei der Trainingsgestaltung. Und natürlich Hingabe: „Vor vier Jahren war es ein Hobby. Da dachten wir, dass wir es nie auf ein Großereignis schaffen. Dann kam die EM 2023 – und dann wurde es intensiv.“
Der Wert der Longenführerin
Auf die Pflicht am Donnerstag folgt am Freitag das Technikprogramm und am Samstag die Kür. Alle Elemente fließen in die Bewertung ein, die Kür wird mit 50, die anderen Elemente mit je 25 Prozent gewichtet. Beim Auftritt ist Longenführerin Melanie Neubauer essenziell, sagt Pikl: „Ihr muss mein Pferd vertrauen. Ich kann auf dem Pferd mein Programm abliefern, aber auf mich hört es nicht, sondern nur auf sie. Das muss funktionieren.“ Sechs von acht Richtern urteilen über Athletinnen und Athleten, zwei über das Pferd.
Aachen hat bei Pikl schon vor dem Wettkampf Eindruck hinterlassen. „Hier wird ein Aufwand betrieben, das ist irre. Und mit allen anderen Sparten hier zu sein, das ist eine andere Liga. Aachen ist besonders“, sagt sie. Beim EM-Debüt im Jahr 2023 belegte sie Platz 13, bei der WM in Bern 2024 folgte Rang sieben. Auch bei der EM im Vorjahr bestätigte sie mit Rang sechs einen Aufwärtstrend – ob sie ihn in Aachen fortsetzen kann? „Man hofft immer auf eine Medaille“, sagt Pikl trocken.