Osttiroler Landwirt sorgt mit Hanf für gesunde Böden
Mutterkühe statt Milchvieh, Hanf statt klassischem Ackerbau: Am Bio-Hof der Familie Halbfurter zeigt sich, wie Landwirtschaft der Trockenheit trotzen kann.

Michael Halbfurter und seine Frau Karin haben ihren Betrieb grundlegend verändert. Heute setzt die Bio-Landwirtschaft in Stribach (Gemeinde Dölsach) auf Mutterkuhhaltung, innovative Ackerkulturen und starken Fokus auf Bodengesundheit. Früher war man am Hanserhof ein klassischer Milchviehbetrieb. Noch im Jahr 2003 investierte die Familie in einen neuen Stall – ohne zu ahnen, wie sich ihr Betrieb in den folgenden Jahren entwickeln würde. Denn der hohe Arbeitsdruck und die intensive Wirtschaftsweise passten für das Ehepaar irgendwann nicht mehr. „Wir haben uns gefragt: ‚Macht uns das noch glücklich?‘“, erzählt Michael Halbfurter.
Hanf, Lein und Leindotter
Vor rund acht Jahren fiel die Entscheidung, neue Wege einzuschlagen. Heute setzt der 30 Hektar große Vollerwerbsbetrieb auf Ackerbau mit vielfältigen Kulturen, vor allem mit fast vergessenen Nutzpflanzen wie Hanf, Lein oder Leindotter. Diese schonen die Böden und – Stichwort Dürre – trocknen sie weniger aus. Das Grünland ernährt eine bunte Mutterkuh-Herde. Karin Halbfurter, gebürtige Lienzerin, ist zudem als staatlich geprüfte psychosoziale Beraterin tätig und bietet Ritualarbeit, Räucherseminare sowie Seminare an. Auch kreiert sie Räuchermischungen, die unter dem Namen „Rauchgeflüster“, verkauft werden. Die vier Kinder Hannah, die als Energetikerin arbeitet, Laura, Michael und Ella leben ebenfalls auf dem Green-Care-zertifizierten Hof.
„Eine ideale Kreislaufwirtschaft“
Ackerbau und Mutterkuhhaltung ergeben aus Sicht der Halbfurters „eine ideale Kreislaufwirtschaft“. Mist und Gülle der Kühe werden als Dünger auf den Feldern eingesetzt, während Nebenprodukte des Ackerbaus als Futter dienen. Auch das Grünland wird extensiver bewirtschaftet. Von einer vier- bis sechsmaligen Mahd pro Jahr hat man reduziert auf ein bis maximal drei Schnitte. „Dadurch entwickeln sich blütenreiche Wiesen. Man sieht einfach wieder mehr Leben auf den Flächen“, betont Michael Halbfurter, der am in siebter Generation bewirtschafteten Erbhof geboren und aufgewachsen ist. Inzwischen ist er einer von fünf österreichischen Botschaftern für Biodiversität. Diese wurden im Zuge des Projekts „Farming for Nature Österreich“ von einer Fachjury gewählt.

Stets offen für neue Wege
Zum Hanf führte ein Zufall. Man bekam Wind von einem Projekt zweier HTL-Schüler, die Nutzhanf anbauen wollten. „Da habe ich kurzerhand zu ihnen gesagt: ‚Bringt mir die Samen, ich baue ihn an‘“, erinnert sich Halbfurter schmunzelnd. Anfangs wurden er und seine Familie belächelt, inzwischen hat sich Hanf zu einer wichtigen Kultur am Betrieb entwickelt. So bietet man Hanf-Öl, -Müsli, -Tee und vieles mehr an. Auch auf dem Lienzer Adventmarkt war der Betrieb zuletzt zweimal präsent, im Interspar sind die Produkte ebenfalls erhältlich. Und offen für Neues sind die Halbfurters sowieso. So belieferte man die Firma Leki mit Fasern für einen prämierten Trekkingstock aus Hanf – den ersten seiner Art.

Das Gute am Hanf ist nicht nur, dass 100 Gramm Samen nahezu den Tagesbedarf an Vitamin B1, B2, Calcium, Magnesium, Kalium und Eisen decken sowie reich an Omega-Fettsäuren sind. Die Pflanze lockert mit ihren tiefen Wurzeln den Boden auf, passt perfekt in die Fruchtfolge, benötigt kaum Düngung und unterdrückt Unkraut. Nach der Ernte wird das Hanfstroh in den Boden eingearbeitet. Das hilft, Feuchtigkeit besser zu speichern. Ein Nachbau des Saatgutes ist nicht möglich, weshalb jedes Jahr zertifiziertes Originalsaatgut verwendet wird. Nicht alles habe von Beginn an funktioniert, berichtet Halbfurter. So mussten die vorhandenen Maschinen an die robusten Pflanzenfasern angepasst werden.
Die Natur zeigt uns, wo der Weg hingeht. Man muss nur flexibel bleiben und offen für Veränderungen
— Michael Halbfurter, Bio-Landwirt
Der Landwirt aus Leidenschaft schaut trotz der Veränderungen unserer Zeit positiv in die Zukunft: „Die Natur zeigt uns, wo der Weg hingeht. Man muss nur flexibel bleiben und offen für Veränderungen.“
