Tier erkrankte: Hundehalterin zog gegen Züchterin vor Gericht
An einer Hüftgelenksdysplasie leidet Hündin Maelys. Ihr Frauerl, Erika Scheucher aus Knittelfeld, kaufte das Tier bei einer österreichischen Züchterin – gegen diese zog sie erfolgreich vor Gericht.

„Ich wünsche mir, dass auch andere den Mut haben, sich zu wehren, damit es erst gar nicht mehr zu solchen Missständen kommt!“ Erika Scheucher bezeichnet sich als Kämpferin – und sie ist eine Hundenärrin. „Seit 1974 habe ich durchgehend Hunde“, sagt die Frau, die sich 2023 erstmals einen Rassehund zugelegt hat. Einen Herdenschutzhund – sprich: ein großes Tier mit wachem Blick und dichtem Fell. Das Hinterteil ist aber rasiert: Die Hündin wurde aufgrund einer Hüftgelenksdysplasie (HD) operiert. Maelys leidet an einer Fehlentwicklung des Hüftgelenks. „Die Züchterin hat mir im Vorfeld versichert, dass die Elterntiere HD-frei sind“, sagt Scheucher. Das sei ihr wichtig gewesen, da sie von einer Bekannten mitbekommen hatte, wie sehr betroffene Tiere leiden.
Es stellte sich allerdings heraus, dass die Mutter zum Kaufzeitpunkt mit HD-C befundet gewesen ist – die Skala geht von A (HD-frei) bis zum höchsten Schweregrad E. „Da Welpenblätter nicht vollständig ausgefüllt waren, erfuhr ich das erst im Nachhinein“, erzählt Scheucher. Sie empfiehlt „vor einem Kauf Ahnentafeln beziehungsweise Zuchtvorgaben genau zu studieren“.
Lebenslange Therapie
Erika Scheucher startete umfangreiche Recherchen. Auch Geschwister von Maelys sollen an diversen Erkrankungen leiden. „Wäre nur meine Hündin betroffen gewesen, hätte ich das akzeptiert. Das kann natürlich passieren. Aber das ist nicht der Fall.“ Die 2023 geborene Maelys (HD-D befundet) wird eine lebenslange Therapie benötigen, um möglichst schmerzfrei durch das Leben zu gehen.
Erika Scheucher zog erfolgreich vor Gericht, vertreten durch die Kanzlei Freiberger und Partner: „Es war für mich gar nicht einfach, einen Rechtsanwalt zu finden, der diesen Fall übernehmen wollte.“
Vor Gericht
Sie erhielt vom Bezirksgericht und nach der Berufung der Züchterin auch vom Landesgericht Graz Recht. Ihr wurden 500 Euro Preisminderung sowie 1120 Euro Ersatz für Therapiekosten zugesprochen, außerdem muss die Züchterin auch für zukünftige Schäden und Kosten im Zusammenhang mit der Hüfterkrankung aufkommen. „Ich werde jetzt nicht mit jeder Rechnung zu ihr gehen, um das geht es nicht. Mir geht es darum, aufzuzeigen, dass Züchtungen wie diese verhindert gehören“, sagt Erika Scheucher. Eines steht für sie heute schon fest: Künftige Vierbeiner an ihrer Seite werden wie in der Vergangenheit wieder aus dem Tierheim und nicht aus einer Zucht stammen.
Die Hündin wurde auch als Therapiebegleithündin ausgebildet, aufgrund der Erkrankung ist es aber laut Scheucher nicht möglich, sie offiziell einzusetzen. Alternativ bereitet Maelys jetzt als sogenannte Besuchshündin vielen Menschen in Heimen oder Schulen Freude, wie die Knittelfelderin erzählt.
„Es wurde weitergezüchtet“
„In dieser Linie gibt es mehrere Gelenksprobleme, von denen der Österreichische Kynologenverband und der zuständige Verband der Herdenschutzhunde informiert worden sind. Trotzdem wurde mit dieser Linie weitergezüchtet“, behauptet Erika Scheucher.
Vonseiten des AHHC (Allgemeiner Hirten- und Hütehundeclub) betont man, dass die Züchtung den damaligen Vorschriften entsprach: „Seitens des Züchters und von uns, der zuständigen Verbandskörperschaft, wurden alle zum jeweiligen Zeitpunkt geltenden Zuchtvorschriften genauestens eingehalten.“
Außerdem: „HD ist eine Krankheit, die polygen vererbt wird und in der genetische Einflüsse und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen und ihren Schweregrad mitbestimmen.“ Zudem würden Faktoren wie Fütterung, Bewegung und dergleichen den Krankheitsverlauf beeinflussen. Es würde aus HD-freien Generationen ebenfalls immer wieder Würfe mit erkrankten Welpen geben.
Der Österreichische Kynologenverband sagt zu dem Fall, dass die Entscheidung des Gerichts „selbstverständlich zur Kenntnis zu nehmen sei“. Die betreffende Hunderasse werde zuchtmäßig grundsätzlich durch die zuständige Verbandskörperschaft betreut.
