Eine Italienerin ist das neue Oberhaupt der Osttiroler Römerstadt
Elisa De Gaetani (36) ist am Gardasee aufgewachsen, ihre Wurzeln liegen aber auch in Lienz. Mit ihrer Familie lebt die junge Mutter in Obervellach im Mölltal.
„Immer wenn mich meine Eltern ruhigstellen wollten, haben sie mich vor eine TV-Dokumentation gesetzt. Ägypter, Römer und Vulkane haben mich fasziniert.“ Lachend erzählt Elisa De Gaetani, wie Geschichte und Kultur ihr in die Wiege gelegt wurden. Aus der einst kindlichen Begeisterung wird nun ein Traumjob: Die 36-Jährige ist die erste Standortleiterin des Museums und Archäologischen Parks Aguntum seit der Eingliederung in die Tiroler Landesmuseen. Kommende Woche wird De Gaetani ihre Stelle in Dölsach in der ehemaligen Römerstadt, der einzigen in Tirol, antreten.
Die Beste aus 17 Bewerbungen
„Es gab eine Reihe ganz starker Bewerbungen“, betonte Andreas Rudigier, Leiter der Tiroler Landesmuseen (TLM) bei der Vorstellung der neuen Leiterin in Aguntum. 17 an der Zahl waren es, auch international stieß die Ausschreibung auf Interesse. Am Ende kamen fünf Bewerberinnen, alles Frauen, in die engere Wahl. Das Voting für De Gaetani sei eindeutig ausgefallen. Rudigier: „Wir haben nicht nur zwei neue Häuser und damit bald 170 Mitarbeitende, sondern eine neue Generation für die Elisa De Gaetani steht.“ Immer mehr junge Frauen und Mütter – De Gaetani hat zwei kleine Kinder – würden in führende Positionen in den Museen drängen: „Das ist für mich ein deutlicher Paradigmenwechsel.“ Passend sei dies für Aguntum auch insofern, weil neben Touristen speziell Familien mit Kindern aus Osttirol und dem Umland das Zielpublikum sind.
Geboren und aufgewachsen am Gardasee
De Gaetani ist gebürtige Italienerin, sie wuchs bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Riva del Garda im Trentino auf. Ein Teil ihrer Wurzeln aber liegt in Osttirol. Die Mutter stammt aus Lienz, sie erzog die zwei Kinder zweisprachig: „Meine Mama hat darauf geachtet, dass wir schönes Hochdeutsch lernen. Aber wenn wir in den Sommerferien drei Monate bei der Oma waren, kamen wir als Osttirolerinnen zurück“, schmunzelt De Gaetani – im Dialekt, mit italienischem Zungenschlag. Am Gardasee besuchte sie ein Kunstgymnasium, in der vierten Oberstufe ging sie per Auslandsstipendium nach Graz. „Das war der größte Unterschied meines Lebens. In Italien waren wir zehn in der Klasse, in Graz vierzig. Aber zu zehnt waren wir lauter.“ 2008 maturierte De Gaetani an der Ortweinschule, studierte danach erfolgreich europäische Kunstgeschichte sowie klassische und provinzialrömische Archäologie ebenfalls in Graz.
Der Lebensmittelpunkt bleibt im Mölltal
Die Verbindung zu Osttirol ging nie verloren. Bereits im Alter von 17 Jahren führte De Gaetani auf Schloss Bruck Führungen auf Italienisch und Deutsch durch. TLM-Leiter Rudigier: „Sie ist Kunsthistorikerin und Archäologin, hat noch eine Ausbildung im Kultur-Management gemacht und war stark in der Vermittlungstätigkeit unterwegs – so jemanden zu finden, ist ungewöhnlich.“ Auch hat De Gaetani sechs Jahre lang für die Osttiroler Kulturspur gearbeitet, war da vor allem für die Inventarisierung im Museum Aguntum zuständig. Inzwischen lebt sie mit ihrer jungen Familie in Obervellach im Mölltal. Ihr Lebensmittelpunkt wird – trotz einer Wohnung in Lienz – in Oberkärnten bleiben: „Mein Mann führt eine Landwirtschaft. Die kann man nicht verpflanzen.“
Für ihre ersten Arbeitstage hat sich De Gaetani vor allem vorgenommen, das Team um Hannes Rohracher vom Besucherservice noch besser kennenzulernen. Auch den Austausch mit dem Verein Curatorium pro Aguntum wird sie intensiv suchen. Dort hat sich ebenfalls kürzlich ein Führungswechsel getan: Obmann Leo Gomig übergab sein Lebenswerk nach 32 Jahren an Josef Mair. Faszinierend sei der Job in Aguntum auch, weil jeden Tag etwas zur Sammlung – Archäologe Martin Auer stellte im Vorfeld den Grabungsbericht vor – dazu kommt: „Das kann nicht jedes Museum von sich behaupten.“ Das riesige Areal mit Innen- und Außenbereichen sei ebenso beeindruckend. „Die Möglichkeiten sind unendlich“, blickt die neue Leiterin nach vorne.

