Ungewöhnlich: Kärntner Floristin präpariert jetzt Tiere
Manuela Mattersdorfer betrieb die Pusteblume, ein Blumengeschäft, in Gurk. Nun meldete sie das Gewerbe ab und meldete ein neues an: Tierpräparation. Ein eher ungewöhnlicher Tausch.

Früher hingen bunte Bouquets an der Wand, heute ist es ein Ziegenbock. Vor wenigen Wochen waren noch Rosen ausgestellt, nun ist es ein ausgestopfter Rabe. Rund 20 Jahre war Manuela Mattersdorfer (44) Floristin, seit einem Monat ist sie Tierpräparatorin. Kein gewöhnlicher Werdegang. Die Gurktalerin verrät, wie es dazu gekommen ist.
Alles begann mit der Pusteblume, beziehungsweise mit dem Ende von ihr. Das Blumengeschäft wurde nämlich kürzlich geschlossen, da Mattersdorfer nicht mit großen Handelsketten konkurrieren konnte. „Der Valentinstag ist normalerweise der Tag, mit dem Floristen den Sommer überbrücken – abgesehen von Hochzeiten. Der lief nicht gut, der Muttertag auch nicht. Irgendwann war der Punkt da, wo es nicht mehr weiterging“, verrät Mattersdorfer emotional und sagt entschlossen: „Du brauchst immer einen Plan B“. Und den hatte sie auch.

Vor 20 Jahren entschloss sie sich, den Jagdschein zu machen. Durch die Leidenschaft zur Jagd kam sie immer wieder in Kontakt mit dem Hunnenbrunner Taxidermisten Klimbacher. „Ich ging hin und wollte immer wieder Tiere ausstopfen lassen.“ Die Chemie scheint jedenfalls gepasst zu haben und Mattersdorfer fand eine neue Leidenschaft. „Ich habe bei ihm angefangen nebenbei alles zu lernen.“ Und so wurde sie immer vertrauter mit dem Handwerk, das sie nie ganz aufgegeben hat. „Als Jäger hat man eben immer damit zu tun. Nun bin ich wieder zurück zum Ursprung.“ Am 6. Juli meldete sie offiziell ihr Gewerbe an und ihr neues Geschäft, das sich in den alten Räumlichkeiten der Pusteblume in Gurk befindet, wurde Schritt für Schritt eingerichtet.

Der neue Name des Geschäfts: „Ewig Wild“. „Für die Ewigkeit bewahrt“, ergänzt sie. Ihre Angebote umfassen Trophäen auskochen, Tierpräparation und Trophäenmontage. „Es redet sich bereits herum“, sagt sie voller Stolz. Und in ihrem Ausstellungsraum werden immer mehr Trophäen sichtbar. Ein Fischotter, ein Rabe und sogar ein Zwergziegenbock. „Den finde ich genial“, sagt sie. Für ihre Arbeit muss sich Mattersdorfer genauestens mit der Anatomie der Tiere befassen. Schließlich werden sie auseinandergenommen und dann wieder zusammengesetzt. Für große Teile kommt eine Flex zum Einsatz, für kleine Teile die Pinzette. „Das Zusammensetzen ist Millimeterarbeit.“

Zwischen der Floristin und der Tierpräparatorin gibt es auch einige Parallelen. „Es ist ähnlich, nur die Materialien sind unterschiedlich. Das Kreative ist trotzdem vorhanden und man braucht einen Blick für gewisse Dinge“. Erreichbar ist Mattersdorfer telefonisch und ihr Geschäft öffnet sie nach Vereinbarung. „Ich bin aber quasi den ganzen Tag da.“ Ihre großen Erwartungen an das neue Unternehmen sind vor allem, dass es gut ankommt und ihre Kunden zufrieden sind.
Und ob sie die Jagd noch genießen kann, nachdem sie jetzt ihr Hobby zum Beruf gemacht hat? „Jagd ist für mich Entspannung – abschalten und nachdenken. Die Jagd ist Leidenschaft, das andere ist ein Beruf. Und wenn andere Jäger auch ihrer Leidenschaft nachgehen, dann habe ich Arbeit“, freut sie sich.
