Hans Köhl: „Der Advent ist für mich im Sommer immer ein Thema“
Der Gröbminger ist seit 27 Jahren und heuer letztmalig Intendant des Salzburger Adventsingens. Über die weltbekannte Veranstaltung und seine Verbindung in die Heimat.

Herr Köhl, angesichts der aktuellen Jahreszeit denkt wohl kaum einer gerade an Advent und Weihnachten. Bei Ihnen als Intendant des Salzburger Adventsingens ist das vermutlich anders ...
Der Advent ist im Sommer für mich immer ein Thema, eigentlich ist er das das ganze Jahr. In der Vergangenheit habe ich mich im Sommer intensiv mit dem Werk des übernächsten Jahres beschäftigt. Heuer ist es leichter, weil ich meine letzte Produktion mache und nach 27 Jahren das Zepter übergebe. Jetzt muss ich mich nur mehr auf heuer konzentrieren. Aber auch da gibt es im Sommer Arbeiten: Wir haben eine große Durchlaufprobe gehabt mit allen Mitwirkenden und nun feile ich mit dem Komponisten zusammen noch am Werk. Ab September gehen wir in die intensive Probenphase.
Was ist das Salzburger Adventsingen genau?
Im Kern des Adventsingens geht es um die Geschichte um Maria und Josef, sie wird Jahr für Jahr aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet. Mir war es wichtig, diese Geschichte mit dem Jetzt zu verbinden. Wenn man heute die Flüchtlingsströme anschaut und die Herbergssuche – das kann man alles irgendwo umlegen. Beim Schreiben des Buches habe ich immer auch schon über die Musik nachgedacht, die dazu passen würde. Ich habe ausgezeichnete Mitarbeiter und Top-Komponisten im Team, die mithelfen. Es gibt keine musikalische Konstruktion, die mit dem Adventsingen vergleichbar ist. Es ist ein Konglomerat aus unterschiedlichen Stilistiken: Volksmusik, klassische Musik, zeitgenössische Musik.
Worum wird es heuer gehen?
Es geht um „Das große Geheimnis“ vom Wunder der Geburt. Wir können sie zwar medizinisch und naturwissenschaftlich erklären, aber im Grunde wissen wir alle nicht, was die Schöpfung mit uns macht. Wir haben in Salzburg zwei ganz besondere Mysterienspiele, die es in dieser Form auch nirgends gibt: im Sommer den Jedermann mit dem Mysterium des Todes und der Frage „Wo gehe ich hin?“ und das Adventsingen mit dem Mysterium der Geburt – „Wo komme ich her?“

Das Salzburger Adventsingen wird heuer 80 Jahre alt und gleichzeitig findet auch die 1000. Vorführung statt. Haben Sie diese Marken in der Geschichte zum Anlass genommen, um die Bühne zu verlassen?
Das hat auch mitgespielt, aber letztlich war es für mich an der Zeit. 2021 war mein Abschied als langjähriger Leiter des Salzburger Heimatwerks und 2022 habe ich mir vorgenommen, das Adventsingen noch fünf Jahre weiterzuführen. Ein Aspekt dabei war, dass es mich gereizt hat, mit der Veranstaltung in die Felsenreitschule zu gehen. Es hat 2022 geheißen, dass wir 2024 wegen den Umbauarbeiten aus dem Großen Festspielhaus hinausmüssen. Das hat sich dann aber immer weiter hinausgezögert, jetzt schaut‘s aus, dass das erst 2028 passiert. Ich habe heuer meinen 70. Geburtstag gehabt und das war auch so ein Zeitpunkt, wo ich gesagt habe, es ist gut und richtig nach so vielen schönen Jahren danke zu sagen und Abschied zu nehmen.
Wird das Jubiläum gefeiert?
Wir haben eine Jubiläumsmatinee, die wir besonders gestalten werden, am ersten Sonntag, an dem das Adventsingen aufgeführt wird. Wegen der Unwägbarkeiten im Haus mit den ganzen Umbaumaßnahmen und der Sperre des Neutors, das Teil einer wichtigen Anlieferungsroute in die Altstadt für uns ist, traue ich mir nicht, zusätzlich noch etwas zu machen. Ich bin froh, wenn wir die Aufführungen gut über die Bühne bringen und die Besucher gut an- und abreisen können. Ich bin optimistisch, dass wir das hinbringen werden.

Die Tätigkeit rund um das Adventsingen erfordert, dass Sie viel Zeit in der Mozartstadt verbringen und wenig in der alten Heimat Gröbming sein können ...
Ich bin leider Gottes viel zu wenig in Gröbming. 80 Prozent der Zeit verbringe ich in Salzburg, denn es ist das ganze Jahr über viel dort zu machen. Damit das gut funktioniert, muss man vor Ort sein.
Kommen Sie nach der Pensionierung wieder fix nach Gröbming zurück?
Danach werde ich hier sicher mehr Zeit verbringen. Wir haben hier so ein schönes Refugium und eines der ältesten Häuser in Gröbming. Das sollte man als Kulturgut erhalten – und es gibt noch einiges zu sanieren. Langweilig wird mir sicher nicht.
Was hat das Band in die Heimat so stark gehalten?
Ich bin nach wie vor in der Bergrettung aktiv, und es gibt auch noch viele andere Bindungen: Schulkameraden, Freunde, Berufskollegen und die Marktbürgerschaft. Ich habe nach wie vor ein sehr schönes Netzwerk in Gröbming. Und mittlerweile habe ich zwei Heimaten – eine in Salzburg, eine in Gröbming.
Wie geht es Ihnen, wenn Sie an den Abschied vom Adventsingen denken?
Ich bin dankbar und erfüllt, dass ich das habe machen dürfen. Alles im Leben hat seine Zeit. Ich habe so viele schöne Dinge erlebt, wie ich es mir in meiner Jugend es nicht hätte vorstellen können.
Zur Person
Hans Köhl ist am 23. März 1956 in Weißenbach bei Haus auf die Welt gekommen. In die Welt des Singens und Musizierens ist er früh eingetaucht, immerhin hatte beides schon in seinem Elternhaus einen großen Stellenwert. Köhl war ab seinem sechsten Lebensjahr in der Musikkapelle Gröbming aktiv, später auch im Kirchenchor und -orchester sowie in verschiedenen Gesangsgruppen.
Der Gröbminger hat bei der Landgenossenschaft Ennstal gearbeitet, war danach einige Jahre Gastwirt. 1989 übernahm er die Leitung des Salzburger Heimatwerks, 1999 dann die Intendanz des Salzburger Adventsingens. Damit ist er einer von bisher nur drei Leitern des Salzburger Adventsingens, das Jahr für Jahr im Rahmen von 16 Aufführungen 34.000 Besucher anlockt.
Köhl ist verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder.

