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Lärmschutz und Drainagen – so bohrt die OMV im Grazer Umland

Heißes Wasser aus der Tiefe für die Grazer Fernwärme: In St. Marein bei Graz geht es bald ans Eingemachte samt Lärmschutz und Drainagen – womöglich unter neuen gesetzlichen Gegebenheiten.

So ähnlich wie hier in Wien wird das Szenario auch in St. Marein bei Graz aussehen
© OMV
So ähnlich wie hier in Wien wird das Szenario auch in St. Marein bei Graz aussehen
Michael Saria
Redakteur Steiermark-Ressort | Graz

Vielleicht geht Petersdorf II in die Geschichtsbücher ein. Denn genau dort im Ortsteil der Gemeinde St. Marein bei Graz erfolgen jene Bohrungen, die ein 500-Millionen-Euro-Projekt auf Schiene bringen sollen: die erstmalige Versorgung des Grazer Fernwärmenetzes mit der gespeicherten Wärme von Wasser aus dem Untergrund. Nach Monaten der Vorbereitung, in denen das gesamte Projekt sogar kurz vor dem Aus stand, geht es nun ans Eingemachte.

„Am 25. August findet die wasserrechtliche Verhandlung statt“, bestätigen sowohl Franz Knauhs, Bürgermeister der Gemeinde St. Marein bei Graz, als auch OMV-Sprecherin Elena Menasse. Geht dabei alles glatt, soll Ende November/Anfang Dezember mit einer Erkundungsbohrung der „zentrale nächste Schritt“ gesetzt werden – um bei entsprechenden Vorräten tief in der Erde schließlich ab dem Jahr 2030 tatsächlich erste Wärmelieferungen nach Graz zu schicken.

Solche Lkw fuhren in steirischen Gemeinden auf, um Heißwasser unter der Erde zu lokalisieren
© OMV
Solche Lkw fuhren in steirischen Gemeinden auf, um Heißwasser unter der Erde zu lokalisieren

Zehn Meter lange Trucks

Um langfristig unabhängiger von Gasimporten zu werden, haben ja Stadt Graz und Energie Steiermark dieses Geothermie-Projekt „Tiefenkraft“ angestoßen. Dabei gräbt man rund 4000 Meter in die Tiefe, pumpt warmes Wasser an die Oberfläche, speichert diese Wärme und führt das „abgekühlte“ Wasser wieder dem Berg zu. Der Mineralölkonzern OMV als Projektpartner ließ heuer im Frühjahr gigantische Lkw auffahren – zehn Meter lange und bis zu 30 Tonnen schwere „Seismik-Trucks“, welche etliche Gemeinden zwischen Feldbach, Weiz, Hartberg und dem Grazer Umland besuchten. Das Ziel: mithilfe reflektierender Schallwellen auf Heißwasservorkommen zu stoßen. 

In „seiner“ Gemeinde wird gebohrt: Franz Knauhs, Bürgermeister von St. Marein bei Graz
© Privat
In „seiner“ Gemeinde wird gebohrt: Franz Knauhs, Bürgermeister von St. Marein bei Graz

Amtssachverständige

In St. Marein bei Graz war dies von Erfolg gekrönt. Wie nun aus den Unterlagen für die Verhandlung am 25. August hervorgeht, wird die betreffende landwirtschaftliche Fläche, welche die OMV laut Gemeinde vom privaten Besitzer gepachtet hat, nicht nur aufgeschüttet – sondern unter anderem auch mit Drainagen, „Bodenfiltermulden“, einem Erosionsschutz und einer Lärmschutzwand versehen. Neben Amtssachverständigen für Wasserbau und Hydrogeologie wird auch ein Experte für Limnologie daran teilnehmen – und das Ökosystem im Auge behalten.

Im Juni präsentierten Florian Sieber und Berislav Gašo seitens der OMV sowie die Energie-Steiermark-Vorstände Werner Ressi und Martin Graf das Projekt (von links)
© Aldrian
Im Juni präsentierten Florian Sieber und Berislav Gašo seitens der OMV sowie die Energie-Steiermark-Vorstände Werner Ressi und Martin Graf das Projekt (von links)

Den Antrag für diese Prüfungen und die wasserrechtliche Bewilligung hat die „OMV GeoTherm Graz GmbH“ schon im Dezember 2025 gestellt – kurz nach einem Paukenschlag: Mit Verweis auf fehlende Beschlüsse seitens der Stadt Graz hatte die OMV im November plötzlich das Projekt gestoppt. In Graz wiederum gab es wegen offener Haftungsfragen ein kollektives Stirnrunzeln.

Das ist ein deutlicher Rückenwind für unser aktuelles Projekt ,Tiefenkraft‘, das wir gemeinsam mit der OMV umsetzen.

— Werner Ressi und Martin Graf, Energie Steiermark, zur Gesetzesnovelle

Nach durchaus emotionalen Wochen gab es doch noch eine Einigung: Die Energie Steiermark erhält von Grazer Seite zehn Jahre lang eine „Risikoprämie“ über 3,5 Millionen Euro pro Jahr. Und: Das Joint Venture von OMV (75 Prozent) und Energie Steiermark (25 Prozent) übernimmt Bohrung und Energieaufbringung, die Energie Steiermark errichtet die 150 Millionen Euro teuren Leitungen bis nach Graz und die Energie Graz schließlich sorgt für die Verteilung der Wärme an die Haushalte.

All das könnte unter völlig neuen Vorzeichen passieren: Denn ein Entwurf zur Novellierung des „Bundes-Mineralrohstoffgesetzes (MinroG)“ sieht wesentlich vereinfachte Verfahren vor – etwa im Hinblick auf die Abstimmung mit den Grundbesitzern. Seitens der Energie Steiermark verspürt man dabei „einen deutlichen Rückenwind für unser aktuelles Projekt ,Tiefenkraft‘“, betonen die Vorstände Martin Graf und Werner Ressi.

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