Zahl der Skiverletzungen um die Hälfte reduziert
Skifahren in Österreich ist in den vergangenen Jahren deutlich sicherer geworden. Die Zahl der Pistenunfälle hat sich seit 2003 halbiert. Vor allem die bessere Ausrüstung und optimierte Pistenbedingungen trugen dazu bei.

Die Zahl der Skiverletzungen auf Österreichs Pisten ist in den vergangenen zehn Jahren um 55 Prozent zurückgegangen. Das führen Experten auf die ebenfalls um die Hälfte reduzierte Sturzhäufigkeit, bessere Ausrüstung und optimierte Pistenbedingungen zurück. Die laut Hermann Gruber, Präsident des Wiener Skiverbandes, "erfreuliche Überraschung" wurde am Freitag bei einer Pressekonferenz präsentiert.
Während sich im Winter 2002/2003 noch 1,3 Skifahrer und Snowboarder pro 1.000 Skitagen verletzten, waren es in der Saison 2012/2013 nur noch 0,57 Verletzte pro 1.000 Skitagen. Das ergab die Skiunfallerhebung, die der Österreichische Skiverband (ÖSV) zusammen mit dem Institut für Sportwissenschaften der Universität Innsbruck durchgeführt hat.
"Damit ist man nun bei einer Verletzungshäufigkeit ähnlich dem Skilanglaufen und dem Bergwandern angelangt", so Martin Burtscher, Leiter des Instituts für Sportwissenschaften der Uni Innsbruck. Auf 1.750 Skitage kommt damit – statistisch gesehen – eine Verletzung.
Weniger Stürze
Das ist vor allem auch auf die "dramatisch zurückgegangene Sturzhäufigkeit" zurückzuführen, wie Burtscher erklärte. Sie reduzierte sich von 0,75 Stürzen auf 0,38 pro Skitag und damit um die Hälfte. Snowboarder stürzen deutlich häufiger (2,15 Stürze), machen aber nur 14 Prozent der österreichischen Pistenbevölkerung aus.
Diese Reduktion der Sturzhäufigkeit erklären sich die Experten vor allem mit der besseren Ausrüstung, den zunehmend kürzeren Ski mit geringerer Taillierung und der optimierten Pistenpräparierung auch bei schwierigen Verhältnissen. Das Verhältnis zwischen Verletzungen und Stürzen (etwa 1,5 Verletzungen auf 1.000 Stürze) blieb im Vergleich zu 2002 stabil.
Dass dennoch rund 28.500 Skiverletzungen pro Jahr behandelt werden müssen, liegt an der enormen Popularität des Sports in Österreich: Pro Jahr verzeichnen die Skipisten etwa 50 Millionen Skitage. Besonders viele Verletzungen gibt es in großen und schweren Skigebieten in hochalpinem Gelände.
Fahrfehler
Der mit 87 Prozent weitaus größte Teil der Blessuren entsteht aufgrund von Fahrfehlern ohne Fremdverschulden. "Nur sieben bis acht Prozent sind auf Kollisionen mit anderen Skifahrern zurückzuführen", sagte Burtscher. Sie kommen verstärkt in Kreuzungsbereichen von Pisten vor.
"Frauen stürzen weniger, verletzen sich aber häufiger", berichtete Burtscher. Die häufigste Folge sind Knieverletzungen, die bei Frauen mehr als die Hälfte aller Verletzungen ausmachen. Im Vergleich: Bei den Männern verletzt sich nicht einmal ein Drittel am Knie. Grund dafür ist vermutlich die vor allem mit zunehmendem Alter nachlassende Kraft. Die Experten empfahlen daher gerade für Frauen vorbeugendes Krafttraining mindestens zwei bis drei Monate vor dem ersten Skischwung.
Während die Sicherheitsbindung bei Erwachsenen die Unterschenkelfrakturen deutlich reduziert hat, machen Verletzungen des Unterschenkels bei Kindern immer noch fast ein Viertel aller Verletzungen aus. "Da sollte man ganz sicher die Bindungseinstellungen überdenken", meinte Burtscher. Auch Peter Vavken, Direktor der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, sah hier einen "klaren Auftrag der Zahlen".
Rücksicht nehmen
Vavken nutzte die Gelegenheit auch, um vor Beginn der Skisaison noch einmal auf die wichtigsten Präventionsmöglichkeiten hinzuweisen: "Mit Rücksicht und Vorsicht fahren, das persönliche Können nicht überschätzen und immer aufwärmen." Er lobte zudem die deutlich zunehmende Helmquote der Skifahrer - 91 Prozent bei Männern und 96 bei Frauen. "So haben wir nicht nur die schöne Landschaft, sondern auch das sichere Skifahren."
Insgesamt analysierte die Uni Innsbruck 7.325 Verletzungen in 26 Skigebieten und befragte auch Ärzte in diesen Gebieten, um so genannte "mobil Verletzte" (etwa 22 Prozent) zu inkludieren, die nicht von der Piste abtransportiert werden, sondern nach dem Skitag selbstständig zum Arzt gehen.