Von Bäckerei bis Jobcenter: In dieser Stadt haben die Kinder das Sagen
200 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bevölkern diese Woche den Garten der Generationen in Weiz. Erstmals findet dort das Projekt „Kinderstadt“ der Kinderfreunde Steiermark statt. Bisheriges Highlight: Die Wahl des Bürgermeisters und der Bürgermeisterin.
Es wuselt im Garten der Generationen. 200 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren „bevölkern“ in dieser Woche die Kinderstadt „En4Ever“ in Weiz. Das Projekt der Kinderfreunde Steiermark findet heuer das erste Mal in der Oststeiermark statt. Wer hinein will, kommt nicht an Anna (11) und Taylor (10) vorbei. Die beiden sitzen beim Meldeamt. „Hier muss man sich anmelden, jeder bekommt einen Stempel auf den Pass, um sich zu registrieren“, erklären die beiden, während sich die ersten Kinder schon Stempel abholen.
Für die Neuankömmlinge geht es dann sogleich weiter zur Jobbörse. Dort hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Leo (10) und Christian (11) haben alle Hände voll zu tun. Jeder will einen Job. Jedes Kind bekommt einen Schein ausgehändigt und wird an eine der 25 Stationen geschickt. Andere holen sich einen Stempel für ihren Lohnzettel, um ihn gleich danach beim Stand daneben bei der Bank einzulösen.
Elternfreie Zone
„Wir kontrollieren die Lohnzettel und geben das Geld her, davor müssen wir aber die Steuer abziehen. Da muss man gut rechnen können“, erklärt Leonhard (9).
„Bei uns läuft es ab wie in einer echten Stadt“, betont Projekt-Assistenz David Pierre-Yves von den Kinderfreunden Steiermark. Ziel ist es, spielerisch Demokratie, Wirtschaft und gesellschaftliches Zusammenleben zu verstehen. Die Stadt ist elternfreie Zone. Von 8 bis 16 Uhr haben die Kinder hier das Sagen. „Das ist ganz wichtig, da die Kinder selbst entscheiden sollen“, so Pierre-Yves.
Über das Projekt
Die „Kinderstadt Weiz-Gleisdorf“ findet von 3. August bis zum 7. August 2026, täglich von 8 bis 16 Uhr, im „Garten der Generationen“ in Krottendorf bei Weiz statt. Der Eintritt ist frei.
200 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren machen mit.
An 25 Stationen legen sie selbst Hand an, arbeiten bei der Jobbörse, der Bank, der Bäckerei, der Zeitungsredaktion, und verdienen ihren Lebensunterhalt in Form einer eigens kreierten Währung. Sie machen Politik und wählen ihre Bürgermeister und Stellvertreter selbst. Steuerregelungen, Gesetze und auch politische Fragen sind Sache der Kinderstadt-Regierung.
Projektträger sind die Kinderfreunde Steiermark, die Stadt Weiz stellt die Eigenmittel zur Verfügung. Gefördert wird das Projekt mit 80 Prozent von der Leader Region Weiz-Gleisdorf. Gesamtkosten: Rund 66.200 Euro.
Im Freien haben Feuerwehr, Polizei und Rettung Aufstellung genommen. Neben einem Blick ins Einsatzfahrzeug, darf natürlich auch ausprobiert und selbst Hand angelegt werden. Bei der Weizer Wood Solution nimmt die Da Vinci Brücke Gestalt an, bei Strobl Bau wächst ein Dachstuhl in die Höhe, bei Siemens Energy kann man einen Trafo durch die VR-Brille entdecken.
Eine Stadt schreitet zur Wahl
Aus der Bäckerei duftet es nach frischem Gebäck. Isabell, Marie und Jakob sind dabei Mohnweckerl zu formen und sie auf das Backblech zu setzen. „Das macht großen Spaß“, erklärt Isabell (9). Gleich daneben bereiten sich Antonia, Miriam, Ilvy und Alfred auf ihre Interviews mit den Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten vor. Sie arbeiten als Journalisten bei der Zeitung. Ja, auch das gibt es natürlich in der Kinderstadt. „Wir fragen sie, warum sie Bürgermeister werden wollen und welche Ziele sie für die Stadt haben. Dann schreiben wir einen Artikel“, erklärt Antonia (9).
Heute ist großer Wahltag. Überall in der Stadt hängen bunte Wahlplakate. Einziger Unterschied zu einer realen Stadt: Hier wird ein Bürgermeister sowie eine Bürgermeisterin und jeweils ein Stellvertreter und eine Stellvertreterin gewählt.
Viele Ideen für eine kleine Stadt
Insgesamt 13 Kinder haben sich aufstellen lassen. „Ich will Bürgermeister werden damit man mehr verdient und die Steuern weniger werden. Und weil es cool ist“, erklärt Fabi (11). In einer kurzen Ansprache stellen sich alle vor. Danach wird gewählt. Unter den 200 Kindern werden Stimmzettel verteilt und Namen auf die Zettel gekritzelt. Damit geht es ab in die Wahlurne. Während ausgezählt wird, dürfen die Kinder Fragen an die echte Bürgermeisterin aus Weiz und an den echten Bürgermeister aus Gleisdorf stellen. „Was ist deine Lieblingsfarbe? Warum wollten Sie Bürgermeister werden und wie findet ihr euer Rathaus?“, wollen die Kinder wissen.
Dann ist es soweit: die neuen Bürgermeister werden angelobt. Es sind Fabi Neuhold und Olivia Wilfling, Stellvertreter sind Philipp Gschanes und Enna Hiebler. Für die neuen Stadtvertreter geht es auch sogleich in Medias Res. Bereits heute findet die erste Stadtratssitzung statt. „Dort können sie dann ihre Ideen vorstellen, ausarbeiten und umsetzen“, erklärt Kinderstadt-Projektleiter Walter Persch.
Die Ideen reichen von günstigerem Essen, mehr Geld, weniger Steuern über Popcorn für das Kino bis hin zu einem eigenen Fußballclub für die Stadt. Es bleibt spannend, was tatsächlich umgesetzt wird. Das Motto des großen Stadtfestes am Freitag steht jedenfalls schon fest: „Hawaii“ – auch das haben sich die Kinder selbst überlegt.