„Beim ersten Ferialjob hab‘ ich Toiletten im Stadion geputzt“
Musiker, preisgekrönter Moderator und „Tausendsassa“ Thomas „Tommy“ Schmid (48) im Sommergespräch über das Jubiläum der „Neffen von Tante Eleonor“, seine Jobwechsel und seinen Onkel, den Landeshauptmann.

Sie sind Teil der Vokaltruppe „Die Neffen von Tante Eleonor“. Am 12. Juni wurde das 20-Jahr-Jubiläum mit einem Konzert in Finkenstein gefeiert und die neue CD vorgestellt. Wie ist es, vor über 1000 Fans zu singen?
Tommy Schmid: Unglaublich! Auf der Burgarena hat alles angefangen. Ich war Ende der 90er mit Freuden auf einem „Flying Pickets“-Konzert in der Arena und das hat mich so richtig geflasht. Von da an wusste ich: Das ist mein musikalischer Lebenstraum, das ist die Musik, die ich machen will.
Wie habt ihr begonnen?
1997 mit dem Jugendensemble „Teenage Slang“. Wir hatten damals eine Stammtischrunde im Café Emma in St. Andrä und haben geschaut, wer so halbwegs den Ton halten kann. Geblieben sind 5 Burschen und 5 Dirndl. Bei der 40er-Feier meines Vaters hatten wir unseren ersten Auftritt (lacht).
Mit dem heutigen Landeshauptmann Daniel Fellner hattet ihr ein mittlerweile prominentes Mitglied.
Daniel war beim zweiten Ensemble Mitglied, bei „Voiceberg“, da waren wir zu sechst. Als es zeitintensiver wurde, ist Daniel ausgestiegen, hat aber noch eine Zeit lang das Management gemacht.

Was viele nicht wissen: Der Landeshauptmann ist Ihr Onkel, auch wenn er nur zehn Monate älter ist als Sie.
Genau. Daniel ist der jüngste Bruder meiner Mutter und wir sind wie Geschwister aufgewachsen. Ich war als Kind viel dort und unsere Familien sind oft zusammen in den Urlaub gefahren. Sagen wir so: Wir haben viel erlebt (lacht verschmitzt).
Sie sind im SPÖ-Umfeld groß geworden: Ihr Papa war jahrzehntelang Büroleiter von mehreren Wolfsberger Bürgermeistern, Sie sind nun Büroleiter bei einem SPÖ-Bürgermeister und Ihr Onkel ist SPÖ-Landeshauptmann. Wie sehr ist Politik Gesprächsthema zwischen Onkel und Neffe?
Wir reden gar nicht über Politik, sondern lieber übers Holzarbeiten, was eine von Daniels Leidenschaften ist, oder über Privates. Mittlerweile sehen wir uns leider nicht mehr so oft, weil Daniel beruflich sehr eingespannt ist, aber wir telefonieren regelmäßig. Und wir gehen gerne zusammen zu WAC-Spielen, dann aber als Stehpartie auf der Osttribüne.
Einen Landeshauptmann würde man eher im VIP-Bereich vermuten …
Das gehört in seiner Position selbstverständlich auch dazu, aber viele seiner Familienmitglieder oder Freunde sind auf der Ostseite. Wenn er dann mit Freizeitkleidung und Kappe neben uns steht, bemerke ich manchmal schon fragende Blicke: Ist er das? (lacht)

Die aktuelle Formation „Die Neffen von Tante Eleonor“ gibt’s seit 20 Jahren. Was waren die Meilensteine?
Der Sieg beim Wettbewerb „Kärntner Chor des Jahres“ 2016 war ein Meilenstein und bei der „Großen Chance“ im ORF haben wir es ins Halbfinale geschafft. 2016 war ein großartiges Musikjahr, damals war auch noch mein Bruder Christoph Teil der Neffen. Er ist Ende 2016 aufgrund des Zeitpensums und aus familiären Gründen ausgestiegen. Markus Murke ist schon davor ausgestiegen, weil es sich mit seinem Engagement an der Grazer Oper nicht mehr vereinbaren ließ. Statt Markus kam der Steirer Marko Zeiler und statt meinem Bruder kam Andi Hobel, den wir ohnehin schon viele Jahre kannten. Seit zehn Jahren sind wir nun in der Besetzung mit Christoph Murke, Marko Zeiler, Andi Hobel und mir unterwegs.
Viele kennen den Namen Tommy Schmid noch, weil Sie zehn Jahre lang im Radio zu hören waren. Sie haben sich bei Antenne Kärnten vom Moderator zum stellvertretenden Programmchef hochgearbeitet. In einem Interview 2017 sagten Sie: „Es ist mit Abstand der geilste Job, den man haben kann.“ Ein paar Monate später haben sie bei der Gemeinde Wolfsberg begonnen. Wie passt das zusammen?
Mit fehlender Liebe zu dem Job hatte das nichts zu tun. Im Grunde genommen bin ich jeden Tag um halb 3 in der Früh aufgestanden und zur Morgenshow nach Klagenfurt gefahren. Ein Wohnortwechsel wäre nie in Frage gekommen, Wolfsberg ist meine Heimat. Als unser erstes Kind auf die Welt kam, waren die Nächte oft relativ kurz. Das kostet natürlich auch Energie und beim Radio musst du funktionieren: Du musst unabhängig von der Tagesverfassung Stimmung vermitteln. Und als ich gemerkt habe, dass meine Energie-Ressourcen weniger werden, habe ich noch geholfen, einen neuen Mitarbeiter aufzubauen und habe dann die Antenne in aller Freundschaft verlassen. Es war eine gute Entscheidung und mittlerweile habe ich mit meiner Frau Marion drei wundervolle Kinder, die unser Ein und Alles sind.

Talent haben Sie unbestritten: Sie haben 2016 den Radiopreis für die „Beste Comedy“ abgeräumt . . .
Das war schon ein Wahnsinn, Kaliber wie Ö3 abzuhängen.
Eineinhalb Jahre nach diesem Preis haben sie die Antenne verlassen. Hatten Sie da schon den Job bei der Gemeinde im Auge?
Überhaupt nicht. Ich hab‘ eher gedacht, hauptberuflich die Moderationsschiene bei Veranstaltungen zu forcieren und mich mehr auf die Musik zu konzentrieren, doch als ich gesehen hab‘, dass auf der Gemeinde ein Job im Stadtmarketing ausgeschrieben war, dachte ich mir: Da könnte ich mich bewerben. Im Dezember 2017 habe ich bei der Gemeinde angefangen, 2021 habe ich ins Bürgermeisterbüro gewechselt.
Was antworten Sie Kritikern, die Ihnen Protektion vorhalten?
Ich kann mit dem Begriff nichts anfangen und das ist mir auch nicht vorgehalten worden. Einen Österreichischen Radiopreis oder Chorpreis bekommt man auch nicht geschenkt. Diese Dinge muss man sich schon selbst beziehungsweise in der Gruppe erarbeiten.
In Bezug auf Ihren Gemeindejob, weil Ihr Papa jahrzehntelang Bürgermeister-Sekretär war . . .
Als ich mich 2017 im Stadtmarketing beworben habe, bin ich mit einer Mappe voller Ideen hin und habe gesagt: Bitte blendet aus, wer auf der Gemeinde arbeitet, ich möchte mir meinen Job selbst verdienen. Mir war es wichtig, meine Qualifikation bewertet zu wissen und der Job war aufgelegt für mich: Ich bin kreativ, kann moderieren … Und ganz ehrlich: Im Beruf muss sowieso jeder seine Leistung bringen. Meinen ersten Ferialjob hatte ich übrigens bei der Gemeinde …
In welcher Abteilung?
Ich hab‘ unter anderem die Toiletten im Sportstadion geputzt und den Rasen gemäht. Es war ein cooler Ferialjob mit super Kollegen.

Sie haben auch einmal für die Kleine Zeitung gearbeitet . . .
Die Kleine Zeitung war mein Einstieg, später habe ich dann für die Wolfsberger Zeitung geschrieben, bevor ich beim Radio gelandet bin. Ich schreibe und lese extrem gern. Ich fresse Bücher sozusagen (lacht). Früher hab ich für meine kleinen Cousinen Geschichten geschrieben, später Songtexte und mein großer Lebenstraum wäre es, einmal ein Buch zu schreiben. Wenn ich nur wüsste, wie anfangen (lacht).

Zur Person
Thomas „Tommy“ Schmid ist am 16. November 1977 geboren und mit Marion verheiratet. Sie leben mit ihren Kindern Lukas (9), Benjamin (8) und Annika (bald 6) in Wolkersdorf/St. Stefan. Die große Leidenschaft von Tommy Schmid ist die Musik, er ist Teil der Vokaltruppe „Die Neffen von Tante Eleonor“. Am 24. und 25. Oktober präsentieren sie mit Maxi Theiss im Wolfsberger Rathaus das Ein-Mann-Stück „Die Lieben meines Lebens“ mit Vokalbegleitung. Im Zuge ihrer „Weihnachten g’spiarn“-Tour sind die „Neffen“ am 8. Dezember in der Basilika St. Andrä zu hören.
Tommy Schmid hat nach der Borg-Matura für die Kleine Zeitung und für die Wolfsberger Zeitung geschrieben, zwischendurch im Musikhaus Randeu gejobbt und 2007 bei Antenne Kärnten begonnen. Seit Ende 2017 ist er bei der Gemeinde Wolfsberg beschäftigt: Begonnen hat er im Stadtmarketing, seit 2021 ist er Büroleiter im Bürgermeisterbüro (erst vom 2025 verstorbenen SPÖ-Bürgermeister Hannes Primus, danach vom amtierenden SPÖ-Bürgermeister Alexander Radl).