„Ich muss nicht für meine alltägliche Arbeit beklatscht werden“
Der Vita Award holt Pflegekräfte vor den Vorhang, gibt ihnen eine Bühne. Mit welchen Herausforderungen der Bereich kämpft und warum nicht alles schlecht ist.
Wenn man auf die demografische Entwicklung blickt, läuft die Zeit für den Pflegebereich rückwärts. Die Gesellschaft wird immer älter, aber gleichzeitig nicht gesünder. Sprich: Der Bedarf an Pflegekräften wird immer größer. Eine Herausforderung, der sich Alexandra Fürst, Landesvorsitzende des Berufsverbands ÖGKV in der Steiermark mehr als nur bewusst ist.
Schwarzmalen will sie aber nicht. Fürst blickt trotz allem positiv auf den Pflegebereich und in die Zukunft. Der Hauptgrund dafür: Die Akademisierung der Pflegeberufe. Sie bringt nicht nur neue Tätigkeitsfelder mit sich sondern auch flachere Hierarchien. Auch wenn das in der Umsetzung Zeit braucht und hier noch Luft nach oben ist, sieht sie bereits heute vieles, das sich verändert hat. In vielen Einrichtungen gibt es bereits spezialisierte Fachkräfte, etwa im Wundmanagement in der Diabetesversorgung oder im Schmerzbereich. Eine Zusatzqualifizierung, von der das gesamte Team und vor allem die Patienten und Bewohner profitieren.
Junge Pflegekräfte treten selbstbewusster auf
Zugleich hat sich laut Fürst auch die Sprache, die Kommunikation im Pflegebereich verändert. „Junge Kolleginnen, die von der Fachhochschule zu uns kommen, haben ein ganz anderes Auftreten als es bei mir vor 40 Jahren der Fall war. Man merkt einfach, dass sie in der Kommunikation gefestigt sind“, sagt Fürst. Das ist auch dem geschuldet, dass die Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger durch den akademischen Weg bereits älter und reifer sind.
Jetzt nominieren
Noch bis zum 9. August können Pflegekräfte für den diesjährigen Vita Award nominiert werden. Nominiert werden kann, wie bereits im Vorjahr in den Kategorien Expert:in, Begleiter:in, Newcomer:in, Vorbild, Pfleger:in in Ausbildung sowie Dream Team. Die genauen Voraussetzungen für eine Nominierung in der jeweiligen Kategorie finden Sie auf der Website der Vita, über die, wie bereits im Vorjahr die gesamte Nominierung abläuft.
Trotz alledem ist in dem Bereich nicht alles rosig. Denn mit den wachsenden Anforderungen der Pflegebedürftigen wächst auch die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte. Auch bei der Telemedizin oder technischen Unterstützungssystemen in der Dokumentation wäre noch viel möglich – auch wenn die Technik hier jetzt bereits eine große Stütze geworden ist. Aber auch all das kann nicht darüber hinwegtrösten, dass es dringend mehr fachlich ausgebildetes Personal braucht. „Wir wissen, dass wir bis 2030 10.000 zusätzliche Pflegekräfte brauchen“, sagt Fürst. Wie es in Zukunft wirklich weitergehen wird, weiß heute niemand. Fürst ist aber zuversichtlich, auch weil man in Österreich bereits viel fachlich gute ausländische Kräfte etablieren konnte.

Nicht jede Quereinsteigerin ist die Lösung
Massenweise Quereinsteiger in den Bereich zu schicken ist laut Fürst aber nicht die Lösung. „Es kann nicht jeder pflegen“, sagt sie. Man müsse wirklich gut selektieren, denn es gebe durchaus sehr gute Pflegekräfte, die durch einen Quereinstieg erst später in den Bereich gekommen sind.
Die Pflege der Zukunft braucht aber auch neue Systeme, muss anders, weiter gedacht werden. Eine wichtige Sparte sind dabei auch Community Nurses. Umso bedauerlicher ist es für Fürst, dass gerade dort das Angebot in vielen Regionen wieder zurückgefahren wird. Denn hier geht es nicht nur um die reine Pflege, sondern auch um die Unterstützung bei administrativen Tätigkeiten. Sei es beim Stellen eines Pflegegeldantrags oder bei der Beschaffung von Hilfsmitteln. All das trägt dazu bei, dass Menschen möglichst lange zu Hause betreut werden könnten.
Wir haben eine gute Profession, jeder, der sich entschieden hat im Pflegeberuf zu arbeiten, weiß was dahintersteht. Ich muss nicht für meine tägliche Arbeit beklatscht werden.
— Alexandra Fürst , Steirische Landesvorsitzende des ÖGKV
Wertschätzung kommt von innen
Damit das möglich ist, sind auch pflegende Angehörige gefragt. Sie sind eine der größten Stützen des Pflegebereichs. Für Fürst steht fest: Auch sie brauchen besonders viel Unterstützung, dürfen mit den Herausforderungen nicht allein gelassen werden. Daher sei es auch so wichtig eine qualitativ hochwertige, kontrollierte 24-Stunden-Betreuung an ihrer Seite zu wissen.
Und dann wäre da noch das Thema der Wertschätzung. Fürst sagt: Die Wertschätzung beginnt bei jeder einzelnen Pflegekraft selbst und in den Institutionen. „Wir haben eine gute Profession, jeder, der sich entschieden hat im Pflegeberuf zu arbeiten, weiß was dahintersteht. Ich muss nicht für meine tägliche Arbeit beklatscht werden.“ Denn die wirkliche Wertschätzung bekomme man ohnehin von den Klienten und deren Angehörigen. Was die Arbeitsbedingungen angeht, sei jeder einzelne Arbeitgeber gefordert, nicht nur die Politik.