Riesige Berlusconi-Kunstsammlung wird aufgelöst
Die fünf Kinder des 2023 verstorbenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wollen eine umfangreiche Kunstsammlung des Medienunternehmers auflösen. Die Sammlung umfasst rund 25.000 Gemälde und Skulpturen und ist derzeit in einer 4.500 Quadratmeter großen Lagerhalle unweit von Berlusconis Residenz in Arcore bei Mailand untergebracht. Nun soll die Halle abgerissen werden und einem Supermarkt weichen.

Wo bisher Tausende Bilder und Skulpturen aus der privaten Sammlung des ehemaligen Regierungschefs lagerten, soll künftig eine Filiale der Discountkette Eurospin entstehen - mit großem Parkplatz, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". "Ich bin sicher, dass Berlusconi das nicht gefallen hätte. Ein Discounter anstelle seiner Sammlung mit 25.000 Werken", sagte Lucas Vianini, der früher für die Gestaltung der sogenannten "Quadreria", der Gemäldesammlung Berlusconis, verantwortlich war. Vianini bezeichnet die Sammlung als Ausdruck einer "berlusconischen Mythologie".
Eine klassische Museumssammlung sei die Kunsthalle jedoch nicht gewesen, erklärte Vianini. Zwar hätten sich darunter auch Werke mit musealem Wert befunden, insgesamt habe die Sammlung aber einem anderen Konzept entsprochen: einem groß angelegten, nach Themen gegliederten Rundgang durch die Geschichte der Kunst. Zu sehen waren unter anderem Stillleben, religiöse und mythologische Darstellungen, historische Porträts, Landschaftsbilder sowie Reproduktionen berühmter Meisterwerke. Die Sammlung war nicht öffentlich zugänglich, nach Berlusconis Vorstellungen sollte sie jedoch möglicherweise später Besuchern offenstehen. Ihre Bedeutung habe daher auch einen pädagogischen Anspruch gehabt, sagte Vianini.
Mehr als eine klassische Sammlung sei die "Quadreria" eine "Bühne" gewesen, die auch Berlusconis Selbstverständnis widerspiegelte, erklärte Vianini. Die ausgestellten Werke spiegelten seine persönlichen Interessen wider: Ansichten seiner Lieblingsstädte wie Mailand, Neapel, Paris und Positano, historische Persönlichkeiten, sonnige Landschaften, Feldherren wie Napoleon, Tiere und Gladiatoren. Viele der Bilder seien auf Auslandsreisen Berlusconis entstanden oder von diesen Reisen inspiriert worden. Es handelte sich um Darstellungen jener Städte, die der viermalige Ministerpräsident besonders schätzte.
In der Lagerhalle befinden sich außerdem Marmorbüsten Berlusconis. Zur Sammlung gehören sowohl Darstellungen nackter Frauen als auch religiöse Werke mit Motiven der Muttergottes. Zahlreiche Stücke soll Berlusconi über nächtliche Kunstverkäufe im Fernsehen erworben haben.