Männer bevorzugt: Klagenfurter Frauenbüro sucht neuen Chef
Die langjährige Leiterin des Klagenfurter Frauenbüros geht in Pension. Ihre Nachfolge wird gesucht – und bei gleicher Qualifikation haben Männer die besseren Chancen.
Das Frauenbüro der Stadt Klagenfurt steht seit über 30 Jahren für Gleichstellung und Sichtbarmachung von Frauen. Weil die langjährige Leiterin Astrid Malle mit Jahresende in Pension geht, läuft aktuell die Suche nach einem Nachfolger. Und ja: Nachfolger ist in diesem Fall bewusst nicht gegendert – Männer werden bevorzugt.
So steht es in der Stellenausschreibung. Nach dem neutral formulierten Ausschreibungstext folgt der Hinweis, dass Bewerbungen von Männern besonders erwünscht seien, weil „im gegenständlichen Bereich kein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen vorliegt“. Mehr noch: Erreichen eine Bewerberin und ein Bewerber im Objektivierungsverfahren dieselbe Punktezahl, bekommt der Mann den Job. Das bestätigt die Personalabteilung der Stadt auf Anfrage.

Ein Mann für das Frauenbüro?
Grundlage dafür ist das Kärntner Gleichbehandlungsgesetz. Es sieht vor, dass Gemeinden bei gleicher Qualifikation das unterrepräsentierte Geschlecht bevorzugt berücksichtigen müssen. Im Frauenbüro arbeiten derzeit inklusive der Leiterin drei Frauen. Maßgeblich ist laut der zuständigen Referentin Constance Mochar (SPÖ) allerdings nicht das Frauenbüro selbst, sondern die übergeordnete Magistratsdirektion. Sie räumt ein, dass die Optik suboptimal ist. „Formalrechtlich muss die Personalabteilung aber so handeln“, sagt sie. Persönlich halte sie es dennoch für sinnvoll, wenn die Servicestelle weiterhin von einer Frau geleitet werde. „Meine subjektive Meinung ist, dass sich viele Anliegen von Frau zu Frau einfacher besprechen lassen.“
Ganz so eindeutig ist die Rechtslage allerdings nicht. Laut Susanne Ebner, Leiterin der Gleichbehandlungsstelle des Landes, lässt das Gesetz Ausnahmen zu. „In sogenannten Tendenzbetrieben können bei Vorliegen einer sachlichen Rechtfertigung bestimmte Personengruppen bevorzugt berücksichtigt werden. Typische Beispiele sind Frauenhäuser. Nach meiner Einschätzung könnte eine solche Konstellation auch im gegenständlichen Fall vorliegen“, sagt sie. Die abschließende Beurteilung obliege dem Magistrat. Im Landesdienst gibt es solche Vorgaben übrigens nicht. Zwar wird im Bewerbungsverfahren auf das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht hingewiesen, Rechtsfolgen ergeben sich daraus aber keine.
Gläserne Decke im Rathaus
Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die Verteilung der Führungspositionen im Rathaus. Zwar betont die Personalabteilung, dass Frauen und Männer unter den Führungskräften insgesamt annähernd gleich stark vertreten seien. Aber: Von den 25 auf der Homepage der Stadt angeführten Abteilungen werden nur vier von Frauen geführt.
Derzeit ist die Leitung des Frauenbüros nur intern ausgeschrieben. Erst wenn sich innerhalb des Magistrats keine geeignete Person findet, soll die Stelle extern besetzt werden.
Laut dem jüngsten statistischen Jahrbuch beschäftigt der Magistrat 1618 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Frauenanteil liegt bei 48 Prozent. Je nach Bereich unterscheiden sich die Zahlen deutlich: Während im Bildungsbereich Frauen rund 91 Prozent der Beschäftigten stellen, sind es in der Entsorgung lediglich drei Prozent.
