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„Bitteres Fest“: Der Komplex des Künstlers

Pedro Almodóvar setzt sich nach „Leid und Herrlichkeit“ (2019) in „Bitteres Fest“ erneut mit der eigenen Persona auseinander.

Lenardo Sbaraglia als Raúl/Almodóvar
© Iglesias Mas
Lenardo Sbaraglia als Raúl/Almodóvar
Susanne Gottlieb

Irgendwann hat ein Regisseur nichts mehr zu sagen und wiederholt sich nur. Das ist die bittere Erkenntnis von Elsa (Bárbara Lennie). Die Filmemacherin möchte gerne wieder drehen, wird aber von Panikattacken und dem Tod der Mutter geplagt. Ein subtiler Kommentar von Altmeister Pedro Almodóvar über sein eigenes Schaffen? Nun ja, es kommt noch komplizierter. Denn Elsa ist ebenfalls nur eine fiktive Figur des Regisseurs Raúl (Leonardo Sbaraglia), der unbedingt einen neuen Film drehen möchte. Für sein Skript beutet er unbarmherzig sein Umfeld aus. Seine ehemalige Assistentin Mónica (Aitana Sánchez-Gijón), deren am Tod ihres Sohnes verzweifelnde Freundin, sowie seinen ehemaligen Liebhaber Santi (Quim Gutiérrez).

Ist Raúl also eine Version von Almodóvar? Vermutlich. Aber während Raúl sich mehrmals anhören muss, dass er seine eigene Geschichte und die der anderen nur verwurschtelt, gelingt Almodóvar eine klug beobachtete Reflexion über das Leben. Den Komplex, den man im Namen der Kunst entwickelt, sowie die Tatsache, dass die Liebe zum Film nicht alles retten kann. Dass Kreativität und Inspiration ihre Grenzen haben, vor allem wenn sie nur der Verdrängung von Trauer dienen.