Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Traum gefunden: Sechzigtausend Fische im Mürztal statt Bürojob

Martin und Elke Traxler feiern das zehnjährige Bestehen ihrer Saiblingzucht in Langenwang. Wie sie es geschafft haben, ihren Traum mit dem Fisch zu leben.

Seit 2016 betreiben Elke und Martin Traxler eine Saiblingzucht
© KLZ/Eva Pretterhofer
Seit 2016 betreiben Elke und Martin Traxler eine Saiblingzucht
Eva Pretterhofer

Die Hitzerekorde dieses Jahres setzen vielen Landwirtinnen und Landwirten zu. Die Saiblingzucht von Martin Traxler im Pretulgraben blieb bislang jedoch weitgehend verschont. Die Anlage liegt tief im Wald am Pretulbach, wo das Wasser konstant zwölf bis 13 Grad erreicht. Erst ab 16 Grad würden sich die Saiblinge unwohl fühlen.

Eine größere Gefahr als die Hitze sind Extremwetter und starke Gewitter. Rund 20 Liter Wasser pro Sekunde fließen aus dem Pretulbach in die Teiche, wodurch das Wasser dreimal täglich vollständig ausgetauscht wird. Bei heftigen Unwettern tritt der Bach jedoch über die Ufer, verstopft die Gitter und unterbricht die Wasserzufuhr. „Nach acht bis zehn Stunden ohne Sauerstoff wären alle Fische tot. Deshalb muss immer jemand da sein, um die Gitter zu reinigen“, erklärt Martin Traxler.

Die Suche nach Freiheit

Ihr Leben in Pretul begann dabei bereits vor 25 Jahren, als das Paar einen Ausgleich zum Wiener Stadtleben suchte. „Der Wunsch war da, nicht abhängig zu sein“, so Traxler. Vor zehn Jahren wagten sie schließlich den nächsten Schritt, kündigten ihre Jobs – Martin Traxler war Jurist und Elke Traxler führte eine eigene Physiotherapiepraxis – und zogen fix ins Mürztal.

Aber nicht allein: Bachsaiblinge, Schafe und Bienen gehören seither zu ihren Schützlingen. „Anfangs wurden wir als völlig verrückt erklärt, weil wir ins hinterste Eck ziehen und von Fischen leben wollten“, erzählt Traxler und ergänzt: „Wir fahren nur noch selten nach Wien, weil die Familie so gern herkommt.“

Sobald Martin Traxler die Fische füttert, springen sie an die Wasseroberfläche
© KLZ/Eva Pretterhofer
Sobald Martin Traxler die Fische füttert, springen sie an die Wasseroberfläche

Auch eine Weinbergschneckenzucht versuchten die Traxlers, bis die Tiere eines Nachts spurlos verschwanden. Bekannt wurden sie vor allem durch ihr Hofrestaurant, das in den acht Betriebsjahren immer vollständig ausreserviert war; irgendwann wurde die Arbeit einfach zu viel. Schließlich müssen rund 60.000 Saiblinge versorgt werden, die etwa drei Jahre bis zur Vermarktung benötigen.

Die Traxlers verarbeiten so viel wie möglich selbst: Fischprodukte von der Leberpastete bis zu den Chips
© KLZ/Eva Pretterhofer
Die Traxlers verarbeiten so viel wie möglich selbst: Fischprodukte von der Leberpastete bis zu den Chips

Den Traxlers ist vor allem die regionale Herkunft wichtig: „Wir möchten sinnlose Transportwege vermeiden.“ Deshalb gibt es ihre Produkte hauptsächlich nur ab Hof, in regionalen Bauernläden und ausgewählten Restaurants. Das Sortiment reicht von Räucherfisch über Leberpastete bis zu Fischverhackertem. Für neue Ideen sorgt Elke Traxler. Ihre jüngste Kreation sind Fischchips: Flossen und Gräten, die sonst als Abfall anfallen würden, werden zu knusprigen Snacks verarbeitet.

Genüsslich feiern

Ganz im Sinne der Regionalität laden die Traxlers am Samstag zu ihrem Genussfest ein, bei dem auch das runde Betriebsjubiläum gefeiert werden soll. Ab 15 Uhr gibt es musikalische Unterhaltung vom Duo Ernst & Renate Milchrahm sowie vom Mißebner Trio, das bereits bei der Eröffnung vor zehn Jahren auf dem Steg aufspielte. Regionale Künstlerinnen und Künstler geben außerdem Einblicke in ihr Handwerk und natürlich gibt es auch etwas für den Gaumengenuss: Fischburger und regionale Schmankerln. Auch gebackene Mäuse wird es geben – die Süßspeise, keine echten.

Hier geht es nicht um den Fisch, aber um die Wurst