Ein Schlussstrich unter 92 Jahren Firmengeschichte in Klagenfurt
Viele Jahre prägt das Familienunternehmen Sintschnig die heimische Automobilbranche. Jetzt aber gibt Benjamin Sintschnig das Aus für sein Autohaus bekannt.

Drei Jahre lang spielte Benjamin Sintschnig mit dem Gedanken, jetzt hat der Unternehmer den Entschluss gefasst: Er setzt unter die 92-jährige Ära seines Familienunternehmens einen Schlussstrich, im Herbst schließt die „Autowelt Sintschnig“ mit Sitz am Rudolfsbahngürtel in der Kärntner Landeshauptstadt. „Wann genau wissen wir nicht“, erklärt Sintschnig im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.
Es sind mehrere Gründe, die ihn zu dieser Entscheidung bewegten – in erster Linie aber wirtschaftliche. Die Automobilbranche stehe allgemein massiv unter Druck. „Wir haben in den letzten Jahren kaum etwas verdient“, verrät Sintschnig, der im Jahr 2014 die Agenden des Familienbetriebes von seinem Vater Josef übernommen hat. Zudem würden viele langdienende, erfahrene Mitarbeiter in Kürze in den Ruhestand gehen, Mitarbeiter wie diese seien am Arbeitsmarkt rar gesät. Und zu guter Letzt: „Ford produziert kaum mehr Modelle, das macht uns das Leben am Markt schwer“, nennt Sintschnig einen weiteren Grund. Ein Wechsel zu einer anderen Marke kommt allerdings nicht in Frage – seit 62 Jahren sind das Familienunternehmen und die amerikanische Automarke geschäftlich miteinander verbunden, 2016 wurde das Autohaus zu Kärntens ersten Ford-Store.
Areal wird verpachtet
Die 20 Mitarbeiter, die aktuell noch beschäftigt sind, gehen eben zum Teil in Pension. „Einst hatten wir 70 Beschäftigte“, erinnert sich Benjamin Sintschnig an bessere Zeiten. „Wir waren aber in all den Jahren nie ein Fall für das Konkursgericht – weder mit einem Konkurs, noch mit einem Ausgleich.“ Das über 2000 Quadratmeter große Areal in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs wird verpachtet. Mit einem Interessenten sei man schon in Verhandlungen.
Das Familienunternehmen selbst blickt, wie gesagt, auf eine über 90-jährige Geschichte zurück. 1934 gründete Josef Sintschnig sen. einen Lebensmittelhandel 13 Jahre später wurde der Betrieb um eine Spedition und einen Zustelldienst mit betriebseigener Werkstätte für Lkw und Pkw erweitert. In den Autohandel stiegen die Sintschnigs mit den Marken „Standard-Triumph“, Morris, MG und Jaguar an. Im Jahr 1964 wurde Sintschnig Ford-Haupthändler und baute das Autohaus um eine Kfz-Werkstätte und ein Ersatzteillager aus. Nur ein Jahr später gab man die anderen Automarken auf und etablierte sich zum Exklusivhändler von englischen Ford-Modellen. Jene Filialen in Villach und in der Pischeldorfer Straße (Gebrauchtwagenhandel) sind bereits seit Jahren geschlossen.