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Israels Soldaten nahmen Palästinenser im Westjordanland fest

Nach einer tödlichen Auseinandersetzung im Westjordanland haben israelische Soldaten am Samstag Dutzende Palästinenser festgenommen. Bei einer Schießerei am Vortag waren mindestens vier Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden. Die Palästinenserbehörde im Westjordanland erklärte, die Schießerei sei von bewaffneten israelischen Siedlern provoziert worden, die das palästinensische Dorf Tal angreifen wollten.

Israelische Soldaten gehen gegen Palästinenser vor
© APA/AFP
Israelische Soldaten gehen gegen Palästinenser vor

Das israelische Militär bezeichnete die beteiligten israelischen Zivilisten zunächst als Wanderer, räumte später jedoch ein, dass einige von ihnen bewaffnet waren. Beide Seiten hätten das Feuer eröffnet, bevor die Soldaten eingegriffen hätten. Der Bürgermeister von Tal, Walid Sidan, sagte Reuters, etwa 70 Menschen aus dem Dorf seien festgenommen worden. "Die Hausdurchsuchungen gehen weiter, Armeepatrouillen fahren durch die Straßen."

Ärzte ohne Grenzen kritisierte unterdessen das Vorgehen der israelischen Soldaten bei den blutigen Zusammenstößen mit Palästinensern am Freitag. Bewaffnete Soldaten hätten nach der Schießerei in Tal das Nablus Specialised Hospital gestürmt, so Ärzte ohne Grenzen in einer Aussendung am Samstag. Die gewaltsamen Vorfälle in Nablus stünden nicht für sich allein: "Sie sind Teil eines umfassenderen Musters israelischer Razzien, staatlich geförderter Siedlergewalt, der Unterbrechung lebenswichtiger Dienstleistungen und wachsenden Drucks auf die Zivilbevölkerung und das Gesundheitswesen."

Wenn bewaffnete Kräfte ein Krankenhaus betreten, seien die Auswirkungen unmittelbar spürbar: "Angst, Unterbrechung der medizinischen Versorgung, verzögerte Behandlung und ein zusätzliches Risiko für ohnehin schon gefährdete Patienten und Patientinnen". Der Schutz medizinischer Einrichtungen müsse respektiert werden. Sie müssten für Menschen in Not zugänglich bleiben, fordert Ärzte ohne Grenzen: "Es ist inakzeptabel, dass Krankenhäuser, Krankenwagen, Personal sowie Patienten und Patientinnen in Palästina Ziel von Gewalt werden."

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte indes als Reaktion auf die Vorfälle im Westjordanland ein "scharfes Vorgehen" an. Dazu zähle die Zerstörung des Hauses der Familie eines der beteiligten Palästinenser. Zudem wolle er die Genehmigung für den Bau weiterer israelischer Siedlungen in dem Gebiet beschleunigen.

Der israelische Armeechef Ejal Samir sagte, der Einsatz diene dazu, "Terrorismus zu vereiteln, die Sicherheit israelischer Zivilisten zu gewährleisten und eine weitere Eskalation zu verhindern". Bürgermeister Sidan erklärte hingegen, die Siedler hätten das Dorf gezielt schikaniert. "Die Siedler folgten keiner Route oder einem Pfad, wie sie behaupten. Sie beabsichtigten, die Häuser anzugreifen", sagte er. "Die Leute haben nicht die Konfrontation mit ihnen gesucht; sie haben lediglich ihre Häuser verteidigt, nicht mehr und nicht weniger."

Der Vorfall ereignete sich in der sogenannten Zone A des Westjordanlandes, in der die Palästinenserbehörde die Verwaltungskontrolle hat und israelischen Zivilisten der Zutritt nach israelischem Recht untersagt ist. Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg von 1967 besetzt. Hunderttausende israelische Siedler leben dort unter Millionen Palästinensern. Nahezu alle Länder und UNO-Gremien betrachten die Siedlungen jedoch als völkerrechtswidrig. Israel bestreitet dies und verweist auf biblische und historische Verbindungen zu dem Land. In den vergangenen Monaten hat die Zahl der Angriffe radikaler israelischer Siedler auf palästinensische Dörfer stark zugenommen. Zahlreiche Menschen wurden dabei getötet.