Sesselrücken im Grazer Rathaus: Wo die FPÖ ihre Büros bekommt
Nach der Wahl ist traditionell vor dem Siedeln. Dieses Mal braucht es aber nur wenig Siedelkartons, lediglich die FPÖ bekommt neue Räume – auf Kosten der SPÖ, die gar kein Büro im Rathaus mehr hat.

Was war das für eine Aufregung im Herbst 2021! Nachdem das Wahlergebnis die bis dahin gültige politische Ordnung auf den Kopf gestellt hatte, entbrannten heftige Diskussionen darüber, welche Partei und welche Stadträte welche Büros im Rathaus bekommen. Die ÖVP schmollte, weil sie nach der Wahlniederlage nicht nur das Bürgermeisteramt, sondern auch großteils den Platz an der Sonne im repräsentativen Teil im dritten Stock räumen musste.
Die KPÖ hingegen kam mit ihrem Klub aus dem versteckten Hinterhof heraus und versammelte sich gemeinsam mit ihren Stadtratsbüros geballt im zweiten Stock. Der grüne Klub und Judith Schwentner mit den Großressorts kamen in den dritten Stock, die ÖVP rund um Kurt Hohensinner wanderte in den ersten Stock. Einzig Claudia Unger hält im Eckbüro im dritten Stock die Stellung. Kurz: Das ganze Rathaus war in Bewegung.
SPÖ verliert auch ihr letztes Büro im Grazer Rathaus
Und diesmal? Gibt es kein großes Sesselrücken, weil das 2026er-Ergebnis im Wesentlichen jenes von 2021 bestätigt hat. Die großen Umwälzungen sind ausgeblieben, auch die Stadträtinnen und Stadträte bleiben mit einer Ausnahme dieselben. Gesiedelt wird trotzdem, wenngleich in ungleich kleinerem Maßstab. Betroffen sind vor allem die FPÖ und die SPÖ.
„Wir räumen gerade aus“, seufzt Daniela Schlüsselberger, Noch-Klubchefin der SPÖ. Denn mit nur mehr 5,6 Prozent verliert man nicht nur den Klubstatus, sondern auch die Büros im Rathaus. Ein handfestes Symbol für den beispiellosen Niedergang der einstigen Bürgermeisterpartei. Künftig hat die SPÖ also keine Infrastruktur mehr im Rathaus, gleich wie die Neos. Politisch wird noch nach einer Möglichkeit für einen Co-Working-Space gesucht, damit hätten die beiden zumindest an Tagen der Gemeinderatssitzung einen Raum mit Drucker zur Verfügung.
FPÖ-Stadtrat siedelt in altes SPÖ-Büro
Die alten SPÖ-Klubräume im dritten Stock, zur Schmiedgasse hin, übernimmt die FPÖ. Ihr Stadtrat René Apfelknab soll dort mit seinen Büromitarbeitern einziehen. Der neue blaue Klub bleibt im Hinterhof, dort, wo bislang die FPÖ-Abspaltung KFG gesessen ist. Die Freiheitlichen hatten sich ja 2022 nach internen Streitereien rund um den FPÖ-Finanzskandal selbst zerlegt und gespalten. Insofern kommt das jetzt einem Wiedereinzug der FPÖ gleich, die zuletzt ja – zusätzlich geschwächt durch Parteiausschlüsse – nur mehr mit einem einzigen Gemeinderat politisch vertreten war.
Der große Rest wird dort bleiben, wo er ist. Elke Kahr bleibt im Bürgermeisterinnenamt und nachdem die Weichen für die Portugal-Koalition Dunkelrot-Grün schon gestellt sind, bleibt auch Judith Schwentner Vizebürgermeisterin – und im dritten Stock. Auch der KPÖ-Klub bleibt, obwohl „das Sitzungszimmer für den neuen Klub eigentlich zu klein ist“, wie Klubdirektor Hanno Wisiak sagt. Die Kommunisten haben ja von 15 auch 18 Mandate zugelegt. Man will aber nicht siedeln, sondern die großen Klubsitzungen vor Gemeinderatssitzungen im Baumkircherzimmer abhalten.