Aflenzer Hausärztin (69) macht weiter, bis sie eine Nachfolge findet
Ursula Parsché ist seit 35 Jahren als Hausärztin in Aflenz tätig. Weil sie keinen Nachfolger findet, macht die 69-Jährige weiter und brennt weiterhin für ihren Beruf.

„Vom Zehennagel bis zum Furunkel am Kopf behandle ich alles“, erzählt Ursula Parsché. Sie ist seit 1991 als Hausärztin in Aflenz tätig und betreut dort zahlreiche Patientinnen und Patienten „vom Säugling bis zum Greis“. Eigentlich könnte sie sich mit ihrem Alter von 69 Jahren schon längst in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Tun wird sie das vorerst aber noch nicht.
„Ich mache es so lange weiter, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger kommt, weil ich meine Patienten versorgt sehen will“, sagt sie. Ihre Stelle sei derzeit bei der Ärztekammer als Nachfolgepraxis ausgeschrieben, womit eine Übergangszeit von einem halben Jahr besteht, in der Parsché und ihre Nachfolge gemeinsam ordinieren würden. Bewerber gibt es derzeit aber noch keine.
„Ich bin Gott sei Dank gesund und mache so lange weiter wie ich kann“, gibt sich Parsché kämpferisch. Sorgen bereite ihr aktuell eher der Personalstand bei den Ordinationsassistenzen, wo ein pensionsbedingter Abgang bevorstünde. „Ohne Personal und Nachfolger wäre ich doch gezwungen zuzumachen. In der Folge würde dann die Apotheke im Ort vermutlich auch schließen“, warnt sie. Für Aflenz wäre das nach der Bürgeralm und dem Wirbel rund um das Reha-Zentrum wohl der nächste harte Schlag.
Schon Puppen am Blinddarm operiert
Dementsprechend kräftig rührt Parsché die Werbetrommel für ihre Stelle: „Es ist eine wunderschöne Gegend. Gerade für eine Ärztin mit Kindern wäre es ein idealer Ort, um sich niederzulassen.“ Das habe auch sie selbst bei ihrer Ankunft im Luftkurort so erlebt. „Ich kam damals aus der Großstadt mit zwei Kindern hierher und habe nach Übernahme der Praxis noch zwei bekommen. Sie hatten aber nie das Gefühl, dass ich nicht für sie da bin und es wurden ihnen dadurch keine Steine in den Weg gelegt.“
Auch ihre Patientinnen und Patienten können sich seit mittlerweile 35 Jahren auf Parschés Hilfe verlassen. Den Weg zur Medizin fand die 69-Jährige dabei schon früh. „Mit vier Jahren habe ich schon meine Puppen am Blinddarm operiert. Zwar auf der falschen Seite, aber das hab ich erst später erfahren”, lacht sie und erzählt: „Eigentlich war ich schon immer neugierig, wie der Mensch eigentlich funktioniert.“
Nach dem Turnus eröffnete sie ihre erste Ordination in Guntramsdorf, ehe sie durch Zufall bei einer Konferenz ihren späteren Ehemann kennenlernte. „Dann bin ich zwei Jahre hin und her gependelt, bevor ich nach Aflenz kam, wo ein junger Hausarzt aufhören wollte“, erinnert sich Parsché. Als damals einzige Bewerberin habe sie dessen Stelle glücklicherweise ergattert.
Nähe zu Patienten als Plus
Trotz der langjährigen Tätigkeit geht sie ihrem Beruf weiterhin mit großer Leidenschaft nach. „Als praktischer Arzt hat man ein wenig das Image, das man auf der untersten Stufe steht. Wer seinen Job aber ernst nimmt und ehrgeizig ist, kann vieles bewegen“, meint die 69-Jährige. In der Nähe zu den Patientinnen und Patienten sieht sie ebenfalls einen großen Vorteil: „Ich weiß, warum eine Frau jetzt Kreuzweh hat, weil ich weiß, dass sie ihre Schwiegermutter pflegt. Diese Zusammenhänge helfen in der Behandlung enorm.“