Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Gröbminger Gemüseanbauer: „Man fragt sich manchmal, ob man verrückt ist“

Anna Lindtner und Lukas Zefferer bauen in Handarbeit auf 1000 Quadratmetern 40 Gemüsekulturen an. Unter dem Namen „Vom Föd“ wird die Bio-Ernte ab Hof verkauft.

Anna Lindtner und Lukas Zefferer (beide 31 Jahre alt) haben sich dem Gemüseanbau verschrieben
© KLZ / Dorit Burgsteiner
Anna Lindtner und Lukas Zefferer (beide 31 Jahre alt) haben sich dem Gemüseanbau verschrieben
Dorit Burgsteiner
Redakteurin Regionalredaktion Liezen

Wer bei Anna Lindtner und Lukas Zefferer in Gröbming vorbeischaut, kann einiges lernen. Dass es violetten Kohlrabi gibt etwa oder dass Karfiol nicht nur weiß ist, sondern auch gelb sein kann. In das Thema Gemüse sind sie in den vergangenen Jahren nämlich tief eingetaucht, immerhin keimte die Idee nach einem eigenen Anbau schon länger in den Köpfen der beiden. Heuer wurde sie umgesetzt.

Und so ziehen sie auf einem 1000 Quadratmeter großen Feld im Stil einer Marktgärtnerei und unter dem Namen „Vom Föd“ 40 Gemüsekulturen. Eingangs Erwähntes ist ebenso dabei wie Mangold, Rüben, Salate, Kräuter oder Karotten. 40 Beete sind unter freiem Himmel angelegt, vier im Folientunnel. Hier findet das etwas Feinfühligere Raum zum Wachsen: Melanzani, Basilikum oder Melonen.

1 / 8
Der Folientunnel beherbergt die Sorten, die nicht ganz so wetterfest sind
Der Folientunnel beherbergt die Sorten, die nicht ganz so wetterfest sind © KLZ / Dorit Burgsteiner

Idee kam zur Coronazeit

Wie ist die Idee dazu entstanden? Zu Coronazeiten war es, als sich Lindtner viel mit Ernährung beschäftigt hat, sagt sie. „Da ist es auch um Lebensmittelherstellung gegangen. Schockierend, wie das teils funktioniert.“

Auf Social Media entdeckte sie dann das System der Marktgärtnerei. Dabei wird versucht, auf wenig Raum viel anzubauen. „Ich habe mir gedacht, es wäre cool, das auszuprobieren.“ Als ihr Lebensgefährte Lukas und sie von Graz nach Gröbming gezogen sind, haben sie dafür beste Voraussetzungen vorgefunden. „Meine Eltern haben neben ihrem Haus eine Wiese. Da haben wir gesagt, wir schauen, ob hier der Gemüseanbau funktioniert.“

1 / 4
Anna Lindtner bei der Mangold-Ernte
Anna Lindtner bei der Mangold-Ernte © KLZ / Dorit Burgsteiner

Die Eltern von Lukas wiederum waren es, die das Paar darauf aufmerksam gemacht haben, dass das Regionalmanagement Liezen regionalen Gemüseanbau fördert. „Wir haben uns angemeldet und einen Onlinekurs gemacht, wie man eine Marktgärtnerei aufbaut“, erzählt Lindtner. Bei Exkursionen hat das Paar Gleichgesinnte kennengelernt, „mit denen wir uns oft austauschen“.

Alles in Handarbeit

Die Arbeit ist umfangreich, es wird alles per Hand gemacht. „Wir haben keine schweren Maschinen und keine Pestizide im Einsatz. Alles, was wir haben, ist eine Radharke“, die beim Kampf gegen das Unkraut zum Einsatz kommt. Um alles zu stemmen, hat Lindtner ihren Job in einem Architekturbüro aufgegeben. Zefferer ist Jurist, hilft in seiner Freizeit mit. „Man fragt sich manchmal schon, ob man verrückt ist“, sagt er. „Aber es ist eine schöne Arbeit.“

Keine schweren Maschinen, dafür aber eine Räderharke als Hilfsmittel
© KLZ / Dorit Burgsteiner
Keine schweren Maschinen, dafür aber eine Räderharke als Hilfsmittel

Wie waren die Reaktionen auf die Ankündigung, eine Marktgärtnerei machen zu wollen? „Anfangs sind wir schon belächelt worden, aber dass wir komplett wahnsinnig sind, hat keiner gesagt“, erklärt Zefferer schmunzelnd.

1 / 2
Unter dieser Abdeckung verbergen sich fertige Beete ...
Unter dieser Abdeckung verbergen sich fertige Beete ... © KLZ / Dorit Burgsteiner

Eine Pause, die keine ist

Bis Ende Oktober wird das Feld bestellt, dann geht es in die Winterpause. Wobei auch die intensiv wird, und zwar, was die Anbauplanung fürs kommende Jahr angeht. Sie ist fordernd, denn „unser Ziel ist, jede Woche mindestens sechs verschiedene Sachen gleichzeitig anzubieten“, erklärt Lindtner. Die Ernte wird nämlich bei einem Ab-Hof-Verkauf an die Abnehmer gebracht.

Den gibt‘s jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr beim Feld am Kulmweg. „Er kommt richtig gut an“, freut sich Lindtner. Ist deshalb eine Vergrößerung angedacht? „Wir schauen, wie es heuer läuft. Und dann schauen wir weiter“, sagt das Paar.

Mehr aus der regionalen Wirtschaft