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Wie ein Erdbeben von Afrika bis auf den Semmering wanderte

Ein Beben erschütterte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag das Grenzgebiet zwischen der Steiermark und Niederösterreich. Wieso das gar nicht selten passiert.

Die Karte zeigt das Epizentrum des Bebens in der Nähe von Gloggnitz
© Emsc
Die Karte zeigt das Epizentrum des Bebens in der Nähe von Gloggnitz
Michael Suntinger
Bundesland Steiermark | Graz

Plötzlich wackeln Wände. Ein Erdbeben riss viele Steirerinnen und Steirer mitten gegen 02.00 Uhr aus dem Schlaf. Es dauert einige Sekunden bis Minuten, dann kehrte wieder Ruhe ein. Obwohl viele Menschen Erdbeben mit exotischen Regionen, etwa im Osten Asiens, verbinden, sind sie am Semmering vergleichsweise häufig – nicht nur in dieser Nacht auf Freitag. Das liegt an einem ganz besonderen tektonischen Phänomen.

Von der Straße von Gibraltar bis zur Straße von Messina und weiter ostwärts verläuft die Grenze zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte. Wenn die eine gen Norden auf die andere drückt, entlädt sich tausende Kilometer weiter nördlich am Semmering Spannung. So wie jetzt. Dieses Mal entlud sich ein Beben der Stärke 4,4 auf der Richterskala in der Nähe von Gloggnitz. Die Herdtiefe betrug nur fünf Kilometer. Das Ereignis fand damit relativ nah an der Oberfläche statt.

Schuld ist eine Störungslinie

„Die meiste Spannung entlädt sich in Friaul“, erklärt Seismologe Helmut Hausmann von der GeoSphere Austria. Diese wandert dann entlang von Störungslinien weiter. Eine Störungslinie ist eine geologische Störung, bei der Gesteinsschichten durch tektonische Kräfte wie Druck oder Zug gebrochen und gegeneinander verschoben wurden.

Eine solche Linie ist die sogenannte Mur-Mürz-Störung, wie Hausmann erklärt. Das Phänomen ist für zahlreiche tektonische Veränderungen in der Region zuständig. So gehen etwa auch das Fohnsdorfer oder das Wiener Becken auf das Konto der Mur-Mürz-Furche.

Seltenes Ereignis

Erdbeben der Stärke vier kommen in Österreich im Schnitt einmal pro Jahr vor. Das Beben in der vergangenen Nacht hatte eine Stärke von 4,4 auf der Richterskala. Das klingt vielleicht nicht viel mehr, ist aber deutlich stärker. „Die Skala ist nicht linear, sondern logarithmisch", erklärt Hausmann. „Zwischen vier und fünf verdreißigfacht sich die Stärke der Ereignisse“, so der Seismologe. Ein Beben wie das gestrige ereignet sich in Österreich nur etwa alle vier bis fünf Jahre.

Eine Vorhersage von Erdbebengeschehen ist derzeit noch nicht möglich. In Ländern mit hoher Gefahr, wie etwa Japan, gibt es Frühwarnsysteme. Die erkennen Bewegungen früh genug, um gegebenenfalls die Bevölkerung zu warnen. Eine längerfristige Vorhersage ist jedoch nicht möglich, weil man dazu zu viele Variablen nicht messen kann, erklärt Hausmann.

Was man tun kann

Wer in ein Erdbeben gerät, soll in Österreich in Gebäuden bleiben. Im Freien droht größere Gefahr, etwa durch Fragmente, die sich bei starken Beben von Fassaden lösen können. Im Inneren kann man Schutz vor etwaigen herabfallenden Objekten unter Tischen suchen. Das Bundesministerium für Inneres gibt einen Ratgeber für das richtige Verhalten im Ernstfall heraus.

Eine Kartre zeigt in unterschiedlichen Farben die Erdbebengefahr in Österreich. Die Murz-Mürz-Furche hebt sich ab. Auch Gebiete in Tirol und Vorarlberg sind besonders dunkel.
© GeoSphere Austria/Apoloner
Das betroffene Gebiet hebt sich auch auf der Karte ab

Wer in einem risikoreichen Gebiet wohnt, sollte außerdem erdbebensicher bauen. Die GeoSphere gibt zu diesem Zwecke eine Gefährdungskarte heraus. Bemerkenswert: Die Mur-Mürz-Furche und das betroffene Gebiet zeichnen sich auf der Karte deutlich ab.

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