Nach dem sprunghaften Anstieg der Ölpreise infolge der erneuten Eskalation des Iran-Krieges liegt der Preis für Rohöl der Referenzsorte Brent auch Freitagfrüh über der Marke von 100 US-Dollar. Zuletzt musste für Öl aus der Nordsee 100,33 Dollar (88,07 Euro) je Barrel (159 Liter) gezahlt werden, was etwas weniger ist als am Vortag. Auch in Österreich sind die Spritpreise aufgrund der Entwicklungen in Nahost zuletzt wieder in die Höhe geschnellt.
Am Donnerstag kostete Diesel im österreichweiten Median 2,038 Euro je Liter und Benzin 1,881 Euro, geht aus Daten der E-Control hervor. Am Vortag lag der Preis für Diesel noch bei 2,008 Euro und für Benzin bei 1,878 Euro. Eine Ausweitung der Spritpreisbremse wird nun politisch wieder debattiert. Laut Medienberichten gibt es erste Verhandlungen dazu in der Regierung.
Felbermayr kann sich „Mineralölsteuersenkung“ vorstellen
Die im April eingeführte 10-Cent-Spritpreisbremse, die aus Mineralölsteuersenkung und Margenbegrenzung bestand, wurde in den Folgemonaten immer weiter abgespeckt. Nach Ansicht von Wifo-Chef Gabriel Felbermayr könnte angesichts der jüngsten Preissteigerungen wieder etwas über die Mineralölsteuersenkung „zurückgegeben“ werden, von einer Margenbegrenzung rät der Ökonom jedoch ab. Diese sei „höchst komplex und in ihrer Wirkung fragwürdig“, sagte Felbermayr am Freitag im Ö1-Morgenjournal.
„Jeder Preiseingriff hat den Nachteil, dass die notwendigen Sparanreize gemildert werden“, erklärt der Wifo-Chef weiter. Am Ende sei den Ölscheichs und Raffinerien geholfen, aber den Verbrauchern nicht. Allerdings herrsche in Österreich eine „andere Logik“ als in vielen anderen Ländern der Welt, weil wir „Indexierungsweltmeister sind“, so Felbermayr. In kaum einem anderen Land werden so viele Preise an die Inflation gekoppelt, daher könnte man schon etwas „über die Mineralölsteuer zurückgeben“, aber nicht über die Margenbegrenzung.
Neue Eskalation im Iran-Krieg
In der Woche vor Beginn des Iran-Kriegs im Februar kostete Benzin im österreichweiten Median 1,52 Euro pro Liter und Diesel 1,57 Euro. Der Medianwert ist jener Preis, der genau in der Mitte aller eingegangenen Preismeldungen liegt. Am Höhepunkt der Preisrallye Ende März lag der bundesweite Median für Benzin bei rund 1,9 Euro und für Diesel bei rund 2,2 Euro.
Der zwischenzeitlich von den Konfliktparteien zurückgefahrene Iran-Krieg war Anfang des Monats aufs Neue eskaliert, nachdem Irans Streitkräfte Handelsschiffe in der Straße von Hormuz beschossen hatten. Die USA schlugen inzwischen die 13. Nacht in Folge mit Angriffen zurück. Seither hat der Brent-Preis um mehr als 40 Prozent zugelegt, nachdem er wegen einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran zwischenzeitlich von seinem Jahreshoch von fast 130 Dollar bis auf rund 70 Dollar zurückgefallen war.
Eskalierender Zollstreit
Weniger Alarmismus sieht der Wifo-Chef rund um die jüngste Zollmaßnahme von US-Präsident Donald Trump: Das Ergebnis falle für Europa zumindest „ein bisschen besser aus als befürchtet“. Es könnte sogar sein, dass die „insgesamte Zollbelastung“ für Europa etwas kleiner werde, weil keine Zusatzzölle zu den normalen, lange schon vereinbarten Zöllen hinzugeschlagen werden und der Satz somit bei 12 oder 12,5 und nicht bei 15 Prozent liegt, sagte Felbermayr am Freitag im Ö1-Morgenjournal. „Es sieht so aus, als kämen wir glimpflich davon“, fügte er hinzu.
„Blockade“ im Roten Meer treibt Preis
Der jüngste Preissprung von rund 12 Dollar in der laufenden Woche wurde auch vom Eingreifen der mit dem Iran verbündeten Houthi-Miliz aus dem Jemen ausgelöst. Die hatte Angriffe auf zwei saudische Öltanker für sich reklamiert, die eine von ihr ausgerufene „Blockade“ im Roten Meer missachtet hätten. Damit ist eine weitere kritische Front entstanden. Denn: Das Rote Meer ist für Saudi-Arabien eine wichtige alternative Exportroute, auf die zumindest ein Teil des Ölverkehrs umgeleitet werden konnte, der sonst durch die Straße von Hormuz geführt hätte.
Sollte der Verkehr im Roten Meer minimal werden, wäre mit einem Ölpreis von 120 Dollar zu rechnen, sagte Jay Hatfield, Geschäftsführer vom Investmenthaus Infrastructure Capital Management, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wenn kein Transport stattfindet, muss man sparsam mit dem Öl umgehen. Und Sparsamkeit erreicht man durch höhere Preise.“
In den Fokus rückt zudem Kasachstan. Das ölreiche zentralasiatische Land hatte am Vortag nach massenhaften ukrainischen Drohnenschlägen in Russland eine Drosselung seiner Fördermengen bekanntgegeben. Die Verladestelle für das über die Kaspische Pipeline transportierte Öl war zuletzt wiederholt das Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.