Astra-Gewinnerin Anne-Sophie Meincke will künftig in Kärnten forschen
Für ihr Forschungsprojekt „Processual Feminism“ erhielt Anne-Sophie Meincke den FWF-Astra-Preis. Sie plant, künftig an der Universität Klagenfurt zu forschen.

Anne-Sophie Meincke zählt zu den erfolgreichsten Philosophinnen Österreichs. Mit dem Gewinn des diesjährigen Astra-Preises erhält sie rund 1,2 Millionen Euro für ihr Forschungsprojekt „Processual Feminism“. „Ich war überwältigt, als der Anruf kam“, erzählt die ursprünglich aus Norddeutschland stammende Philosophin. „Doktorandinnen, Konferenzen, Workshops und vieles mehr sind geplant“, verdeutlicht sie. Derzeit führt die Projektleiterin zudem Gespräche über einen möglichen Wechsel an die Universität Klagenfurt.

„Das hat der Wissenschaft gefehlt“
Mit ihrem Projekt „Processual Feminism“ setzte sie sich gegen rund 170 Mitbewerber durch und gehört nun zu den 18 ausgezeichneten Projekten des Astra-Preises. Das Forschungsprojekt verbindet Prozess-Metaphysik mit feministischer Philosophie. Im Mittelpunkt stehen das Verhältnis von biologischem Geschlecht und Gender, Fortpflanzung und Weiblichkeit sowie der Ökofeminismus. „Genau das hat der Wissenschaft gefehlt“, betont die Professorin. Ihr Ziel ist es, die „feministische Philosophie konstruktiver weiterzuentwickeln“. Einen wichtigen Impuls dafür erhielt sie bereits während ihres Studiums in München. Damals fiel ihr auf, dass es dort keine Professorin gab. Erst während ihrer Zeit in Southampton hatte sie erstmals eine Vorgesetzte, wo eine ganz andere Arbeitskultur herrschte. „Damals sagte ich mir: So eine Chefin möchte ich sein“, erinnert sich Meincke.
„Sehe mich als Österreicherin“
Heute lebt sie seit rund zehn Jahren in Österreich, verbrachte zwischenzeitlich aber auch einige Jahre in England. „Ich sehe mich schon als Österreicherin“, stellt sie klar. Ihre Wurzeln liegen jedoch in Niedersachsen, wo Meincke aufgewachsen ist. Bereits im Gymnasium faszinierten sie die Texte des griechischen Philosophen Thales und sie entwickelte Interesse für Philosophie. Zunächst studierte sie Deutsch und Philosophie für das Lehramt, merkte jedoch bald, dass ihr Weg in eine andere Richtung führen sollte. „Ich habe meinen Magister in Germanistik gemacht, das Doktorat aber in Philosophie“, erzählt die Professorin.
FWF-Astra-Preis
Ein hochdotierter Förderpreis des Austrian Science Fund (FWF) für fortgeschrittene Postdocs. Ziel ist die Unterstützung von exzellenten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern in der Grundlagenforschung.
„Nachdenken über das Denken“
„Jeder ist irgendwie ein Philosoph“, davon ist die Wahlwienerin überzeugt. Genau deshalb widmet sie sich ihrer Leidenschaft tagtäglich. Ihr beruflicher Alltag besteht aus dem „Nachdenken über das Denken“, dem Lesen wissenschaftlicher Literatur und dem Halten sowie dem Besuchen von Vorträgen. Sie beschreibt sich selbst als jemand, der der Wahrheit auf den Grund gehen will, und nutzt nahezu jede Gelegenheit zum Nachdenken, selbst dann, wenn eigentlich Entspannung angesagt wäre. „Ich will mit meinem Hund spazieren gehen, komme dann aber wieder ins Denken“, erzählt die 47-Jährige.
Anne-Sophie Meincke ist stolz darauf, stets ihrer Leidenschaft nachgegangen zu sein. „Man darf keine Angst haben, seinen Interessen zu folgen“, sagt sie. Für die Gewinnerin beginnt nun ein neues Kapitel. Mit ihrem Herzensprojekt möchte sie die feministische Philosophie weiterdenken und vielleicht schon bald an der Universität Klagenfurt forschen.