Die Europäische Zentralbank (EZB) präsentiert zehn Entwürfe für die geplante neue Banknotenserie und befragt nun die Bürgerinnen und Bürger. Bis zum 21. September können sich Europäerinnen und Europäer an einer Online-Umfrage beteiligen. Wahrscheinlich Ende 2026 wird der EZB-Rat einen Vorschlag auswählen. Bis die Menschen die neuen Banknoten in Händen halten, wird noch einige Zeit vergehen.
Euro-Banknoten seien mehr als ein Zahlungsmittel, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei der Vorstellung der von Grafikdesignern gestalteten Vorschläge. Es sei der Notenbank wichtig, die Stimme des Volkes dazu zu hören: „Die Banknoten gehören Ihnen.“ Der Euro ist gemeinsame Währung von rund 358 Millionen Menschen in 21 Ländern der Europäischen Union.
Berühmte Persönlichkeiten oder Flüsse und Vögel
Nun sind alle Menschen in Europa eingeladen, sich in einer auf Beschluss des EZB-Rats initiierten Online-Umfrage zu diesen zehn Gestaltungsvorschlägen zu äußern. Die öffentliche Umfrage läuft noch bis zum 21. September 2026. Parallel dazu wird ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut eine separate Umfrage mit denselben Fragen bei einer repräsentativen Stichprobe von Bürgerinnen und Bürgern des Euroraums durchführen. Die EZB wird einen Bericht über die Ergebnisse beider Umfragen veröffentlichen, sobald das endgültige Gestaltungskonzept ausgewählt worden ist. Das Feedback der Öffentlichkeit ist ein wesentliches Element des inklusiven Ansatzes des Eurosystems. So wird sichergestellt, dass die Ansichten von Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Europa berücksichtigt werden.
In einer Vorauswahl für die Motive der neuen Banknoten hatte die EZB bereits Anfang vergangenen Jahres zwei Themen festgelegt. Für jedes liegen nun jeweils fünf Umsetzungsvorschläge vor: Einerseits geht es um das Thema „Europäische Kultur“: Auf der Vorderseite der Scheine sind berühmte Europäer wie Ludwig van Beethoven, Marie Curie und Leonardo da Vinci verewigt. Die Rückseiten zeigen etwa Darstellungen von Straßenkünstlern oder einem Sängerfest. Das zweite Thema befasst sich mit dem Thema „Flüsse und Vögel“: Fokus ist in diesem Fall die „Widerstandskraft und Vielfalt der natürlichen Ökosysteme Europas“. Unter anderem Eisvogel und Weißstorch kommen zu Ehren. Auf der Rückseite der Scheine werden europäische Institutionen abgebildet, zum Beispiel das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die EZB.
Neue Sicherheitsmerkmale in Arbeit
Die EZB hatte Ende 2021 einen Prozess zur Neugestaltung der Geldscheine angestoßen. Notenbanken entwickeln regelmäßig neue Banknotenserien, um Kriminellen das Handwerk zu erschweren. Die neuen Banknoten werden laut der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) daher auch „neuartige und verbesserte Sicherheitsmerkmale enthalten, die die Echtheitsüberprüfung erleichtern und die hindernisfreie Nutzung – auch durch Menschen mit Sehbeeinträchtigungen – verbessern“.
Zudem wollen die Euro-Währungshüter die Umweltfolgen der Produktion verringern: Ziel ist, dass die Scheine länger halten. Ein weiterer Aspekt: Für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sollen die Banknoten besser erkennbar sein.
Die ersten Euro-Banknoten wurden am 1. Jänner 2002 ausgegeben. Seit Mai 2019 ist die zweite Generation der Scheine mit neuen Sicherheitsmerkmalen komplett.
„Unverzichtbarer Bestandteil unseres Zahlungsverkehr“
OeNB-Gouverneur Martin Kocher betont: „Bargeld ist und bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Zahlungsverkehrs. Wahlfreiheit bei der Bezahlung ist ein zentrales Anliegen des Eurosystems. Deshalb werden die Euro-Banknoten laufend weiterentwickelt und mit noch moderneren Sicherheitsmerkmalen ausgestattet.“ Nun starte ein „breiter öffentlicher Beteiligungsprozess, bei dem alle Europäerinnen und Europäer ihre Meinung zu den Gestaltungsvorschlägen einbringen können. Das ist wichtig, denn die Euro-Banknoten gehören den Menschen in Europa – sie sollen sich auch in ihrem Design wiederfinden“, so Kocher.