Die Sternwarte Edelschrott ermöglicht den Blick ins Universum
In St. Hemma finden die Mitglieder des Vereins Sternwarte Edelschrott ideale Bedingungen für die Himmelsbeobachtung vor. Bei öffentlichen Führungen können Interessierte einen Blick ins All werfen.
Wenn über St. Hemma die Wolken aufreißen, freuen sich nicht nur die Wanderer über den Anblick der Sonne. Durch das Sonnenteleskop der Sternwarte Edelschrott wirkt sie wie eine kleine rote Scheibe. Bei genauer Betrachtung werden feine Strukturen auf ihrer Oberfläche sichtbar, darunter dunkle Sonnenflecken und leuchtende Protuberanzen, das sind gewaltige, bogenförmige Materieströme, die sich weit in den Weltraum erstrecken.
Seit der Fertigstellung der Sternwarte im Jahr 2013 beobachten die Mitglieder des Vereins Sternwarte Edelschrott das Himmelsgeschehen, fertigen Aufnahmen von astronomischen Objekten an und bieten Führungen für Interessierte an. „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt. Rund 45 Mitglieder nutzen die Sternwarte regelmäßig als Treffpunkt und widmen sich in ihrer Freizeit der Astronomie“, sagt Gerald Lasnik. Der Bärnbacher folgte im vergangenen Jahr Bruno Eberhart als Vereinsobmann nach. Gemeinsam legten beide den Grundstein für die Vereinsgründung im Jahr 1981.

Objekte aus riesiger Entfernung im Visier
Die Sternwarte am Mittleren Kreuzberg 681a wurde größtenteils privat finanziert und in Eigenregie gebaut. Durch eine ausgeklügelte Steuerung kann das Dach des Gebäudes mit wenigen Handgriffen geöffnet werden. Die drei Teleskope – ein Sonnen-, ein Spiegelteleskop und ein Linsenfernrohr – sind computergesteuert und können Tausende gespeicherte Objekte automatisch ins Visier nehmen. Sogar Objekte, die mehr als eine Milliarde Lichtjahre entfernt sind, können so erfasst werden.
Wenn man sieht, wie groß das Universum ist, wird einem bewusst, wie unbedeutend die Erde und wir Menschen in astronomischer Hinsicht sind.
— Gerald Lasnik, Obmann Verein Sternwarte Edelschrott
Lasnik beschäftigt sich seit 55 Jahren mit der Astronomie. „Früher war es viel schwieriger, an Fachliteratur zu kommen. Heute findet man eine Fülle an Informationen im Internet“, sagt er. Die Faszination seines Hobbys liegt für ihn in der Technik und den Perspektiven, die es eröffnet. „Es ist für jeden Menschen sinnvoll, über den Tellerrand zu schauen. Wenn man sieht, wie groß das Universum ist und wie viele Planeten es gibt, wird einem bewusst, wie unbedeutend die Erde und wir Menschen in astronomischer Hinsicht sind.“ Gleichzeitig sieht der Weststeirer die Neugier als eine besondere Eigenschaft des Menschen: „Es liegt in unserer Natur, Entdecker zu sein.“
Bedingungen werden schwieriger
In St. Hemma sind die Bedingungen für die Himmelsbeobachtung ideal. „Viele Menschen sind überrascht, wie viele Sterne man von hier oben sieht“, sagt Lasnik. Aufgrund der geringen Lichtverschmutzung sind sowohl der Kleine Wagen als auch die Milchstraße mit bloßem Auge gut zu erkennen. Dennoch ist die Zahl der klaren Beobachtungsnächte in den letzten Jahren zurückgegangen. „Die zunehmende Verbauung und der Klimawandel spielen dabei eine Rolle. Die Atmosphäre hat sich erwärmt, dadurch ist auch die Nebelobergrenze weiter hinaufgestiegen“, erklärt Lasnik. Hohe Luftfeuchtigkeit und Wind zählen ebenfalls zu den Störfaktoren. Das Funkeln der Sterne mag romantisch wirken, ist jedoch ein Zeichen für Luftunruhe und somit schlecht für die astronomische Beobachtung.
Öffentliche Führungen in der Sternwarte Edelschrott finden immer freitags (ausgenommen am ersten Freitag des Monats) sowie bei besonderen Ereignissen wie dem Meteorstrom der Perseiden am 12. August ab 22 Uhr statt. Am 29. August findet ab 16 Uhr eine öffentliche Sonnenbeobachtung statt. Zusätzlich können auch jederzeit Privatführungen (Anmeldung erforderlich) abgehalten werden. Da die Führungen wetterabhängig sind, kann es vorkommen, dass sie kurzfristig abgesagt werden müssen. Darüber informieren die Vereinsmitglieder auf der Website sternwarte-edelschrott.at, auf der sie auch Aufnahmen von astronomischen Objekten und Berichte zu Beobachtungen veröffentlichen.