Während der Wiener ÖVP-Wirtschaftsbund zur Causa ihres Chefs Walter Ruck weiter schweigt, mehren sich kritische Wortmeldungen aus der eigenen Partei des Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten. Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler forderte Ruck am Donnerstag zum Rücktritt auf. Die Causa schade der ÖVP, meinte Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner. Als erste für einen Parteiausschluss sprach sich die Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec aus.
Aktuell beschäftigt sich der ÖVP-Ethikrat mit der Causa Ruck, das werde noch etwas dauern, „aber irgendwas muss geschehen“, forderte Korosec gegenüber der APA. „Wenn der Ethikrat einen Parteiausschluss empfiehlt, würde ich das unterstützen unter der Voraussetzung, dass sich alles bewahrheitet“, so die Wiener ÖVP-Landtagsabgeordnete. Dass Ruck bisher nicht zurückgetreten sei, sei für sie „unverständlich“. Die Causa schade dem Wirtschaftsbund, der ÖVP und der Politik insgesamt. „Verwunderlich“ ist für Korosec auch, dass Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) dem Wiener Wirtschaftskammerchef „so die Stange hält“. Das Frauenbild in den geleakten Gesprächsprotokollen sei „ja nicht vergangenes Jahrhundert, das ist 200 Jahre zurück“, kritisierte sie.
Bauer sieht Ruck als SPÖ-Problem
Auch die Salzburger ÖVP-Landeshauptfrau fand am Donnerstag klare Worte: Im Ö1-„Mittagsjournal“ sprach sie sich dafür aus, dass Ruck Konsequenzen ziehen möge. Ruck selber hat sich immer noch nicht zur Sache geäußert, schweigt also und bleibt. Auf die Frage, ob das heiße, es gehe um einen Rücktritt, sagte Edtstadler „Ja“. Wenn die protokollierten Passagen stimmen, dann habe so etwas „im 21. Jahrhundert in einer Politik in Österreich nichts verloren“.
Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) sieht dagegen das Problem nur bei der SPÖ. „Es ist einzig die SPÖ Wien und der rote Bürgermeister Wiens, der nach wie vor Walter Ruck die Stange hält und es vollkommen okay findet, welches Bild von Politik und von Frauen in der Politik hier gezeichnet wird“, sagte Bauer gegenüber der ORF-„ZIB“. „Deshalb ist Walter Ruck jetzt nur ein Problem der SPÖ Wien.“
Wallner wiederum gab sich gegenüber der Kleinen Zeitung trotz grundlegender Kritik zurückhaltender: „Das wäre ein intensiver Zuruf aus dem Westen in den Osten. Den würde ich mir nicht erlauben“, sagte er im Interview. „In so einer Situation muss jeder selbst wissen, was zu tun ist.“
Ruck schweigt und bleibt
Doch Ruck will offensichtlich nicht gehen und schweigt bisher zu den kolportierten Äußerungen und scheint sich auf den Rückhalt seines Wiener Wirtschaftsbundes zu verlassen; seine Bastion ist die letzte, die ihn innerhalb der Volkspartei zu stützen scheint. Ansonsten gab es nur von den Chefinnen und Chefs der anderen Landes-Wirtschaftskammern und -ÖVP-Wirtschaftsbünde zumindest keine Kritik an ihrem Pendant.
Der Kammer- und Wirtschaftsbundspitzenfunktionär Ruck soll in kleinem Kreis unter anderem über seinen angeblichen Einfluss bei ÖVP-Listenerstellungen erzählt und sich über Parteifreunde und Industrievertreter mokiert haben. Angeblich gibt es auch unvorteilhafte Aussagen über Frauen. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat ihm zuletzt als einziger Spitzenpolitiker – etwa im Gegensatz zu ÖVP-Landeshauptleuten – offen die Mauer gemacht, die beiden gelten als gut vernetzt.
Holzleitner sieht „verstaubtes Politikverständnis“
Die SPÖ-Frauenchefin und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner sieht die Sache diametral anders als Ludwig. „Das Konzept von ‚exklusiven Herrenrunden‘ zeugt von einem verstaubten Politikverständnis, das im Jahr 2026 nichts mehr zu suchen hat“, kritisierte Holzleitner in einem Statement an die APA. Gleichstellung sei Pflicht und Personen des öffentlichen Lebens würde dabei eine besondere Verantwortung treffen. Der Parteichef der Sozialdemokraten, Andreas Babler, schloss sich dem Standpunkt Holzleitners an, ging aus dem „Mittagsjournal“ weiters hervor.
Und der bisher bleibende und schweigende Ruck selber? Der will - offenbar nach dem laut Medien protokollierten Motto „Schotten dicht und durchfahren“ - nun einmal einige Wochen auf Tauchstation gehen, schreiben etwa „Österreich“ und „heute“ unter Berufung auf dessen Umfeld. Anschließend solle versucht werden, intern die Wogen zu glätten, ehe man sich in die Offensive wagen könnte – vorausgesetzt allerdings, diese Strategie geht angesichts der immens vielen Ruck-kritischen Stimmen auch tatsächlich auf.