Mehr Besucher im Grazer Zentrum, doch Kernzone verliert erneut
Leichtes Plus zeigen aktuelle Frequenzmessungen in der Grazer Innenstadt. Doch die eigentliche Kernzone rund um die Herrengasse hat erneut Besucher verloren.

Dass eine Entwicklung zugleich positiv und auch negativ sein kann, haben in den vergangenen Jahren die Frequenzmessungen in der Grazer Innenstadt bewiesen: So spuckten anonymisierte Handydaten aus, dass zuletzt immer weniger Menschen rund um die Herrengasse flanierten – was in ohnehin herausfordernden Zeiten für den Handel eine weitere kleine Ohrfeige war. Doch im Gegenzug zeigten diese Messungen auch, dass sich der Strom der Besucher offenbar besser aufteilt, da die Grazer Innenstadt wiederum leicht steigende Frequenzen aufweisen konnte.
Diese Tendenz setzt sich auch im ersten Halbjahr 2026 fort: Wie man nun im Büro von Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) der Kleinen Zeitung bestätigt, verzeichne die „erweiterte Innenstadt“ – Jakominiplatz über Herrengasse, Sporgasse, Südtirolerplatz bis Lendplatz und Annenstraße – exakt 12.651.860 Stadtbummler. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein leichtes Plus von 0,8 Prozent. Gleichzeitig allerdings verliert die „eigentliche Kernzone“ (Herrengasse und nahe Umgebung) erneut, im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent angesichts von 5,7 Millionen Besuchern in den ersten sechs Monaten.
Einzige A-Lage
Genauer betrachtet spielt es damit auch für die Herrengasse kalt-warm: Denn somit geht einerseits ihre frühere Strahlkraft weiter verloren, zuletzt ist ja die Frequenz zwischen Jakominiplatz und Hauptplatz gar drei Jahre in Folge gesunken – mit der Konsequenz, dass auch diese einstige Einkaufsmeile längst leere Geschäftsflächen aufgewiesen hat. Doch andererseits liege Graz generell mit einem Geschäftsleerstand von 5,3 Prozent bei einem Städtevergleich „im guten Mittelfeld“, hatte etwa Hannes Lindner von der Firma „Standort +Markt“ gemeint. Samt Nachsatz: „Katastrophen sehen anders aus.“ Zum Drüberstreuen leben prominente Flächen gerade neu auf: So wird der dänische Interior-Spezialist „Søstrene Grene“ jene Flächen in der Herrengasse – gleich neben der Altstadtpassage – aufmöbeln, in denen lange Zeit die Schuhfirma „Salamander“ daheim war. Und in der ehemaligen H&M-Filiale auf dem Hauptplatz startet ja schon am 30. Juli das Buchunternehmen Thalia eine neue Filiale.
Für Stadtrat Hohensinner ist das Ergebnis der jüngsten Frequenzmessung dennoch „ein deutliches Warnsignal“. Insofern müsse jenes Parkleitsystem, das auch in der Juni-Sitzung des Gemeinderates ausgebremst wurde, endlich umgesetzt werden. Immerhin einigten sich die Parteien auf die Installierung einer Park-App, welche freie Stellplätze in der Stadt anzeigen soll. Parallel will Hohensinner den Servicegedanken für Unternehmer forcieren und den Fokus auf den Lebensraum Mur legen: Letzterer müsse „als Freizeit-, Begegnungs- und Erlebnisraum“ weiterentwickelt werden.
Auch im Hinblick auf Gäste der Koralmbahn, welche die Verantwortlichen in Graz sehr zufriedenstimmen: Wie berichtet, zeigten ebenfalls anonyme Handydaten, dass im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 175.240 Besucher aus Kärnten in der Grazer Innenstadt gezählt werden – ein Plus von immerhin 26 Prozentpunkten.


