Wer übernimmt die Höfe? Zehn Kilometer hinter der Grenze gibt es eine Antwort
Der Generationenwechsel wird für Europas Landwirtschaft zur Schicksalsfrage. In Gornji Slaveči, nur wenige Autominuten von der steirisch-burgenländischen Grenze entfernt, zeigt die Familie Zavec, wie junge Landwirte mit Unterstützung der EU-Agrarpolitik einen Hof neu denken – und warum das auch Österreich betrifft.

Wer heute über die Zukunft der Landwirtschaft spricht, spricht nicht nur über Preise, Maschinen oder Wetterextreme. Die grundlegendere Frage lautet: Wer wird die Höfe von morgen führen?
In vielen Regionen Europas stehen Familienbetriebe vor der Übergabe. Die ältere Generation hat die Höfe aufgebaut und durch Krisen gebracht – doch immer öfter ist unklar, ob junge Menschen übernehmen wollen oder können. Damit ist der Generationenwechsel längst keine private Familienfrage mehr: Er entscheidet über Lebensmittelversorgung, lebendige Dörfer und die Zukunft des ländlichen Raums.
Ein Hof, zehn Kilometer hinter der Grenze
Die Landwirtschaft Zavec liegt in Gornji Slaveči in Slowenien – von Sankt Anna am Aigen rund zehn Kilometer, von Jennersdorf etwa 20 Autominuten entfernt. Die Fragen, die sich dort stellen, kennt man auch diesseits der Grenze: Wie gelingt die Hofübergabe? Wie besteht ein kleiner Betrieb wirtschaftlich? Und wie wird Landwirtschaft für junge Menschen wieder zur echten Perspektive?
Der Familienbetrieb entwickelte sich Schritt für Schritt von der klassischen Tierhaltung zur modernen Milchproduktion mit eigener Verarbeitung am Hof. Am Anfang stand eine Entscheidung, die viele Bauernfamilien kennen: Soll der Hof nur weitergeführt werden – oder neu gedacht?
Vom Milchhof zur Direktvermarktung
Neu gedacht hieß bei Zavec: Investitionen in Mechanisierung, bessere Abläufe und neue Vermarktungswege – später kam die Milchverarbeitung direkt am Hof dazu. Heute steht der Betrieb beispielhaft dafür, wie junge Menschen landwirtschaftliche Tradition mit Unternehmergeist verbinden.
Eine wichtige Rolle spielte die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP), die in Slowenien über den Strategieplan 2023–2027 umgesetzt wird. Die Niederlassungsbeihilfe für Junglandwirte (IRP24) erleichtert den Einstieg und die Hofübernahme, Investitionsmaßnahmen zur Modernisierung (IRP13) helfen, Technik und Produktion zu erneuern.

Dieselben Fragen – diesseits wie jenseits
Was in Gornji Slaveči sichtbar wird, betrifft den gesamten Grenzraum: Auch in der Südoststeiermark und im Burgenland stehen Familienbetriebe vor der Übergabe. Die Instrumente der GAP unterscheiden sich von Land zu Land, die Richtung ist dieselbe – junge Menschen sollen Landwirtschaft nicht als Pflicht sehen, sondern als Zukunft.
Wo Höfe aufgegeben werden, verändert sich mehr als eine Wirtschaftsstruktur. Wo junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter übernehmen, entstehen dagegen oft neue Ideen: Hofläden, Direktvermarktung, Agrartourismus, digitale Lösungen und nachhaltigere Produktionsweisen.

Wissen ist genauso wichtig wie Geld
Förderung allein reicht nicht. Wer einen Hof übernimmt, braucht Wissen, Beratung und Austausch. Deshalb setzt der slowenische GAP-Strategieplan auch auf Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen (IRP30) sowie Beratungsdienste (IRP31), damit junge Landwirtinnen und Landwirte ihre Betriebe langfristig entwickeln können.
Das Beispiel Zavec zeigt, wie europäische Agrarpolitik ganz konkret Wirkung entfaltet: auf einem Hof, in einer Familie, in einer Grenzregion. Die Grundfrage bleibt auf beiden Seiten dieselbe – wie schaffen wir Bedingungen, damit junge Menschen am Hof bleiben, übernehmen und Neues wagen?

Hintergrund: GAP und der slowenische Strategieplan
Dieser Beitrag bezieht sich auf die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union und auf den slowenischen Strategieplan der GAP 2023–2027, insbesondere auf das spezifische Ziel SO7: Gewinnung und Bindung junger Landwirtinnen und Landwirte sowie Förderung der nachhaltigen Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe im ländlichen Raum. Genannte Interventionen: IRP24 – Niederlassungsbeihilfe für Junglandwirte, IRP13 – Investitionsmaßnahmen zur Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe, IRP30 – Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen sowie IRP31 – Beratungsdienste.
Der Artikel entstand im Rahmen des Projekts AgriNextGen.

Kofinanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten der Europäischen Union wider. Weder die Europäische Union noch die fördernde Stelle können dafür verantwortlich gemacht werden.