Wer pauschal und „all inclusive“ bucht, kennt die Kosten vorab. Wer aber auf Reisen in Lokale geht oder als Individualreisender mit Bus, Bahn, Mietwagen oder dem eigenen Auto reist, um eine Region zu erkunden, merkt: Manches ist billiger als daheim, vieles teurer. Einen Anhaltspunkt liefert die EU-Behörde Eurostat: Sie vergleicht jedes Jahr die Lebenshaltungskosten und setzt den Schnitt der 27 EU-Staaten auf den Indexwert 100. Deutschland liegt mit 108,3 darüber, Österreich mit 113 noch höher. Die Schweiz ist mit 184 Prozent das teuerste Land in Gesamteuropa, Dänemark mit 140 Prozent das teuerste in der EU. Auch andere skandinavische Länder liegen weit über dem EU-Mittel.
Für einen Vergleich der Preise in sieben beliebten europäischen Urlaubsländern am Mittelmeer haben wir neben den allgemeinen Lebenshaltungskosten die von Eurostat ermittelten Preise für Hotels und Restaurants, Lebensmittel, alkoholfreie Getränke, Fisch und Meeresfrüchte, Alkohol, Tabak sowie öffentliche Verkehrsmittel ausgewertet. Erkenntnis: Das günstigste Land ist nicht automatisch das billigste Urlaubsziel. Die Reisekosten hängen stark von den persönlichen Konsumgewohnheiten ab. Erst der Blick auf die Preise für Unterkunft, Gastronomie und Mobilität zeigt, wie teuer es wird.
Frankreich
Das teuerste Reiseziel, fast alles kostet hier mehr als im EU-Durchschnitt. Für Hotels und Restaurants muss man 16 Prozent mehr ausgeben, Fische und Meeresfrüchte sind fast zehn Prozent teurer, Tickets für öffentliche Verkehrsmittel zwölf Prozent. Für Zigaretten bezahlt man rund doppelt so viel.
Italien
Die allgemeinen Lebenshaltungskosten liegen mit einem Index von 97,1 knapp unter dem EU-Durchschnitt. Hotels und Restaurants sind allerdings mit einem Indexwert von 111 vergleichsweise teuer. Auch bei den Lebensmittelpreisen liegt Italien mit 103,3 über dem EU-Mittelwert. Dafür sind Wein, Bier, Spirituosen und alkoholfreie Getränke günstiger als in den meisten anderen Mittelmeerländern. Auch bei Fischgerichten ist man eher preiswert.
Spanien
Mit einem Indexwert von 91,6 ist Spanien günstiger als Italien. Hotels und Restaurants kosten rund 15 Prozent weniger als im EU-Durchschnitt, Lebensmittel sind etwa fünf Prozent billiger. Für Fisch und Meeresfrüchte zahlt man hier rund fünf Prozent weniger als im EU-Mittel. Bemerkenswert: Spanien ist das einzige der sieben verglichenen Länder, das in allen untersuchten Kategorien unter dem EU-Durchschnitt bleibt. Das macht die Kosten für Individualurlauber besonders gut kalkulierbar.
Griechenland
Griechenland liegt bei den Preisen im europäischen Mittelfeld. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind etwas niedriger als in Spanien, Hotels und Restaurants etwas teurer. Die Preise für Lebensmittel sowie alkoholische und alkoholfreie Getränke liegen fünf bis zehn Prozent über dem EU-Durchschnitt. Besonders kostspielig sind im bei österreichischen Gästen anhaltend beliebten Urlaubsland Fisch und Meeresfrüchte – für sie bezahlt man in Griechenland sogar noch mehr als im teuren Frankreich.
Portugal
Portugal punktet vor allem bei günstigen Kosten für Hotels und Restaurants: Kein anderes der sieben Reiseziele ist in dieser Kategorie günstiger. Auch Fisch und Meeresfrüchte sind vergleichsweise preiswert. Getränke schlagen dagegen stärker zu Buche – sowohl mit als auch ohne Alkohol liegen die Preise knapp zehn Prozent über dem von Eurostat berechneten europäischen Durchschnitt.
Kroatien
Zigaretten kosten hier rund ein Drittel weniger als im EU-Mittel. Ansonsten ist das Adrialand aber kein billiges Reiseziel. Alkoholische und alkoholfreie Getränke gehören zu den teuersten. Auch Hotels und Restaurants sind kostspieliger als in Italien, Spanien oder Griechenland. Fisch und Meeresfrüchte sind auch übermäßig teuer.
Türkei
Die Türkei ist insgesamt das günstigste der sieben Reiseziele. Die Lebenshaltungskosten liegen nur bei rund 60 Prozent des EU-Durchschnitts. Öffentliche Verkehrsmittel sind besonders preiswert, und nur in Portugal sind Hotels und Restaurants noch günstiger. Eine Ausnahme bildet Alkohol: Wegen hoher Steuern kosten Bier, Wein und Spirituosen mehr als doppelt so viel wie im EU-Durchschnitt. Fisch und Meeresfrüchte sind ebenfalls überraschend teuer.