„Mir ist es wichtig, die Leute zu sensibilisieren, kaputte Dinge nicht gleich wegzuwerfen, sondern anzuschauen, ob sie noch reparabel sind“, sagt die Schneidermeisterin Silvia Schmerlaib, die vor ihrer Pensionierung 35 Jahre lang beim Kärntner Heimatwerk beschäftigt war – davon 25 Jahre lang als Leiterin der Wolfsberger Filiale.

Ehrenamtlich ist sie seit 40 Jahren beim Kärntner Bildungswerk für das Trachtenwesen zuständig. Als das Bildungswerk 2015 das Projekt „Reparatur Café“ präsentierte, war die St. Andräerin gleich Feuer und Flamme. „Die Idee gefiel mir. Letztlich war es meine Tochter, die sagte: ,Das musst du machen‘“, lacht die zweifache Oma.

Angefangen hat es quasi als „Familienbetrieb“: „Nachdem ich aus einer Handwerker-Familie komme und selbst im Handwerk tätig war, begannen wir 2016 mit meinem Vater, meinem Schwiegersohn und dessen Arbeitskollegen im Saal der evangelischen Kirche mit dem ersten Reparatur Café“, erinnert sich Schmerlaib zurück: „Seit wir mit der Gemeinde zusammenarbeiten, halten wir die Cafés in der Stadt ab.“

Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Fachleute dazu. „Inzwischen haben wir 20 Experten im Team, wobei nicht jeder immer kann. Wir haben Elektriker, Tischler, Kleidermacher, Computerfachleute, Fahrradexperten und einen Experten für ID Austria“, zählt Schmerlaib auf. Viele ältere Kunden holen sich dort Hilfe für Computer und Handy. Gegen eine freiwillige Spende wurden in den letzten zehn Jahren über 1000 Reparaturen gemacht. „Die Spenden unserer Kunden dienen einem sozialen Zweck.“

Elektro-Experten am Werk: Kleine Elektrogeräte werden gerne zum Reparatur Café gebracht
Elektro-Experten am Werk: Kleine Elektrogeräte werden gerne zum Reparatur Café gebracht © Gerhard Pulsinger

„Der Zulauf an Experten animiert mich zum Weitermachen. Einen Nähmaschinenelektriker würden wir dringend brauchen“, sagt die St. Andräerin, die betont: „Ich organisiere die Cafés zwar, aber die wichtigsten Helfer sind die Fachleute, die ehrenamtlich hervorragende Arbeit leisten.“

Altes Spielzeug und Elektrogeräte

Die Erfolgsrate der reparierten Dinge liege im Schnitt bei 70 Prozent. Doch was wird überhaupt gebracht? „Sehr viel ganz altes Kinderspielzeug, das für die Inhaber einen ideelen Wert hat. Es wurden schon alte Puppen oder Teddybären wieder zusammengenäht. Viele kommen auch mit kleinen Elektrogeräten, bei denen die Reparatur im Handel mehr kosten würde, als ein neues. Wir leisten also einen Beitrag gegen die Wegwerfgesellschaft“, sagt die 66-Jährige, die stolz darauf ist, dass die Trachtengruppe Bad St. Leonhard auf ihre Initiative hin seit fünf Jahren ein jährliches Reparatur Café organisiert. Silvia Schmerlaib selbst ist seit 35 Jahren Mitglied der St. Andräer Trachtenfrauen und seit zwei Jahren Teil des dortigen Führungsteams.